ADB:Barth von Harmating, Hermann Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Barth-Harmating, Hermann Freiherr von“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 221–222, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Barth_von_Harmating,_Hermann_Freiherr&oldid=- (Version vom 10. Dezember 2019, 00:53 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Barth, Marquard
Nächster>>>
Barthelme, Hugo
Band 46 (1902), S. 221–222 (Quelle).
Wikisource-logo.png Hermann von Barth bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Hermann von Barth in der Wikipedia
GND-Nummer 120265605
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|46|221|222|Barth-Harmating, Hermann Freiherr von|Siegmund Günther|ADB:Barth von Harmating, Hermann Freiherr}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=120265605}}    

Barth: Hermann Freiherr von B.-Harmating, Alpinist und Forschungsreisender, geboren am 15. Mai 1845 zu Eurasburg in Oberbaiern, † am 7. December 1876 in Angola. B. entstammte einem sehr alten bairischen Adelsgeschlechte; das Familienstammschloß Harmating liegt, dem Schlosse Eurasburg gerade gegenüber, auf den rechtseitigen Anhöhen des oberen Isarthales. Der junge Mann wählte, nachdem er in München die Gymnasialstudien absolvirt hatte, die juristische Laufbahn und war ein fröhlicher Student, der aber auch seine Zukunft wohl im Auge zu behalten verstand. Als Rechtspraktikant hatte er das Glück, durchweg in solchen altbairischen Gerichtssitzen [222] thätig sein zu können, welche in unmittelbarer Nähe des Hochgebirges gelegen waren, sodaß seine angeborene Neigung zum Alpensport die reichste Nahrung empfing. Gründlich lernte er jetzt schon die heimathlichen Berge kennen, aber je mehr er sich in deren Reize versenkte, umso mehr empfand er auch die Nothwendigkeit, mit der bloßen Beschauung eine tiefere Erkenntniß verbinden zu können, und so wandte er allmählich seine Mußestunden ganz naturwissenschaftlichen, vorab geologischen Studien zu. In Augsburg, seiner letzten Station, fand er hiezu reichlich Gelegenheit, aber gerade eingehendere Beschäftigung mit dem Gegenstande der wachsenden Neigung legte ihm den Gedanken nahe, sich ganz derselben zu widmen. Er nahm deshalb längeren Urlaub, den er zu München verbrachte, um Vorlesungen zu hören und an Uebungen theilzunehmen. Gerade beim Essen pflegt sich oft der Hunger erst einzustellen; so ging es auch bei B., der dem Staatsdienste bald gänzlich entsagte und sich auf Grund einer Studie über die miocänen Versteinerungen der Algäuer Alpen den Doctorhut erwarb. Besonders den isolirt aufragenden Grünten hatte er zum öfteren bestiegen und allseitig untersucht. Während seines Augsburger Aufenthaltes hatte er auch die Bekanntschaft des Schriftstellers v. Hellwald gemacht, für dessen Wochenschrift „Ausland“ er mehrfach Artikel schrieb, welche bereits sein lebhaftes Interesse für den dunklen Erdtheil deutlich hervortreten lassen.

Fürs erste hielt ihn allerdings die heimathliche Bergwelt noch fest. Man kann fast sagen, daß B. der Entdecker des Karwendelgebirges ist, denn vor ihm war diese gewaltige Gebirgsmasse, deren Nordrand das Isar-, deren Südrand das Innthal bildet, sehr selten besucht und nur sehr ungenügend beschrieben gewesen. Seine Monographie „Aus den nördlichen Kalkalpen“ (München 1874) half deshalb einem wirklichen Mangel ab. Man ersieht aus ihr, daß der Autor, wie wenige, zu den schwierigen Aufgaben eines Hochtouristen befähigt war, aber auch in morphographischer Hinsicht verdient die Schrift alles Lob, und wenn auch seitdem für die Erforschung jenes Gebirgszuges durch A. Rothpletz, R. Schaefer, C. Gruber u. A. sehr vieles geschehen ist, so wird man doch immer Barth’s Namen als den des Pioniers und Pfadfinders in Ehren zu halten haben. Bald darauf trat er mit einem Buche über Afrika hervor, welches von dem Ernste seiner einschlägigen Studien offenkundig Zeugniß ablegte („Ostafrika von Limpopo bis zum Somalilande; Erforschungsreisen im Osten Afrikas, mit besonderer Rücksicht auf Leben, Reisen und Tod David Livingstones“, Leipzig 1875). Dasselbe machte Aufsehen und trug wohl dazu bei, daß die portugiesische Regierung B. die Stelle eines Landesgeologen der Colonialprovinz Angola antrug. Er nahm sie an, brach im Januar 1876 dahin auf und verweilte einige Wochen auf den vulkanischen Kapverden, von denen er eine – bis dahin fehlende – geologische Karte entwarf. An Ort und Stelle angelangt, begab er sich rasch in das Innere, sah sich aber bald durch unerwartete Schwierigkeiten aufgehalten. Die als Träger mitgenommenen Neger verweigerten ihm den Gehorsam, und da auch das Tropenfieber seine Macht über den bisher kerngesunden jungen Mann geltend zu machen anfing, so blieb ihm nur der Rückzug an die Küste übrig. Vergeblich bemühte sich der Afrikaforscher Pogge, B. zum Verlassen Afrikas zu bewegen; mißmuthig und krank versteifte er sich auf die Durchführung seiner Pläne, und bei einem erneuten Anfalle der Malaria nahm er sich im Fieberdelirium selbst das Leben. Hatten ihm widrige Umstände auch eine ausgebreitetere Wirksamkeit in dem neu gewählten Berufe versagt, so wird B. doch stets in den Annalen der Erforschung Afrikas mit Achtung genannt werden.

v. Zittel, Hermann Freiherr v. Barth-Harmating (Beil. z. Allg. Ztg., 27. Febr. 1877). – Privatmittheilungen.