ADB:Bernoulli, Jakob II.

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Artikel „Bernoulli, Jakob II.“ von Moritz Cantor in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 482–483, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bernoulli,_Jakob_II.&oldid=2489462 (Version vom 29. Juni 2017, 02:08 Uhr UTC)
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Bernoulli: Jakob B. II., Mathematiker und Physiker, geb. 17. Oct. 1759 zu Basel, † 3. Juli 1789 in St. Petersburg, jüngster Bruder des vorhergehenden, Sohn von Johann B. II. Gleich dem Bruder hatte er zu Lehrern in der Mathematik seinen Vater und seinen Onkel Daniel; gleich ihm studirte er als eigentliches Fach die Jurisprudenz, deren Licentiat er 1778 wurde; gleich ihm kehrte er der Fachwissenschaft bald den Rücken um den Lieblingsforschungen der Familie sich zu widmen. Schon 1780 vicarirte er mit der Erlaubniß der Universitätsbehörden in den Vorlesungen über Experimentalphysik für seinen Onkel Daniel (s. d.). Gleichzeitig bewarb er sich um die Professur der Rhetorik, sowie nach Daniels Tod 1782 um die dadurch erledigte Professur der Physik. Beidemal (und nach einem Berichterstatter auch ein drittes Mal 1779 bei Bewerbung um einen juridischen Lehrstuhl) war ihm das Loos ungünstig. Nun benutzte er die erste sich ihm bietende Gelegenheit Basel zu verlassen und nahm die Stelle als Secretär des Grafen Breuner, kaiserlichen Gesandten bei der Republik Venedig, an. In Italien wurde er dadurch besonders mit dem Mathematiker Lorgna näher bekannt, aber auch mit Turiner Gelehrten, was seine Aufnahme in die dortige Akademie zur Folge hatte, deren Memoiren er ebenso wie die der Berliner Akademie mit schönen Abhandlungen bereicherte. Sein Bruder Johann machte Niclaus Fuß auf ihn aufmerksam, dieser die Fürstin Daschkoff, damals Präsident der Petersburger Akademie, und so erhielt Jakob B. einen Ruf als Adjunct nach Petersburg, welchen er annahm, und in [483] welcher Stellung er sich so auszeichnete, daß er noch vor Ablauf eines Jahres seines dortigen Aufenthaltes 1787 zum ordentlichen Akademiker befördert wurde. Eine große Seereise, welche er als Schiffsastronom der Expedition unter Moulovsky’s Befehl antreten wollte, wußten seine Freunde ängstlich wegen seiner schwächlichen Gesundheit zu hintertreiben. Er blieb zurück und vermählte sich 1789 mit der Enkelin Leonhard Euler’s. Nach zwei Monaten der glücklichen Ehe ertrank er beim Baden in der Newa. Der Nekrolog, welchen sein Schwiegervater für die Acten der Petersburger Akademie verfaßte, enthält die vollständige Aufzählung seiner sämmtlichen Arbeiten, die sich hauptsächlich auf theoretische Mechanik beziehen; besonders sind drei Abhandlungen über drehende Bewegung eines an einem dehnbaren Faden aufgehängten Körpers zu nennen.

Vgl. Albert Euler’s Nekrolog in den Noca Acta Acdemiae scientiarum imperialis Petropolitanae Tom. VII. p. 23–32. Petersburg 1793. – Meyer von Knonau in Ersch und Gruber’s Encyclopädie der Wissenschaften und Künste Th. 9, S. 209. Leipzig 1822. – Merian, Die Mathematiker Bernoulli. Basel 1860.