ADB:August, Ernst Ferdinand

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Artikel „August, Ernst Ferdinand“ von Moritz Cantor in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 683–684, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:August,_Ernst_Ferdinand&oldid=- (Version vom 11. Dezember 2019, 22:45 Uhr UTC)
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August: Ernst Ferdinand A., geb. 18. Febr. 1795 zu Prenzlau in der Mark, † 25. März 1870 in Berlin. Als arme Waise von einer selbst unbemittelten Handwerkersfamilie liebevoll aufgenommen kam A. 1805 unter thatkräftigem [684] Beistande des Geheimeraths Kenke, der die ungewöhnliche Begabung des Knaben erkannte, in das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, wo er namentlich in den mathematischen und physikalischen Unterricht Ernst Gottfried Fischer’s genoß und in ein freudschaftliches Verhältniß zu diesem Lehrer trat, welches mit den Jahren enger und enger und durch die Heirath August’s mit Fischer’s jüngster Tochter Johanna am 11. Aug. 1823 besiegelt wurde. Das J. 1813 fand A. als Primaner; er machte rasch sein Abiturientenexamen und nahm erst als lützowscher Jäger, dann im Kriege von 1815 als Landwehrlieutenant am Befreiungskriege Theil. Nach geschlossenem Frieden widmete er sich der Theologie und Philologie mit steter Rücksicht auf Pädagogik und begann seinen Lehrerberuf 1817 als Probandus und 1818 als Oberlehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster, seit 1821 am Joachimsthal’schen Gymnasium in Berlin. Jetzt erst trat in ihm die hervorstechende Neigung zur Mathematik deutlich hervor, und als Lehrer begann er diese Disciplin gründlich zu studiren, so daß er 1823 mit einer Dissertation über die Kegelschnitte promovirte und den Titel eines Professors der Mathematik am Joachimsthal’schen Gymnasium erhielt. 1827 wurde er Director des neu errichteten köllnischen Realgymnasiums in Berlin und behielt diese Stellung bis zu seinem Tode. Dieses Realgymnasium sollte unter seiner Leitung den Versuch machen, in der Mitte stehend, zwischen den Gymnasien und Realschulen, den Realien und neueren Sprachen einen größeren Spielraum zu gewähren, ohne die humanistische Gymnasialbildung aufzugeben. Wol wußte August’s großes pädagogisches Talent auch auf diesem Wege während einer Reihe von Jahren schöne Resultate zu erzielen, wofür als Beleg angeführt werden darf, daß zur Zeit seines Todes 8 seiner Schüler als akademische Professoren an deutschen Universitäten wirkten. Dennoch mußte das Princip wieder aufgegeben werden, weil, wenn beiden Richtungen, die es zu verbinden trachtete, ihr Recht geschehen sollte, eine gefährliche Ueberbürdung der lernenden Jugend sich als unvermeidlich erwies. Das köllnische Gymnasium mußte sich daher endlich im Lehrplan der allgemeinen Gymnasialnorm wieder anschließen und die Realien und neueren Sprachen blieben nur in facultativen Lehrstunden für solche Schüler, welche dafür besondere Neigung haben. – August’s schriftstellerischer Thätigkeit verdankt man neue Ausgaben der E. G. Fischer’schen Lehrbücher, eine griechische Ausgabe der „Elemente des Euclid“ (1826–29), häufig aufgelegte Logarithmentabellen und eine Anzahl von Programmen meistens physikalischen Inhaltes, unter welchen aber auch eines von 1829 unter dem Titel: „Zur Kenntniß der geometrischen Methode der Alten“, ein historisch-mathematisches Interesse bietet. Mehrere physikalische Apparate hat er theils erfunden, theils verbessert, z. B. das Psychrometer, einen Heliostaten, einen Skiostaten, ein Spiral-Hygroskop.

Grunert, Archiv der Mathematik und Physik, Bd. 51. Litterarischer Bericht CCIV. S. 1–5.