ADB:Caesarius von Heisterbach

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Caesarius von Heisterbach“ von Hermann Cardauns in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 681–683, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Caesarius_von_Heisterbach&oldid=- (Version vom 24. September 2019, 09:44 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 3 (1876), S. 681–683 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Caesarius von Heisterbach in der Wikipedia
GND-Nummer 118518283
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|681|683|Caesarius von Heisterbach|Hermann Cardauns|ADB:Caesarius von Heisterbach}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118518283}}    

Caesarius von Heisterbach. C. wurde um 1180 wahrscheinlich in Köln geboren, wo er 1188 als Knabe lebte, und erhielt an der Schule des Andreasstiftes seine Bildung. Im Oct. 1198 forderte ihn der Abt Gerhard von Heisterbach zum Eintritt in den Cistercienserorden auf; er unternahm noch eine Wallfahrt nach Rocamadour bei Cahors und wurde Anfang 1199 Mönch zu Heisterbach bei Bonn. Hier hat er in geachteter Stellung, später als Novizenmeister und Prior, sein ganzes Leben verbracht, abgesehen von einigen in Begleitung seines Abtes unternommenen Reisen. Sein Todesjahr ist unbekannt, nach einer späteren Angabe starb er um 1240 am 25. September. Die reiche Frucht dieses einfachen Lebens war eine lange Reihe großentheils noch erhaltener Schriften sehr verschiedenen Inhalts, die ihn als einen Mann von nicht gewöhnlicher Begabung und vielseitiger Bildung erkennen lassen. Wie er selbst erzählt, wurden sie gegen seinen [682] Willen verbreitet, und der Eindruck echter Bescheidenheit, den seine erhaltenen Bücher machen, hindert uns, diese Angabe als von stolzer Demuth dictirt zu betrachten. Ein wahrscheinlich meist chronologisch geordnetes Verzeichniß seiner Werke, das er selbst zusammengestellt hat, kann nicht vor 1237 geschrieben sein, da er in ihm noch das 3. Buch seiner Vita s. Engelberti erwähnt. Wir finden in demselben eine Menge exegetischer Tractate über einzelne Stellen der heil. Schrift, Erklärung einzelner Psalmen, einen Commentar zum Ecclesiasticus in zehn Büchern, Predigten über die Hauptfeste zum Vorlesen im Capitel, eine polemische Schrift gegen die Häresien seiner Zeit, eine andere speciell gegen die Luciferianer, sowie mehrere umfangreiche Homiliensammlungen meist im Anschluß an die evangelischen Perikopen. In diesen Homilien nimmt C. die großen Homileten der patristischen Zeit, namentlich Papst Gregor I., zum Vorbild. Wenn auch nach Form und Inhalt weit hinter diesen zurückstehend, zeichnen sie sich doch aus durch Allgemeinverständlichkeit, gesundes sittliches Gefühl, umfassende Kenntniß der heil. Schrift und treffende Verwendung einzelner Schriftstellen; aus der Legende wie aus dem Leben der Gegenwart entnommene Beispiele unterbrechen anmuthig den Gang der theologischen Erörterung. Die Homilien verrathen „eine wol ungesuchte aber nicht unbewußte sichere Kunst in der Anlage“, und „gar mancher dieser Sermone könnte noch heute als Muster geistlicher Rede und Schriftbetrachtung angewendet werden“ (Weizsäcker). Der nach der Weise der Zeit überreichlich angebrachte allegorische Schmuck hat manche echt poetische Elemente, ist aber nicht frei von Künstelei und Ueberladung. In den späteren Homilien hat sich C. auf Zureden seiner Ordensgenossen größerer Einfachheit befleißigt. Ein Buch besonderer Art ist sein „Dialogus miraculorum“, verfaßt 1219–22 (vgl. Dial. I. 27. II. 10. X. 48). Die ersten sechs Bücher (De conversione contritione, confessione, tentatione, daemonibus, simplicitate) behandeln meist Gegenstände des religiösen Lebens in ziemlich systematischer Ordnung, welche in den sechs letzten (De sancta Maria, diversis visionibus, corpore Christi, miraculis, morientibus, praemio mortuorum) aufgegeben ist. Die eigentlich lehrhafte Erörterung ist stets äußerst kurz, den Haupttheil bilden kleine Erzählungen aller Art, über die sich C. mit einem Novizen unterhält. So entstand eine große geistliche Anekdotensammlung, reich an anmuthigen und für die deutsche Sagen- und Culturgeschichte unschätzbaren Zügen, aber auch durchweht von dem spukhaften Geist, der uns bei geistlichen Novellisten des 13. Jahrhunderts, wie z. B. bei Thomas von Chantimpré so stark entgegentritt. Gegenüber dem berechtigten Vorwurf der Wundersucht und Leichtgläubigkeit muß betont werden, daß C. diese Erzählungen weniger als historische Vorgänge darstellt (vgl. Dial. XII. 22), sondern zu erbaulichen Zwecken nacherzählt. Als Quelle hat er vielfach die Vita b. David, Mönch zu Himmerode benutzt (vgl. Wattenbach, Geschichtsquell. II, 293. 342). Wenige Jahre später (1225) begann C. ein ähnliches Werk, die „Miracula“ in acht Büchern, von dem nur einige Capitel erhalten sind. Unverächtliches hat C. als Geschichtschreiber geleistet. Sein noch nicht gedrucktes Leben der heil. Elisabeth scheint allerdings nicht von großem historischem Werthe zu sein; sein Katalog der Erzbischöfe von Köln ist bis 1167 bloße Abschrift eines älteren Katalogs, und auch die Fortsetzung enthält viele wörtlich entlehnte Nachrichten. Er ist wahrscheinlich 1237 geschrieben, da er den Tod des Erzbischofs Heinrich (26. März 1238) nicht mehr erwähnt. Sein Leben des heil. Engelbert (ermordet 1225) dagegen ist eine der besten mittelalterlichen Biographien. Das erste Buch, schon 1226 vollendet, ist weniger eine Lebensbeschreibung, als eine aus warmer, aber nicht blinder Verehrung entsprungene Charakteristik, das zweite erzählt ausführlich den Tod Engelberts und die Bestrafung seiner Mörder: durch die reine [683] fließende Sprache und den fast dramatischen Schwung der Darstellung ist dieser Theil ein kleines Kunstwerk. Das dritte, die Wunder enthaltende Buch wurde erst 1237 (vgl. c. 74) beigefügt. Auch die theologischen Schriften enthalten eine Fülle historischer Notizen. Bemerkenswerth ist die Rücksichtslosigkeit des Urtheils, mit welcher er sich stets über Hoch und Niedrig, auch über Standesgenossen und selbst hochstehende Prälaten ausspricht. Daß er derartige Dinge sagen konnte und sagte, ehrt ihn wie seine Umgebung. C. ist oft mit zwei gleichnamigen Ordensgenossen, von denen der eine ehemals Abt zu Prüm war, der andere in dem brabantischen Kloster Villers lebte, verwechselt worden.

Vgl. über ihn Braun in der Bonner Zeitschr. für Philos. und kath. Theol. 1845, 3. Heft. Böhmer in der Vorrede zum 2. Bde. der Fontes rerum German. Weizsäcker in Herzog’s Realencykl. für prot. Theol. und Kirche II, 490. Besonders A. Kaufmann, Cäsarius von Heisterbach. 2. Aufl. Köln 1862 und über den Dialogus speciell Wybrand in den Studien en Bijdragen op’t Gebied der histor. Theologie II. 1. 53.