ADB:Panzer, Georg Wolfgang Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Panzer, Georg Wolfgang Franz“ von Heinrich Pallmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 132–134, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Panzer,_Georg_Wolfgang_Franz&oldid=2503682 (Version vom 25. November 2017, 01:38 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Panzer, Friedrich
Nächster>>>
Panzer, Georg
Band 25 (1887), S. 132–134 (Quelle).
Wikisource-logo.png Georg Wolfgang Panzer bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Georg Wolfgang Panzer in der Wikipedia
GND-Nummer 116023961
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|132|134|Panzer, Georg Wolfgang Franz|Heinrich Pallmann|ADB:Panzer, Georg Wolfgang Franz}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116023961}}    

Panzer: Georg Wolfgang Franz P., einer der verdienstvollsten deutschen Bibliographen, wurde am 16. März 1729 zu Sulzbach in der Oberpfalz geboren. Sein Vater, der kurfürstliche Hof- und Regierungsrath Dr. jur. Bernhard P., ließ seinem Sohne eine sorgfältige Erziehung ertheilen, bis dieser im J. 1747 die Universität Altdorf bezog, um daselbst philosophische und theologische Collegien zu hören. Nach zweijährigem Besuch dieser Hochschule und eifrigem Studium schied P. von derselben mit der philosophischen Magisterwürde, welche er sich durch eine Dissertation „de falsis conclusionibus ex attributis [133] divinis“ errungen hatte. Am 15. December 1751 wurde er Pfarrer zu Etzelwang, einem nürnbergischen Dorfe, wo er bis zum Jahre 1760 verblieb, nachdem er die ländliche Einsamkeit zu vielseitigen Studien benutzt hatte. Am 29. August des genannten Jahres wurde er Diacon an der Hauptpfarrkirche zu St. Sebald in Nürnberg, zwölf Jahre darauf, am 2. April 1772, übertrug man ihm das Senoriat seines Capitels und am 8. Februar des folgenden Jahres wurde er zum Schaffer oder Hauptpastor dieser Kirche ernannt. In dieser seiner Stellung machte er sich um manche kirchliche Verbesserungen verdient, so um Abschaffung unnöthiger Gottesdienste, Einführung einer allgemeinen Beichte und eines neuen verbesserten Gesangbuches. Nebenher fand er aber auch noch Zeit zu einer umfangreichen litterarischen Thätigkeit, deren Verdienst von Mit- und Nachwelt anerkannt wurde. Denn als ihm am 20. Juni 1799 von der philosophischen Facultät der Universität Altdorf der Glückwunsch zur fünfzigjährigen Magisterwürde ausgesprochen wurde, übersandte ihm zugleich die theologische Facultät das Diplom eines Doctors der Theologie. Außerdem war P. Mitglied der Altdorfer und Leipziger deutschen Gesellschaft, der Nürnbergischen Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie, des Pegnesischen Blumenordens, dessen Vorsteher er 1789 geworden war, und Aufseher der Nürnberger Stadtbibliothek. Nachdem P. am 6. Januar 1802 sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum und am 16. October desselben Jahres seine goldene Hochzeit gefeiert hatte, lebte er stets mit Studien und Arbeiten beschäftigt noch drei Jahre; am 9. Juli 1805 machte ein Schlaganfall seinem thätigen Leben ein Ende. P. hinterließ eine reichhaltige, werthvolle Bibliothek, seine vortreffliche Bibelsammlung hatte er bereits 1780 im Ganzen an den Herzog von Würtemberg verkauft; sie bildet heute noch einen wichtigen Bestandtheil der Stuttgarter Bibliothek. Diese seine Büchersammlungen hingen innig mit seiner litterarischen Thätigkeit zusammen, denn sie sind theilweise die Quellen seiner bibliographischen Handbücher, welche ihm stets seinen Ruhm in der deutschen Litteratur sichern werden. P. hat außer mehreren Aufsätzen in verschiedenen Zeitschriften ungefähr 45 selbständige Werke veröffentlicht, von denen die wichtigsten und bedeutendsten die auf Bibliographie bezüglichen sind. Seine übrigen Veröffentlichungen sind einige lateinische Gelegenheitsschriften, Uebersetzungen, zum Theil geographischen Inhalts, aus dem Englischen und Französischen, mehrere theologische Werke und einige kleinere Schriften über Ulrich von Hutten. Unter den bibliographischen Werken hat man drei Gruppen zu unterscheiden, die eine beschränkt sich auf die ältesten Bibelausgaben, die andere befaßt sich mit der älteren deutschen Litteratur seit Erfindung der Buchdruckerkunst und die dritte verbreitet sich über das Gesammtgebiet der Litteratur bis 1536. Außerdem wäre noch eine Buchdruckergeschichte Nürnbergs und ein lateinischer beschreibender Katalog der Bibliothek des Gottfried Thomasius, 27,251 Nummern in 3 Bänden, zu erwähnen. Die Titel der verschiedenen bibliographischen Werke Panzer’s sind: „Litterarische Nachricht von den allerältesten gedruckten deutschen Bibeln aus dem fünfzehnten Jahrhundert, welche in der öffentlichen Bibliothek der Reichsstadt Nürnberg aufbewahrt werden“, Nürnberg 1777, 4°; „Geschichte der Nürnbergischen Ausgaben der Bibel von Erfindung der Buchdruckerkunst bis auf unsere Zeiten“, Nürnberg 1778, 4°; „Ausführliche Beschreibung der ältesten Augsburgischen Ausgaben der Bibel, mit litterarischen Anmerkungen“, Nürnberg 1780, 4°; „Versuch einer kurzen Geschichte der römisch-katholischen deutschen Bibelübersetzung“, Nürnberg 1781, 4°; „Entwurf einer vollständigen Geschichte der deutschen Bibelübersetzung Dr. Martin Luthers vom Jahre 1517–1581“, Nürnberg 1781, gr. 8°, zweite mit Zusätzen vermehrte Ausgabe, Nürnberg 1791, 8°; „Annalen der älteren deutschen Litteratur oder Anzeige und Beschreibung derjenigen Bücher, welche [134] von Erfindung der Buchdruckerkunst bis 1526 in deutscher Sprache gedruckt worden sind“, 2 Bände, Nürnberg 1788 und 1805, 4°; „Annales typographici ab artis inventae origine usque ad annum MDXXXVI“, 11 voll. Norimbergae 1793–1803, 4°. Jedes dieser Bücher zeugt von riesiger Arbeitskraft und tiefer Gründlichkeit des Verfassers, und sie werden alle immer noch als Quellenwerke benutzt, da bis heute sich niemand gefunden hat, der durch eine bessere Bearbeitung des Stoffes sie in Schatten gestellt hätte.

Will, Gg. Andreas, Nürnbergisches Gelehrtenlexikon. 4 Theile. Nürnberg 1755–1758, 4°. – Nopitsch, Christian Conrad, Fortsetzung des Will’schen Gelehrten-Lexikons. 4 Bände. Nürnberg 1802–1808, 4°.