ADB:Bavier, Simon

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Artikel „Bavier, Simon“ von Wilhelm Oechsli in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 273–274, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bavier,_Simon&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 16:16 Uhr UTC)
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Bavier: Simon B., schweizerischer Staatsmann, geboren am 16. September 1825 in Chur, † am 27. Januar 1896 in Basel, Sohn des Bundesstatthalters Johann Baptist B., der zugleich Chef eines angesehenen Speditions- und Bankhauses in Chur und Mitglied der Graubündner Regierung war, seinen Kanton 1830 bis 35 auf der eidgenössischen Tagsatzung vertrat und von 1848 bis zu seinem 1856 erfolgten Tode Mitglied des schweizerischen Nationalraths war. Simon B. wandte sich nach Absolvirung der Vorbereitungsschulen in der Heimath auf den polytechnischen Anstalten zu Karlsruhe und Stuttgart den Ingenieurwissenschaften zu, trat 1845 in den bündnerischen Staatsdienst und bethätigte sich am Bau verschiedener Gebirgsstraßen. Nachdem er 1850–51 in Fideris, der Heimathgemeinde seiner Mutter, die Landwirthschaft betrieben hatte und dort zum Kreispräsidenten (Landammann) sowie zum Mitglied des bündnerischen Großen Rathes gewählt worden war, betheiligte er sich 1853–55 an den Vorarbeiten für die „Südostbahn“ (Linien Rorschach-Chur und Rapperswil-Chur) und führte 1856 verschiedene Bauten aus. 1857–58 leitete er den Bau der Eisenbahn von Piacenza nach Castel San Giovanni im Herzogthum Parma und beschäftigte sich nach der Rückkehr in die Heimath mit Expertisen und der [274] Ausführung von Privatbauten, wie der Spinnerei Chur, um sich am Ende der sechziger Jahre im Interesse Graubündens in den Kampf zu werfen, der in der Schweiz um die Ueberschienung der Alpen entbrannt war. Als Mitglied des „Splügencomités“ arbeitete B. 1870 und 71 mit einem unter seiner Leitung stehenden zahlreichen Personal ein vollständiges Project für eine Eisenbahn über den Splügen aus und bereiste gemeinsam mit Nationalrath Andreas v. Planta Süddeutschland und Italien, um die interessirten Kreise dieser Länder zu finanzieller Beihülfe zu vermögen; doch blieben diese Anstrengungen fruchtlos, da der St. Gotthard alle die bündnerischen Projects siegreich aus dem Felde schlug.

Im J. 1878 veröffentlichte B. das für die Pariser Weltausstellung bestimmte, mit Tafeln reich illustrirte Werk „Die Straßen der Schweiz“ (Zürich 1878), eine vortreffliche Darstellung der Entwicklung des Straßenwesens der Schweiz von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Ein ausgezeichneter Ingenieur, war er nach und nach auch in die politische Laufbahn hineingekommen. Seit 1863 Mitglied des schweizerischen Nationalrathes, wurde er am 26. October 1876 vom Bundesrath als eidgenössischer Commissär in den Kanton Tessin gesandt, wo zwischen dem in Mehrheit ultramontanen Großen Rathe und dem liberalen Staatsrath über eine die Wahlart betreffende Verfassungsänderung der offene Conflict ausgebrochen war und die erhitzten Parteileidenschaften am 22. October in Stabio zu einem blutigen Zusammenstoß geführt hatten. Den Bemühungen Bavier’s gelang es, ohne militärisches Eingreifen in dem erregten Kanton die Ordnung herzustellen, den Beschlüssen des Bundesrathes Nachachtung zu verschaffen und die Parteien einer Verständigung zugänglich zu machen. Die Frucht davon war ein Verfassungsdecret, das sogen. Riformino, das am 3. December 1876 vom Tessiner Volk fast einstimmig angenommen wurde und die eidgenössische Genehmigung erhielt. Am 14. Februar 1877 konnte der Bundesrath das eidgenössische Commissariat aufheben. Die Achtung, die sich B. durch sein tactvolles und kluges Auftreten im Tessin erworben hatte, bewirkte, daß er am 10. December 1878 als Nachfolger des erkrankten Heer in den schweizerischen Bundesrath gewählt wurde, in dem er zunächst das Finanz- und Zolldepartement, seit Neujahr 1880 aber das Post- und Eisenbahndepartement übernahm. 1881 leitete er den am 21. September in Bern eröffneten Congreß für internationales Eisenbahntransportrecht. Nachdem ihm für das Jahr 1882 die Würde eines Bundespräsidenten zu Theil geworden, schied er im April 1883 aus dem Bundesrath aus, um den Gesandtschaftsposten in Rom zu übernehmen, den er zwölf Jahre hindurch mit Auszeichnung bekleidete. Mitte Juni 1895 trat er Alters- und Krankheitshalber davon zurück und starb schon nach einem halben Jahre. „Bavier war ein Mann von sehr mannichfachen Fähigkeiten und einem sehr angenehmen Umgang mit Menschen; noch mehr aber zeichnete er sich in unserer Zeit dadurch aus, daß er in den verschiedenen Lebenslagen und Berufsgattungen, in denen er sich jeweilen befand, nirgends ein Streber und überall ein zuverlässiger, gewandter und mit einer ungemein großen Dosis gesunden Menschenverstandes begabter Arbeiter war“ (Hilty).

Eigenhändige Notizen von S. B. – Bundesblatt d. schweiz. Eidgenossenschaft. – P. C. v. Planta, Andr. Rud. v. Planta. – Hilty, Polit. Jahrbuch d. schweiz. Eidgen. 1896.