ADB:Badius, Jodocus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Badius, Jodocus“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 184–185, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Badius,_Jodocus&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 06:10 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Bader, Joseph
Nächster>>>
Bagel
Band 46 (1902), S. 184–185 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Jodocus Badius in der Wikipedia
GND-Nummer 11901808X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|46|184|185|Badius, Jodocus|Karl Steiff|ADB:Badius, Jodocus}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11901808X}}    

Badius: Jodocus B. (Josse Bade) – mit dem Beinamen, der oft auch als Hauptname vorkommt: Ascensius, weil er von Assche in Brabant gebürtig war –, ein gelehrter Drucker und Buchhändler Frankreichs von hervorragender Bedeutung. Er wurde geboren 1462 und starb 1535. Nachdem er bei den Brüdern des gemeinsamen Lebens in Gent die erste Schulung erhalten und sodann in Italien namentlich unter dem berühmten Humanisten Battista Guarino in Ferrara studirt hatte, kam er nach Lyon, wo er als Lehrer des Griechischen und Lateinischen, bald aber auch, seit 1491, als gelehrter Corrector für die Werkstätte des deutschen Buchdruckers Joh. Trechsel (A. D. B. XXXVIII, 552 ff.) thätig war. Nicht lange nach dessen im J. 1498 erfolgtem Tode, wahrscheinlich im J. 1500, siedelte er nach Paris über, jedoch, soviel wir finden, nicht um an der Universität einen Lehrauftrag zu übernehmen, sondern lediglich um nun selbst eine Druckerei zu errichten, für die er aber zugleich, in Fortsetzung seiner Lyoner Thätigkeit, der trefflichste Corrector war. (Falsch ist es – trotz Hain’s Repertorium bibliographicum –, daß B. schon im 15. Jahrhundert und gar schon während seiner Lyoner Zeit gedruckt habe.) Zu dem Druck gesellte sich bald auch der Buchhandel und namentlich der Verlag, bei dem wir ihn oft mit dem großen Verleger Jean Petit vereinigt sehen. Welche Thätigkeit B. von 1501, seinem ersten Druckjahr, bis zu seinem Tod entfaltet hat, das mag aus dem Umstand hervorgehen, daß Panzer nicht weniger denn 400 Schriften ausführt, die nach ihm aus Badius’ Pressen hervorgegangen sind. Es mögen immerhin darunter sich manche unechte finden, andererseits kann aber dieser erste Versuch einer Zusammenstellung unmöglich auch nur annähernde Vollständigkeit erreicht haben. Die Zahl von Badius’ Drucken dürfte also noch beträchtlich größer sein. Fast alle diese Schriften sind wissenschaftlichen Inhalts. Darunter sind einige geschichtliche, ein paar juristische, um ein ziemliches mehr theologische Werke (dies insbesondere in der späteren Zeit); weitaus die meisten aber gehören dem Gebiete des Humanismus an. Eine lange Reihe der wichtigsten griechischen und römischen Schriftsteller (jene freilich nur in lateinischer Uebersetzung) zieht, und zwar oft wiederholt, d. h. in mehreren Auflagen, an unserem Auge vorüber, wenn wir das „Werk“ des B. mustern; und ihnen schließt sich eine nicht minder große Zahl von Humanisten der früheren und der damaligen Zeit mit ihren Schriften an. Nimmt man dazu, daß B. sich dabei nicht nur auf den Druck, Verlag und Vertrieb beschränkte, daß er wie früher in Lyon so jetzt in Paris bei sehr vielen jener Werke als Hersteller des Textes, Erklärer, Uebersetzer betheiligt war, und zwar mit sehr geschätzten Leistungen, so erhellt die Bedeutung, welche diesem Manne in der Geschichte des Humanismus zukommt. Weniger von Belang ist, was B. selbständig verröffentlicht hat: eine Biographie von Thomas a Kempis, ein Compendiolum de epistolis und eine Art Ergänzung zu Sebastian Brant’s Narrenschiff (Stultiferae naves sensus animosque trahentes mortis in exitium), die auch ins Französische übersetzt und im 16. Jahrhundert wiederholt aufgelegt worden ist. Noch sei das Druckerwappen des B. kurz erwähnt: es zeigt das Innere einer in Thätigteit befindlichen Druckerei mit der Aufschrift: Prelum Ascensianum und ist in seiner Weise für die Geschichte der Druckkunst von Interesse. (Eine Abbildung siehe z. B. bei Brunet, Manuel du libraire, 5. éd. t. I col. 64 u. sonst.)

Nach des Jodocus B. Tod übernahm sein Sohn Konrad B., angeblich geboren 1510, † 1560, das Geschäft; er führte es im Geiste seines Vaters weiter und setzte diese Thätigkeit auch fort, als er 1549 wegen seiner calvinistischen Richtung nach Genf flüchten mußte. Bedeutender freilich als der Sohn waren des Jodocus B. drei Schwiegersöhne; es waren die großen französischen Drucker Michel Vascosan, Jean de Roigny und Robert Etienne.

[185] Vgl. Panzer, Annales typographici t. VII, p. 501–fin. VIII, p. 2 bis 183, 210 sq., XI, p. 476–495. – Nouv. biographie générale t. IV, 1855, col. 129 sqq.Biographie nationale de Belgique t. I, 1866, col. 610 sqq. und die in den beiden letztgenannten Werken sowie bei Chevalier, Repertoire des sources historiques du moyen-âge, 1877–86, col. 207 sq., u. Suppl. 1888, col. 2438 bezeichneten Quellen.