ADB:Bodeker, Stephan

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Artikel „Stephan, Bischof von Brandenburg“ von Rudolf Schwarze in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 71, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bodeker,_Stephan&oldid=- (Version vom 21. April 2019, 14:52 Uhr UTC)
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Stephan, Bischof von Brandenburg, geb. 1384 zu Rathenow als der Sohn eines Böttchers, daher sein Zuname Bodeker. Seine Studien vollendete er auf der neu gegründeten Universität Leipzig, wo er auch wohl 1412 zum Doctor promovirt wurde. Wahrscheinlich schon vorher war er in das Prämonstratenser-Domstift zu Brandenburg eingetreten, denn bereits 1415 finden wir ihn daselbst als bischöflichen Vicar und 1419 als Dompropst. Als der bisherige Bischof Johann v. Waldow an das Stift Lebus überging, folgte ihm St. durch päpstliche Provision 1421 im Bisthum Brandenburg und verwaltete dasselbe 38 Jahre, länger als irgend einer seiner Vorgänger. Wie diese, so diente auch St. mehrfach in weltlichen Angelegenheiten als Rath dem Landesherrn und half als solcher u. a. den Frieden zu Eberswalde mit Pommern 1427 vermitteln, bei welchem die Vermählung der jungen Tochter des Markgrafen Johann des Alchymisten, Elisabeth († 1459), mit Casimir’s Sohn Joachim († 1451) verabredet wurde. Vor allem widmete sich aber St. den kirchlichen Interessen seines Stifts, wie er denn auch die gottesdienstlichen Uebungen des Clerus durch ein Breviarium regelte; dieses hat wohl die Grundlage gebildet für das unter seinem dritten Nachfolger, dem Bischof Joachim v. Bredow, 1488 in Leipzig durch Mauritius Brandis in 4° gedruckte Breviarium dioecesis Brandenburgensis, von dem das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek der Godehards-Kirche zu Brandenburg sich befindet. – Während Stephan’s Episcopat gründete der Kurfürst Friedrich I. 1435 auf dem Harlunger Berge bei Brandenburg neben der alten, von Pribislav um 1140 erbauten Marienkirche, ein zweites Prämonstratenserstift, mit welchem sodann Friedrich II. 1443 den Orden von Unserer lieben Frauen Kettenträger (auch Schwanenorden genannt) verband. Nachdem dieser Kurfürst 1447 vom Papst Nikolaus V. für sich und seine Nachkommen, bei Erledigung der märkischen Bisthümer, das Nominationsrecht erlangt hatte, gedachte er auch an Stelle der regulirten Domherrn zu Brandenburg und Havelberg, nach dem Vorbilde des Bisthums Lebus, Weltgeistliche zu setzen, wohl nicht zum geringsten Theile, um dadurch den Widerspruch der Capitel gegen den neuen Wahlmodus zu beseitigen. Doch wurden die Verhandlungen darüber abgebrochen und erst 1506 genehmigte Papst Julius II. die Transmutation der beiden Domcapitel. – Noch am Abend seines Lebens ward St. vom Papst Calixtus III. berufen, bei der Stiftung der Universität Greifswald mitzuwirken und 1456, neben dem Bischof Henning von Cammin als Kanzler, zu ihrem Conservator ernannt. (Pyl, Pommersche Geschichtsdenkmäler, Bd. III, S. 63) Er verdankte diese Auszeichnung dem Rufe seiner Gelehrsamkeit, von welcher noch heute mehrere in der königl. Bibliothek zu Berlin im Manuscript aufbewahrte theologische Werke Zeugniß ablegen. Er starb, wie sein Grabstein im Dom berichtet, am 15. Febr. 1459.

Vgl. die Stiftshistorien von Lentz (1750) und Gercken (1766), Heffter, Gesch. der Stadt Brandenburg (1840), Riedel, Codex dipl. Brandenb. I, 8. S. 83 und besonders R. Heydler, Gesch. des Bischofs Stephan v. Brandenb. im Programm der dortigen Ritterakademie, 1866.