ADB:Baumkircher, Andreas Freiherr von

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Artikel „Baumkircher, Andreas Freiherr von“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 169–170, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Baumkircher,_Andreas_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 21:48 Uhr UTC)
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Baumkircher: Andreas B., Sohn Wilhelm Baumkircher’s, landesfürstlichen Pflegers zu Wippach, nachmals Hauptmanns zu Portenau (Pordenone); geboren, aller Wahrscheinlichkeit nach, um 1420, † 1471. In die Zeit von 1435–1447 muß sein Leben als Zögling des Waffendienstes am Hofe des Habsburgers Friedrichs V. (K. Friedrichs III.) angesetzt werden. Hier schloß er Jugendfreundschaft mit dem Schwaben Ulrich von Grafeneck, der eine langjährige Kriegs- und Parteigenossenschaft folgte. 1447 erscheint B. urkundlich als Pfleger der Habsburgischen Pfandherrschaft Schlaning (Schlaiming-Szalonak) in dem westungarischen Grenzgebiete (Eisenburger Comitat). 1452 im Sept. vollbringt er als kaiserlicher Dienstmann und Vertheidiger des belagerten Wiener Neustadt jene heroische That, welche die Feder des anwesenden Aeneas Silvius bleibend verewigte. Widerstreitende Dienstverhältnisse, Fehdelust und die Rücksichten auf persönlichen Vortheil lassen ihn und andere in den Jahren 1453–1457 unter den Gegnern des Kaisers erscheinen und als Parteigänger Ulrichs, des letzten Cilliers, so auch K. Ladislaus’ P., die Besitzungen seines ursprünglichen Dienstherrn in Oesterreich und Steiermark schwer heimsuchen. 1458 findet seine und der Genossen endgültige Ausgleichung mit K. Friedrich III. statt. Ein Jahr später bethätigt er sich als dessen Dienstmann und Söldnerführer im Kampfe um den ungarischen Thron und gewinnt so immer mehr an Bedeutung und Einfluß. Zufolge der rühmlichen Waffenthat vor Wiener Neustadt war er von K. Friedrich zum „Freiherrn“ und Obergespan des Preßburger Comitates oder eigentlich zum Preßburger Schloßhauptmann ernannt worden, bald schrieb er sich auch Herr v. Schlaning. Für die Kriegsdienste des letztangeführten Jahres mußte ihm und dem Grafenecker eine Reihe Cillischer Erbgüter und Lehen in Ungarn-Kroatien statt der Baarzahlung zu Pfand gegeben werden. 1461–62 erscheint er unter den kaiserlichen Räthen und Söldnerführern, bedroht die mit dem Kaiser zerfallenen Wiener, wirbt in einem Gewaltritte nach Prag um den Entsatz des Böhmenkönigs und hilft die Donaustadt im Interesse der Befreiung des belagerten Kaisers bestürmen. Dafür belohnt ihn dieser mit der Korneuburger Stadtpfandschaft. – Seit dem Jahre 1463 tritt der bedeutsame Wendepunkt im Leben Baumkircher’s ein. Einerseits Dienstmann und Lehenspflichtiger des Kaisers, anderseits dem Ungarnkönige Mathias in gleicher Eigenschaft verpflichtet, wendet er sich immer entschiedener letzterem zu und von jenem ab, umsomehr als der unkriegerische, karge Habsburger, die hochgespannten Soldforderungen Baumkircher’s nicht baar bezahlen kann. Zweimal versucht es dieser, mit gleichgesinnten Adeligen der Steiermark, den Kaiser offen zu bekriegen; das erste Mal 1467–68 ohne Erfolg, das zweite Mal 1469–1471, unter großen Rüstungen, zum Schaden des Landes und zu eigenem Verderben. Zum Losschlagen ward die Zeit der zweiten Romfahrt K. Friedrichs III. (1468–69) benützt. In dem wilden Kampfe, der, nach des Habsburgers schleuniger Heimkehr, in der Fürstenfelder Julischlacht (1469) gipfelt, haust der B. im Steierlande schonungslos.

Die innerösterreichischen Stände bewirken im Juli 1470 einen Ausgleich. K. Friedrich amnestirt zu Völkermarkt in Kärnten den B. und seine Genossen. [170] Es war aber ein fauler Friedensversuch; hinter B. steht der Ungarnkönig, seit Febr. 1470 mit dem Kaiser offen zerfallen, und eine vereinzelte Quelle erwähnt, B. habe den Kaiser gefangen nehmen wollen. Noch deckt ein undurchdringliches Dunkel die kaiserlichen Motive der verhängnißvollen Katastrophe vom 23. April (S. Jörgenabend) 1471. Nach den besten zeitgenössischen Quellen und dem Berichte eines anwesenden Zeugen vor allem (Wilwolts von Schaumburg) – stellt sich der Thatbestand, ohne Ausschmückung, folgendermaßen heraus. Den 23. April erscheint B. mit einigen Genossen und freiem, brieflich verbürgtem Geleite in Graz. Gleichzeitig wird hieher Andreas Greissenegger, ein reicher Adeliger und landesfürstlicher Pfleger, aus Voitsberg entboten. Seine Nichtbetheiligung an der Baumkircherfehde 1469–1470 steht quellenmäßig fest; über seiner todeswürdigen Schuld waltet bisher ein undurchdringliches Dunkel. Die gerichtlichen Verhandlungen mit dem B. führen zu keiner Richtung. Der Kaiser, entschlossen sich des gefährlichen Gegners um jeden Preis zu entledigen, läßt Nachmittags drei Uhr den B. und dessen Genossen, trotz der Bürgschaft des Geleitbriefes, in der Stadt suchen, gefangen setzen; gleiches begegnet dem Greissenegger. Abends, zwischen 7–8 Uhr, nach der Vesperzeit, findet Baumkircher’s und Greissenegger’s Hinrichtung vor dem Murthore statt. Die Leichen werden dann im nahen Minoritenkloster beigesetzt, die Baumkircher’s nach Schlaning, wo er Kirche und Kloster gestiftet, überführt. Mit der hinterlassenen Familie schließt der Kaiser 1472 einen Vergleich. Baumkircher’s Söhne, Wilhelm und Georg, erstehen bald als Rächer ihres Vaters und Gegner des Kaisers, in Verbindung mit innerösterreichischen Mißvergnügten und ihrem Dienstherrn, dem Ungarnkönige Mathias.

Über die ganze Litteratur und den quellenmäßigen Sachverhalt der Baumkircherfrage s. Krones, Zeugenverhör über Andreas Baumkircher’s Thatenleben und Ende, im 7. 8. Hefte der Zeitschrift für österr. Gymnasien. 1871. Wien. bei C. Gerold’s Sohn.