ADB:Bismarck-Bohlen, Theodor Graf von

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Artikel „Bismarck-Bohlen, Theodor Alexander Friedrich Philipp Graf von“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 681–682, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bismarck-Bohlen,_Theodor_Graf_von&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 19:54 Uhr UTC)
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Bismarck-Bohlen: Theodor Alexander Friedrich Philipp Graf von B-B., königl. General-Lieutenant a. D. Dem schloßgesessenen adligen Geschlecht v. Bismarck entstammt, 11. Juni 1790 zu Uenglingen geboren, † 1872, trat früh in preußischen Militärdienst, focht als Fähnrich im ersten Garde-Bataillon bei Auerstädt und gerieht mit dem Corps Hohenlohe in Kriegsgefangenschaft. Bei der Neuformierung der Garde im J. 1809 trat er wieder in das erste Garde-Regiment zu Fuß ein und rückte mit demselben im Frühling 1813 als Premier-Lieutenant ins Feld. Bei Groß-Görschen schwer verwundet, genas er langsam zu Glatz, während der Vater Dienste nahm, damit das preußische Heer keinen Bismarck weniger zähle, und machte nach Ablauf des Waffenstillstandes, mit dem Eisernen Kreuz für bewiesene Tapferkeit geschmückt, den Krieg bis zur Entscheidung am Montmartre mit, woselbst er zum zweiten Male verwundet ward. Beim Wiederausbruch des Krieges im Frühjahr 1815 kämpfte er als Hauptmann in der unglücklichen Schlacht von Ligny und rettete vier bereits vom Feinde genommene Kanonen. Nach der Abtretung Neu-Vorpommerns an Preußen wurde der Hauptmann von B. in das aus den beiden schwedischen Regimentern, dem Leib-Regiment der Königin und dem Engelbrechten’schen, gebildete 33. Infanterie-Regiment unter dem Oberst von Thiele versetzt und erhielt im Herbst 1816 Stralsund zur Garnison. Daselbst verlobte er sich mit der Gräfin Karoline von Bohlen, feierte, mit dem Regiment im Frühjahr 1817 nach Schlesien versetzt, zu Neudeck bei Tarnowitz seine Vermählung und erhielt den 21. Februar 1818 durch königl. Diplom die Erlaubniß, den Namen, Stand und Wappen des gräflich von Bohlen’schen Geschlechts annehmen und sich Graf v. B.-B. nennen zu dürfen. Im Winter 1819 zum Major avancirt, ward er mit dem neuformirten 34. Regiment nach Stralsund 1820 zurückversetzt, nahm nach dem Tode seines Schwiegervaters 1828 den Abschied und widmete sich seitdem mit großer Beharrlichkeit und Umsicht der Verwaltung eines ausgedehnten Gütercomplexes, nicht nur verbessernd, sondern auch verschönernd vor allem sein Karlsburg. Auch nach seinem Scheiden aus dem unmittelbaren Staatsdienst entzog er sich dem Vaterlande nicht, wenn Noth an Mann war. Im J. 1843 zum Obersten der Landwehr ernannt, übernahm er 1850 bei der damals stattfindenden Mobilmachung drei Monate lang das Commando der dritten Landwehr-Brigade in Stettin, bis er im J. 1854 als General-Major den erbetenen Abschied auch aus der Landwehr erhielt. Im März 1863 war er bei der Grundsteinlegung des Denkmals Friedrich Wilhelms III., als 50jähriger Denkfeier des Beginnes des Befreiungskrieges, gegenwärtig, zu welcher dem Veteranen aus jener großen Zeit der Charakter als General-Lieutenant verliehen war. Am 2. Mai 1863, am 50jährigen Jahrestage der Schlacht bei Groß-Görschen, erhielt er den Rothen Adler-Orden I. Classe. An öffentlichen Angelegenheiten nahm er inzwischen ununterbrochen den regsten Antheil. So ward er im J. 1832 zum Landtags-Abgeordneten der Ritterschaft des Greifswalder Kreises zu den Provinzial- und Communal-Landtagen gewählt, 1842 vom Könige zum Landtags-Marschall des Herzogthums Pommern und Fürstenthums Rügen ernannt, 1851 von den neuvorpommerschen Communal-Ständen zum Landkasten-Bevollmächtigten erwählt und übernahm als ältestes ritterschaftliches Mitglied zugleich den Vorsitz dieses engeren ständischen Ausschusses. Diese ständischen Ehren-Aemter, zu denen er durch königliche Ernennung und Wiederwahl stets von neuem berufen ward, verwaltete er mit der größten Treue, bis er dieselben nach vollendetem 80. Lebensjahre niederlegte. Wie er die Wohlfahrt seiner Gutsangehörigen mit treuer Sorgfalt pflegte und besonders Kirche und Schule sich angelegen sein ließ, so bewies er auch in weiteren Kreisen selbstvergessene und opferfreudige Hülfsbereitschaft. Im J. 1848 trat er als treuer Diener [682] seines Herrn und Königs an der Spitze der Conservativen den revolutionären Tendenzen und ihren Vertretern entgegen und blieb seitdem bis an seinen Tod das unermüdliche und geehrte Haupt derselben in seinem Kreise. So nüchtern der selbstbekannte Wahlspruch: „Vom Fleck zum Zweck“ klingt, so voll und reich hat er denselben zu Ehren gebracht. Am 1. Mai 1872 folgte er seiner zu Venedig den 14. Jan. 1858 verstorbenen und in der Capelle zu Steinfurth beigesetzten Gemahlin im Tode nach. Sein ältester Sohn ist der General der Cavallerie Graf Friedrich v. B.-B., General-Adjutant des Kaisers, vordem Gouverneur im Elsaß.

Stralsunder Zeitung 1872 Nr. 140.