ADB:Conn, Leopold

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Artikel „Conn, Leopold“ von Christian Johnen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 510–511, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Conn,_Leopold&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 01:23 Uhr UTC)
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Conn: Leopold C. wurde geboren am 28. October 1820 in Eidlitz (bei Komotau, Böhmen). Seine Eltern, jüdische Handelsleute, schickten ihn 1833–1836 auf das Gymnasium in Komotau, 1836–39 auf die Realschule in Rakonitz. Von 1839–45 war er dann bei einer Exportfirma in Teplitz thätig und wurde 1845–48 Geschäftsleiter in der k. k. Wollwaarenfabrik zu Neuhaus (Böhmen). In den Märzwirren 1848 ging er nach Wien. Er warf sich hier auf die Stenographie und trat in das Stenographenbureau zu Kremsier ein. Nach Auflösung desselben begann er eine umfassende Thätigkeit als stenographischer Lehrer und Praktiker. Er begründete das „Erste österreichische Stenographenbureau“, das 1849 das von Conn und Kratky verfaßte „Lehrbuch des Ersten österreichischen Stenographenbureaus“ herausgab (2. Aufl. 1853). Dasselbe bildete die Grundlage der sog. „Wiener Schule“ und der Gabelsberger'schen Stenographie, die gegenüber den anderen (Münchener und Dresdener) Richtungen besonders die Interessen der höheren Praxis betonte und die größtmögliche Kürze der einzelnen Wortbilder anstrebte. Auch wurde C. Lehrer der Stenographie an den meisten Mittelschulen Wiens, und 1858 Professor derselben an der Wiener Handelsakademie. Er führte die Stenographie in die Kanzleien der Wiener Advocaten ein, stellte sie in den Dienst der Berichterstattung für die großen Wiener Zeitungen, für die er selbst viele Processe aufnahm. 1860 reorganisirte er das Stenographenbureau für den „K. K. verstärkten Reichsrath“, 1861 die Bureaus für mehrere Landtage (in Brünn, Graz, Laibach, Klagenfurt, Czernowitz), wurde auch mit der Bildung des Buraus für den Reichsrath beauftragt, dessen Director er von 1861 bis zu seinem Tode blieb. So wurde er der eigentliche Einbürgerer der Stenographie in die Schulen und in die Parlamentsbureaus Oesterreichs, und seinem Einflusse ist auch die Einsetzung von Staatsprüfungscommissionen für Lehrer der Stenographie zuzuschreiben, wodurch zugleich das Gabelsberger’sche System zu dem alleinberechtigten an den österr. Mittelschulen erhoben wurde (Regulativ vom 14. Mai 1860); C. selbst war bis zu seinem Tode Vorsitzender der Wiener Commission. Auch am stenographischen Vereinsleben nahm C. regen Antheil. Er wohnte 1857 als Vertreter des österr. Unterrichtsministeriums den Dresdener Berathungen zur Reform der Gabelsberger’schen Schrift bei und wurde 1859 Vorstand des Wiener „Centralvereins“, in dem er im Interesse der Praxis den Widerstand gegen die „Dresdener Beschlüsse“ vertrat. Dieser Freiheit der Schreibweisen dient auch sein „Lehrbuch der deutschen Kammerstenographie“ (Wien 1861, 2. Aufl. 1872, 3. [posthum] Aufl. 1879). Weiter verfaßte er „Vorlageblätter nach Gabelsb. System“ (4. Aufl. 1866), ein „Lesebuch zu seinem Lehrbuch der Kammerstenographie“ (1862) und schrieb neben kleineren Arbeiten Beiträge zur Geschichte der Stenographie in Oesterreich unter dem Titel „Mit dem Bleistift“ (Wien 1870), sowie „Der stenographische Dienst im österreichischen Parlament“ (Wien 1873). 1870 trat er aus dem Wiener Central-Verein aus und gründete den Verein praktischer Stenographen „Erstes österreichisches Stenographen-Bureau“, dessen Vorstand er bis zu seinem Tode blieb. Er gründete 1859 die „Oesterreichischen Blätter für Stenographie“ und gab 1870 die „Wiener Blätter für Stenographie“ heraus. Seine letzte Lebenszeit war durch verschiedene Kämpfe persönlicher Art verbittert. C., der zum Christenthume übergetreten war, starb am 31. August 1876 an einem Schlaganfalle in Baden bei Wien, als Director des reichsräthlichen Stenographenbureaus, Professor der Stenographie, Vorsitzender der k. k. Staatsprüfungscommission für Lehramtscandidaten der Stenographie in Wien, Ritter des Franz-Josefordens und Besitzer der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft und der Verdienstmedaille der Wiener Weltausstellung.

[511] Biographien in stenogr. Blättern, so: Schriftwart 1876, S. 171; Allg. dtsch. St.-Ztg. 1876, S. 93, 105; Kammerstenograph 1876, Nr. 10; Illustr. Ztg. f. Gabelsb. Stenogr. 1879, S. 66; Wiener Schule 1888, Nr. 5 (mit Bild); Oesterr. Bl. f. Faulmann’sche Stenogr. 1888, Nr. 6, S. 43 (desgl.). – Krumbein, Entwickl.-Gesch. d. Schule Gabelsb., 1901, S. 216 u. Heck, Gesch. d. Schule Gabelsb., 1901, S. 45.