ADB:Bicking, Franz Anton

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Artikel „Bicking, Franz Anton“ von Emilie Schröder in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 615–616, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bicking,_Franz_Anton&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 10:48 Uhr UTC)
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Bicking: Franz Anton B., Schriftsteller, geb. 31. März 1809 zu Erfurt, † 14. Jan. 1873 zu Berlin, Sohn eines Arztes, der von 1806–13 in französischen Diensten als General-Chef verschiedener Hospitäler thätig war. B. erhielt seine erste Bildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, wo sein Oheim und Pathe, Franz Anton Schmelzer, Domherr und Vorsteher des geistlichen Gerichts, ein tugendstrenger und gelehrter Mann, den Grund zu edler Menschlichkeit in ihm legte, deren hervorragendsten Zug das Mitleid bildete. Zur weiteren Ausbildung kam er auf das Jesuiten-Collegium zu Paderborn und bezog dann, um Medicin zu studiren, die Universität zu Berlin, wo er nach mehrjährigen Studien und nicht geringem Kampf ums Dasein promovirte. Hierauf wirkte er als Arzt in Erfurt und dessen Umgegend mit glücklichstem Erfolg. In der dreißiger Jahren gehörte er zu den Demagogen. Um diese Zeit verheirathete er sich. Hatte doch „Sokrates auch gefreit“. 1842 siedelte B. nach Berlin über, wo durch ihn die Homöopathie ihren Aufschwung nahm, wurde zum königl. preuß. Geh. Sanitätsrath ernannt und Leibarzt des Prinzen Albrecht von Preußen, in welcher Stellung er bis zum Tode desselben verblieb. Er begleitete seinen Prinzen nach dem Orient, dem Kaukasus, und gewann aus [616] eigenen Anschauungen ein Bild von den Gegenden und den Zuständen, die er in seinen Dichtungen, z. B. im „Muhamed“, schildert. Die Feldzüge in Schleswig, gegen Oesterreich und Frankreich machte er im Gefolge dieses Prinzen mit, nicht als müssiger Zuschauer. Zu den vielen hohen Orden, die seine Brust schmückten, gehörte auch das Eiserne Kreuz. Er war mit den ausgezeichnetsten Persönlichkeiten im Verkehr und es gab beinahe kein Gebiet des Wissens, das zu betreten ihn seine Wißgebierde nicht verlockt hätte. Männer wie der bekannte Euripides- und Sophokles-Uebersetzer Franz Fritze, H. Th. Rötscher, Ludwig Dessoir, der edle Bork u. A. waren seine Freunde. Seine Erscheinung war durch und durch männlich, der Kopf charakteristisch wie ein Kopf von Rubens, das Gesicht echt orientalisch. Er beherrschte durch einen eisernen Willen seine Seele wie seinen Körper. „Todt oder lebendig, es wird gearbeitet“, mit diesen Worten schied er aus dem Leben. B. war ein kosmopolitischer Geist. Seine Werke sind der Spiegel seines Inneren. Die Gedichte, in der Form Meisterstücke, sind zum größten Theil Gelegenheitsgedichte. Seine Dramen „Cato von Utica“, „Cromwell“, „Junius Brutus“, „Jacob Molay“, die er unter dem Namen Ludwig Rüben herausgab, sind historische Gemälde, welche durch ihre Originalität, durch treue Zeichnung der Charaktere, durch edle, kernige Sprache den Werken von Zacharias Werner an die Seite zu stellen sind. Der Denker trägt bei B. nicht selten den Sieg über den Dichter davon. Sein Geist war nicht geartet eine Philosophie des Unbewußten hervorzubringen; er schrieb die „Philosophie des Bewußtseins in Bezug auf das Böse und das Uebel“, die, als eine epochemachendes Werk in dieser Zeit der kirchlichen Wirrnisse, den Anfechtungen nicht hat entgehen können. Er galt als ein genialer Arzt. Seine medicinischen Schriften sind „Ueber die Homöopathie“, „Das Princip der Medicin in seinen Folgen“, „Die Gymnastik des Athmens“.

Nachgelassene Werke von Franz B., herausgegeben von E. Schröder. H. Th. Röthscher, Dramaturgische Probleme, Heft III. Fr. Brunold, Thüringer Hausfreund Nr. 39, 1873. Europa Nr. 51, 1873.