ADB:Clerfait, Karl Josef von Croix Graf von

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Artikel „Clerfait, Karl Josef von Croix Graf von“ von Carl von Landmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 325–328, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Clerfait,_Karl_Josef_von_Croix_Graf_von&oldid=- (Version vom 20. April 2019, 06:45 Uhr UTC)
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Clerfait: Karl Joseph v. Croix, Graf v. C., kaiserlicher Heerführer in den Kriegen gegen die französische Republik zu Ende des 18. Jahrhunderts, geb. 14. Oct. 1733 im Schlosse Bruille unweit Binch im Hennegau, gest. als Feldmarschall den 21. Juli 1798 zu Wien. Wenige Jahre nach seinem 1753 erfolgten Eintritt in das österreichische Heer fand C., dem vorausgehend eine sorgfältige Erziehung zu Theil geworden war, in der harten und lehrreichen Schule des siebenjährigen Krieges reiche Gelegenheit, sich für den praktischen Dienst auszubilden. Er kämpfte mit bei Prag, Leuthen, Hochkirch und Liegnitz und kam als Oberst aus dem Kriege zurück. Der in militärischer Beziehung ziemlich bedeutungslose Krieg um die baierische Erbfolge führte ihn vorübergehend 1778 wieder ins Feld. Nachdem er die an ihn als Belgier ergangene Aufforderung zur Betheiligung am Aufstande der Niederlande abschlägig beschieden hatte, berief ihn der Krieg Oesterreichs und Rußlands mit der Pforte (1788–91) zu erneuter Thätigkeit. Nach dem bei den Strategen damaliger Zeit, namentlich bei jenen des Wiener Hofkriegsrathes beliebten Cordonsystem stand die bei Beginn des Krieges 200000 Mann starke österreichische Armee längs der türkischen Grenze zerstreut, in fünf gesonderten Corps in Croatien, Slavonien, Banat, Siebenbürgen und in der Bukowina, hinter der Mitte die sogenannte Hauptarmee im Banat, am linken Flügel schlossen sich die russischen Corps an. C. befand sich 1788 bei der Hauptarmee, welche in diesem Jahre keine größeren Gefechte zu bestehen hatte; in der Hauptsache war man in der Defensive geblieben, da die russischen Heertheile zu angriffsweiser Kriegführung noch nicht vorbereitet waren. 1789 erhielt C. an Stelle Wartensleben’s welcher im Vorjahre nicht besonders glücklich gegen den Großwessir gekämpft hatte, den Oberbefehl über das im Banate zunächst der Grenze stehende Corps. Während nun die Russen am linken Flügel siegreich vordrangen, wurde auch auf der ganzen österreichischen Linie mit Vortheil gekämpft. C. schlug das bei [326] Orsowa über die Donau in das Banat eingedrungene türkische Heer am 28. Aug. bei Mehadia, trieb es über diesen Fluß zurück und ließ Gladowa an der serbischen Grenze wegnehmen. Hierauf schloß er sich dem Vormarsche der jetzt von Loudon befehligten Hauptarmee an und half Belgrad erobern. Loudon besetzte nun einen Theil Serbiens, und C. rückte zum Anschluß an das Corps Hohenlohe in die Walachei. Nach kurzer Winterruhe begannen im Frühjahre 1790 die Feindseligkeiten von neuem. Feldzeugmeister C. schlug am 26. Juni bei Kalesat an der Donau ein türkisches Corps in verschanzter Stellung, wies am 27. Juli weiter flußaufwärts bei Florentin einen Angriff der Türken erfolgreich zurück und behauptete sich in der westlichen Walachei bis zum Friedensschlusse.

Da C. sich im Türkenkriege als tüchtiger Truppenführer bewährt hatte, so erhielt er, als 1792 der Krieg gegen Frankreich begann, den Oberbefehl über das in Belgien an der französischen Grenze stehende 20000 Mann starke Armeecorps und wies hier die Einfälle der Franzosen erfolgreich zurück. Als der Herzog von Braunschweig mit dem deutschen Hauptheere in Frankreich vorrückte, schloß er sich demselben als rechtes Flügelcorps von Namur aus an; am 20. August vereinigte er sich mit demselben vor Longwy, welche Festung vier Tage darauf capitulirte. Hierauf wieder abgesandt, deckte er die rechte Flanke beim Vormarsche auf Verdun gegen Lafayette, besetzte die Feste Stenay und bemächtigte sich des mit geringen Kräften vertheidigten Argonnenpasses bei La Croix aux bois. Der Tag von Valmy, an welchem Dumouriez und Kellermann sich zum Kampfe stellten, es aber Braunschweig an Thatkraft gebrach, eine Schlacht zu schlagen, vereinigte C. wieder mit dem Hauptheere. Nach der ergebnißlosen Kanonade bewogen schlechte Witterung, Krankheiten und Verpflegungsschwierigkeiten den Oberfeldherrn zum Rückzuge; C., vom Kaiser zum Schutze der Niederlande abberufen, trennte sich vom Hauptheere, zog sich vom Feinde wenig belästigt über Stenay zurück und trat unter den Oberbefehl Alberts von Sachsen-Teschen, welcher mit einem Defensivcorps in Belgien zurückgeblieben war. Gegen diesen wendete sich nun Dumouriez, nachdem Kellermann die Verfolgung des Heeres unter Braunschweig übernommen hatte. Am 6. November kam es zur Schlacht bei Jemappes, in welcher die Oesterreicher der Uebermacht mit großem Verluste weichen mußten und in Folge dessen die Niederlande zu räumen gezwungen wurden. Von seinem Unglück niedergebeugt, übergab Albert von Sachsen-Teschen den Oberbefehl über das geschlagene Heer an C.; mit vielem Geschick zog sich dieser unter fortwährenden Gefechten hinter die Maas und dann hinter die Erft und Roer zurück, wo er mit den Truppen Winterquartiere bezog. – Für den Krieg von 1794, in welchem fast ganz Europa gegen den Nationalconvent ins Feld zog und der Kampf längs der ganzen französischen Grenze geführt wurde, sammelte sich das neugebildete österreichische Hauptheer unter Josias von Coburg hinter der Roer, dabei auch C. mit seinen Truppen. Gegenüber stand Valence mit Uebermacht, jedoch in sehr zersplitterter Aufstellung. In der Nacht zum 1. März gingen die Oesterreicher in 2 Colonnen bei Jülich und Düren über die Roer, C. führte jene des rechten Flügels. Bei Tagesanbruch überfiel C. am jenseitigen Ufer die Franzosen bei Aldenhofen und trieb sie in die Flucht, während die linke Colonne unter Coburg bei Eschweiler mit gleichem Erfolge kämpfte. Im weitern Vorrücken fiel auch Aachen nach kurzem Widerstande den Oesterreichern in die Hände, und die Belagerung von Maastricht wurde von den Franzosen aufgegeben. Der Prinz rückte nun gegen Brüssel vor. Auf dem Marsche dahin kam es zur Schlacht bei Neerwinden am 18. März; die Oesterreicher zählten 42000 Mann, die Franzosen unter Dumouriez 48000 Mann. C. befehligte anfangs die Reserve und wurde später an den linken Flügel [327] vorgezogen, um hier unter Coburg zur Entscheidung des Tages mitzuwirken. Am 22. März wurde Dumouriez bei Löwen zum zweiten Male geschlagen, und Ende des Monats war ganz Belgien zurückerobert. Statt nun die durch die erlittenen Niederlagen und hierauf durch Dumouriez’ Abfall hervorgerufene Auflösung der republikanischen Armee zu energischen Operationen auszubeuten, verlor Coburg sich wieder in einen Cordonkrieg an der Grenze. In den weiteren Kämpfen, welche sich demgemäß um Wegnahme der französischen Grenzfestungen und Abweisung von Entsatzversuchen bewegten, nahm C. hervorragenden Antheil. Da eine feste Eintheilung in Corps oder Divisionen bei den Oesterreichern damals noch nicht bestand, so wurde C. stets je nach der Lage mit besonderen Aufgaben betraut. Er nahm Theil an den Gefechten von Raismes und Famars, an der Eroberung des als Camp de César bekannten verschanzten Lagers zwischen Bouchain und Cambray und führte selbständig die Belagerung von Lequesnoy durch. Während der Schlacht von Wattignys, welche Coburg gegen Jourdan verlor, stand C. beim Belagerungsheere vor Maubeuge. Die schlechte Jahreszeit ließ bald darauf die Operationen zum Stillstand kommen. – Im Feldzuge 1794, in welchem auf Seite der Verbündeten durch eine große Zersplitterung der Streitkräfte von Anfang der Grund zu den spätern Mißerfolgen gelegt worden war, befehligte C. ein selbständiges 28000 Mann starkes Corps, welches am äußersten rechten Flügel bei Tournay in Westflandern stand und sich vertheidigungsweise verhalten sollte. Obwol die Verbündeten sich anfangs in den Niederlanden siegreich gegen die Franzosen schlugen, so konnten sie sich doch auf die Dauer gegen die drei mächtigen Revolutionsheere unter Jourdan, Charbonnier und Pichegru nicht halten. Gegen C. wendete sich im April Pichegru; nach dreitägigem Kampfe bei Courtray wurde ersterer zum Rückzuge gezwungen. Obwol bald darauf durch die herangekommene Hauptarmee bei Tournay geschlagen, rückte Pichegru nach deren Abzuge abermals vor. Da auch Menin und Ypern in feindliche Hände gefallen und im Centrum durch die verlorne Schlacht von Fleurus und den Verlust von Charleroi rückgängige Bewegungen eingeleitet worden waren, so zog C., um nicht abgeschnitten zu werden, sich nach Gent zurück. Wegen gleichzeitiger Mißerfolge der Deutschen in der Rheinpfalz ergab sich des Weitern die Nothwendigkeit, die Niederlande ganz zu räumen. Josias von Coburg, nicht stark genug sein Unglück zu tragen, übergab am 28. August den Oberbefehl an C. Von Jourdan hart verfolgt, zog sich dieser nach mehreren Treffen hinter die Roer und dann hinter den Rhein zurück und ließ Cantonnements zwischen Mainz und Mühlheim beziehen.

Das J. 1795 sah C. als Reichsfeldzeugmeister und Oberbefehlshaber der 95000 Mann starken Niederrhein-Armee, während Wurmser mit der Oberrhein-Armee südlich des Neckar bis zur Schweizer Grenze stand; zur Verbindung beider befand sich die Division Quosdanowitsch bei Heidelberg. Der Rhein schied die beiden Parteien, nur Mainz und Luxemburg waren am linken Ufer noch in deutschen Händen. Durch die Erfahrungen seiner Vorgänger nicht klug gemacht, vielleicht auch durch die Strategen des Wiener Hofkriegsrathes beeinflußt, zersplitterte seine Streitkräfte in einzelne Abtheilungen auf der ganzen Linie Düsseldorf-Philippsburg und verhielt sich vollständig defensiv. Nachdem bis zum Herbst die Heere sich beobachtend gegenüber gestanden, begannen die Franzosen im September die Feindseligkeiten. Am Niederrhein ging Jourdan zuerst bei Urdingen und dann an andern Punkten über den Fluß. Die vereinzelt stehenden österreichischen Corps fühlten sich zu schwach zum Widerstande und zogen sich auf C. gegen Schwetzingen zurück. Pichegru, dem feiger Weise die Festung Mannheim ohne Vertheidigung übergeben worden war, ging daselbst ebenfalls über den Rhein, blieb jedoch hier stehen, nachdem zwei vorgeschickte Divisionen [328] von Quosdanowitsch bei Handschuchsheim geschlagen worden waren. Nachdem nun C., wenn auch nicht vollständig mit Absicht, seine ganze Armee versammelt hatte, ließ er ein schwaches Corps am Rhein stehen, ging mit seiner Hauptmacht Main aufwärts über diesen Fluß und operirte, bei Höchst demonstrirend, um Jourdan’s linke Flanke gegen dessen Rückzugslinie. Jourdan hob in Folge dessen die Einschließung von Mainz auf dem rechten Ufer sowie jene von Ehrenbreitstein auf und zog sich über die Lahn und Sieg und schließlich über den Rhein zurück. Durch eine thatkräftige Verfolgung auch mit wenigen Truppen hätte hier Jourdan’s Heer für den ganzen Feldzug unschädlich gemacht werden können. Inzwischen hatte Wurmser den General Pichegru bei Mannheim geschlagen und diesen Platz auf dem rechten Ufer umschlossen. C. rückte nun, nachdem er die Verfolgung Jourdan’s seiner Vorhut überlassen, nach Mainz. Am 20. October führte er mit 30000 Mann einen Ausfall gegen die durch elfmonatliche Arbeit und alle Mittel der Befestigung hergestellten Verschanzungen der 33000 Mann starken Belagerungsarmee aus: die Verschanzungen wurden erstürmt und der Feind zum Rückzuge gezwungen. Diese Niederlage veranlaßte nun auch den Abzug Pichegru’s von Mannheim, dessen 11000 Mann starke Besatzung sich bald darauf an Wurmser ergab, als auch C. vor Mannheim erschienen war und die Festung auf dem linken Ufer eingeschlossen hatte. Hätte C. sich nicht mit halben Maßregeln begnügt, so wären seine Erfolge noch großartiger gewesen. Statt dessen gewannen die Franzosen abermals Zeit, so daß sogar Jourdan noch herbeikommen konnte, um Pichegru zu unterstützen. Gegen ersteren wendete sich nun C. von neuem, während Pichegru durch Wurmser festgehalten wurde. Die französischen Feldherren wagten jedoch keine Schlacht mehr, sondern zogen sich unter fortwährenden für die Oesterreicher und Reichstruppen günstigen Gefechten zurück. Ein für die Franzosen verhältnißmäßig vortheilhafter Waffenstillstand machte für dieses Jahr dem Kriege ein Ende. Anfangs Januar ging C. nach Wien, wo er mit großer Auszeichnung empfangen wurde. Indessen wurde getadelt, daß C. sich bei Abschluß des Waffenstillstandes so leicht hatte befriedigen lassen, so daß für einen vortheilhaften Frieden nicht genügend Grund gelegt war. C. kam hierüber mit dem Minister Thugut in Zwistigkeiten, und da ohnehin seine Gesundheit angegriffen war, so erbat er sich seine Entlassung. Er erhielt nun eine Verwendung im Hofkriegsrathe, starb aber fortwährend kränkelnd zwei Jahre nachher; die Stadt Wien ließ ihm in Hernals ein prachtvolles Grabmal setzen.

Als Feldherr war C. besser als seine Vorgänger im Commando gegen die französische Republik. Er verlor nie den Kopf und wurde nie müde; stets besorgt für das Wohl der ihm anvertrauten Truppen verstand er es auch, sie bei gutem Geiste zu erhalten. Doch besaß er nicht genug Initiative, und seine Kriegführung zeigte noch viel von der Passivität und Langsamkeit des Cordonkrieges; er war sicher keiner von jenen Feldherrn, welche dem Gegner Gesetze vorschreiben. Erst sein Nachfolger Erzherzog Karl schwang sich mehr empor zu einer thatkräftigen Kriegführung mit vereinigten Kräften.

Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher, 1854. – Hirtenfeld, Maria-Theresia-Orden. – Widdern, Rhein und Rheinfeldzüge, 1869.