ADB:Capellen, van der

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Artikel „Capellen, Van der“ von Pieter Lodewijk Muller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 771, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Capellen,_van_der&oldid=- (Version vom 22. August 2019, 09:42 Uhr UTC)
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Capellen: Van der C., geldrisches Geschlecht, in der Grafschaft Zütphen ansässig, stammte aus Wesel und siedelte in der Mitte des 14. Jahrhunderts nach Zütphen über, wo 1375 Gerlach van der C. Schöffe war. Schon dessen Söhne und Enkel, namentlich Stephan, Landrentmeister der Grafschaft unter Herzog Karl von Egmond und einer seiner bewährtesten Anhänger, erwarben sich große Güter und hohen Rang unter der Ritterschaft. In der Revolution trat das Geschlecht auf Seite der Reformation. Heinrich van der C., Herr von Rysselt, geb. 1516, war als Bürgermeister von Zütphen ein Haupt der protestantischen Partei, die 1579 mit Gewalt den Anschluß an die Utrechter Union durchsetzte. Bald nach seinem 1583 erfolgten Tode ward die Stadt wieder spanisch. Sein Sohn Gerlach, geb. 1543, studirte in Genf, Basel, Heidelberg und Rom, stand später seinem Vater treu zur Seite und ward darum 1585 formell von der Aussöhnung der Bürgerschaft mit dem Könige ausgeschlossen. Bei dem Grafen von Neuenahr, dem Statthalter hoch angeschrieben, war er ein Feind Leicester’s und ein Freund der holländisch-oranischen Partei. Deputirter der Staaten in der Armee, war er äußerst thätig bei dem Feldzug vom J. 1591, in welchem Moritz Gelderland befreite. So heftig haßten ihn die spanisch Gesinnten, daß sie ihm nach dem Leben trachteten und er einem Mordversuch nur mit genauer Noth entrann. Ein tüchtiger Jurist und praktischer Staatsmann, ward er 1607 zu der Würde eines Kanzlers von Gelderland, der höchsten in der Provinz nach dem Statthalter, erhoben, in welcher er, obgleich selbst Contraremonstrant, sich dem gewaltsamen Einschreiten des Prinzen Moritz, freilich vergeblich, widersetzte. Er starb 1626. Sein zweiter Sohn, Alexander van der C., Herr zu Aartsbergen, einer der hellsten Köpfe seiner Zeit, seit 1624 als Mitglied der Regierungscollegien in hohem Ansehen stehend, eng befreundet mit Prinz Wilhelm II., jedoch auch bei dessen Vater Friedrich Heinrich viel geltend, hat die in der niederländischen Geschichte fast nicht zu überschätzende Idee gehabt, Memoiren zu schreiben, aus welchen man von sehr vielem Einsicht gewinnt, was sonst nur aus Jahrbüchern und Resolutionen bekannt war, eine Fundgrube für die niederländische Geschichte, namentlich in den inhaltsreichen Jahren 1620–40, als die Republik, im Bündniß mit Frankreich und den deutschen Protestanten, den letzten Ansturm der habsburgischen Weltmacht bekämpfte. Von einem mitten in den Geschäften stehenden, mit allen hervorragenden Personen genau bekannten Mann herrührend, verdienen die ziemlich unparteiisch gehaltenen Denkwürdigkeiten fast durchweg Vertrauen.