ADB:Bosch, Hieronymus

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Artikel „Bosch, Hieronymus“ von Oskar Eisenmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 184, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bosch,_Hieronymus&oldid=- (Version vom 13. Dezember 2019, 17:01 Uhr UTC)
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Band 3 (1876), S. 184 (Quelle).
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Bosch: Hieronymus B., eigentlich H. van Aeken oder Aken (was vielleicht von „Aachen“ heißt und auf die Abstammung seines Vaters zurückgeht) und nur nach seinem Geburtsort Herzogenbusch Bosch (auch Bos) zubenannt, Maler, geb. wahrscheinlich zwischen 1460 und 1464, † 1516. Er ist der Schöpfer der nach ihm so beliebt gewordenen Spuk- und Höllenbilder, die manchmal nur einer barocken, aberwitzigen Einbildungskraft zum Ergötzen, häufig aber auch einem ethischen Gedanken zum Ausdruck gedient zu haben scheinen. Indeß ist Nachricht auf uns gekommen, daß er auch religiöse Historien in ernstem Stil und derbe volksthümliche Sittenbilder mit humoristischem Anstrich geschaffen; bekannt sind von ihm heutzutage jedoch nur Beispiele der ersteren Gattung. Er gab damit nicht allein seiner eigenen und der phantastischen Richtung des nordischen Volkscharakters überhaupt einen adäquaten Ausdruck, sondern arbeitete auch dem Geschmack und der Liebhaberei des später durch die Dominicaner und Jesuiten fanatisirten Katholicismus vor, wie denn z. B. Philipp II. von Spanien nicht weniger als 16 Gemälde von ihm sich aneignete: Auch in andere Länder, namentlich nach Italien gelangten feine Werke schon früh, was wir u. a. durch den Anonymus des Morelli erfahren. Es erklärt sich dies nicht einzig durch die von ihm gewählten Gegenstände, sondern auch durch die in der Behandlung derselben beurkundete große Begabung. Er vertrat damit seine Richtung so glücklich und unter solchem Beifall, daß er sowol selbst eine Menge Bestellungen auszuführen hatte, als auch eine Reihe von Schülern und Nachahmern jener barock-phantastischen Weise fand, und selbst noch ein Jahrhundert später die Brueghel und sogar Teniers seine tollen Höllen- und Versuchungsgeschichten in zahllosen Werken fortsetzten. Erfreulicher und weittragender aber war sein Einfluß als Beobachter und Maler der Volkssitten, worin er für den alten Peter Brueghel und dessen Nachfolger Vorbild wurde. Erschöpfendes über den Charakter seiner Kunst findet man in der trefflichen Darstellung Westrheene’s und in Meyer’s Neuem Künstlerlexikon. Die größte Zahl seiner Werke besitzt das Museum zu Madrid, wo noch ein Triumph des Todes, die Eitelkeit der Welt, ein Engelsturz, Adam und Eva, die Anbetung der Könige und drei Versuchungen des heil. Antonius vorhanden. Zwei jüngste Gerichte sind in Berlin und Wien und an letzterem Orte noch zwei weitere Versuchungen des Antonius. Ueber die Frage, ob der Künstler auch in Kupfer gestochen, vgl. W. Schmidt a. a. O., der sie verneint.