ADB:Breidenbach, Bernhard von

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Artikel „Breidenbach, Bernhard von“ von Wilhelm Heyd in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 285, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Breidenbach,_Bernhard_von&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 08:42 Uhr UTC)
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Breidenbach: Bernhard v. B. (Breydenbach), Sohn des hessischen Ritters Gerlach des Jüngern v. B., seit 1450 Mitglied des Domcapitels, von 1484 an Domdecan zu Mainz, † 5. Mai 1497 (laut seiner Grabschrift bei Werner, Der Dom von Mainz 1, 294), machte sich bekannt durch ein Reisewerk, das seinen Namen trägt. Er ergriff nämlich in Gemeinschaft mit einem jungen Grafen Johann v. Solms und einem Ritter Philipp v. Bicken den Pilgerstab im Frühjahr 1483, besuchte Palästina und den Sinai und kehrte über Aegypten Anfangs 1484 in die Heimath zurück. Die Beschreibung der Reise erschien im J. 1486 zuerst in lateinischer, dann einige Monate darauf in deutscher Sprache und machte so großes Aufsehen, daß sie binnen kurzem ins Niederländische, Französische und Spanische übertragen wurde. Diesen Ruf verdankte sie wol nicht so sehr den Mittheilungen, welche sie über Palästina bringt; denn hier sah B. wenig mehr als die meisten andern Pilger; was über Jerusalem und seine nächste Umgebung hinausgeht, wird dem zwei Jahrhunderte ältern Burchardus de Monte Sion entlehnt. Aber das Interesse des Buches steigt mit den Schilderungen aus der Sinaihalbinsel und namentlich aus Aegypten. Von dem Domherrn selbst, der sich nur als principalis auctor (im deutschen Text: Angeber) bezeichnet, rührt wahrscheinlich blos die Erzählung der Reiseerlebnisse im engsten Sinn, während der stilistische und oratorische Aufputz wie die theologischen und historischen Beigaben (namentlich die Darstellung der Lehrsätze der orientalischen Religionsparteien) das Werk des Pforzheimer Dominicaners Martin Roth oder Röth, Schulrectors in Heidelberg, sind (s. Fel. Fabri Evagatorium ed. Hassler 1, 347. 353. 2, 18), welcher nicht zur Reisegesellschaft gehörte. Einen ganz besonderen Werth verleihen dem Buch die Holzschnitte, darstellend eine Reihe von Städten, welche die Reisenden von Venedig bis Jerusalem berührten, auch Trachten von Orientalen, exotische Thiere, alles nach der Natur aufgenommen von dem geschickten Maler Erhard Rewich aus Utrecht, welcher die ganze Reise auf Kosten Breidenbach’s mitmachte. Die ausgezeichnete Treue dieser Bilder hebt Felix Fabri, Breidenbach’s Reisegenosse von Jerusalem ab, wiederholt hervor (Evagat. 1, 329. 344. 353. 3, 436); ihre Auffassung und Gruppirung verräth ein geübtes Künstlerauge; ihre Ausführung in Holzschnitt preist Rumohr (Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst S. 77 f.) als eine für jene Zeit ganz ungewöhnliche technische Leistung. Auffallend, aber unbestreitbar ist, daß dieser Maler und Formschneider Rewich, obwol sonst nicht als Drucker bekannt, im J. 1486 auch den Druck der beiden ältesten Ausgaben des Reisewerks, sowie im J. 1488 den der holländischen Uebersetzung „zu Mainz in seinem Haus“, doch vielleicht mit geborgten Schöffer’schen Lettern ausführte. Wenn so nicht geläugnet werden kann, daß B. von seinen reichen Mitteln einen für Erd- und Völkerkunde fruchtbaren Gebrauch machte, so ist ihm dagegen nur durch eine gewagte Hypothese (von Schaab, Gesch. der Erf. der Buchdruckerkunst 1, 528 und Stricker in der medicinischen Zeitschrift Janus, Bd. 1. 1846, S. 779 ff.) das Verdienst zugeschrieben worden, die naturgetreue Beschreibung und Zeichnung Orientalischer Pflanzen durch seine Reisebegleiter angeordnet und das Resultat davon im sogen. Ortus sanitatis niedergelegt zu haben (s. dagegen Pritzel in der Botan. Zeitung v. 13. Nov. 1846 und Ernst Meyer im Janus Bd. 3. 1848, S. 91 ff.).

Ueber Breidenbach’s Lebensumstände s. Schaab, Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst 1, 530 ff., über seine Abstammung Kneschke, Allg. deutsches Adelslexikon 2, 43. Die ältesten Ausgaben des Reisewerks beschreibt sehr genau Moser im Serapeum Bd. 3 (1842), S. 56 ff., 65 ff., 81 ff., im Uebrigen vgl. Tobler, Biblioth. geograph. Palestinae, p. 55–57 und die dort weiter citirten Bibliographen, endlich Dibdin, Biblioth. Spencer. III. 216 ss.