ADB:Croÿ, Anna Herzogin von

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Artikel „Croy, Anna von“ von Adolf Häckermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 614–617, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cro%C3%BF,_Anna_Herzogin_von&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 03:17 Uhr UTC)
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Croy: Anna v. C., geb. Herzogin von Pommern und Gemahlin des Herzogs Ernst von Croy und Aarschot, wurde am 3. Oct. 1590 auf dem Schlosse zu Barth geboren, als jüngste Tochter des Pommernherzoges Bogislav XIII. und der Herzogin Clara von Braunschweig-Lüneburg, welche in erster Ehe mit dem Fürsten Bernhard von Anhalt vermählt war, † 1660. Gleichzeitige Redner und Dichter nennen sie eine Esther von Charakter, eine Abigail an Verstand, eine Perle und Krone der Fürstenfrauen und sind unerschöpflich wie überschwänglich im Preise ihrer leiblichen und geistigen Vorzüge. Die frühste Jugend Anna’s war durch die glückliche Ehe ihrer Eltern und die Liebe und Sorgfalt, welche die Mutter auf die Erziehung ihrer zahlreichen Kinder verwandte, von den angenehmsten Eindrücken erfüllt, jedoch wurde ihr jugendlicher Frohsinn bald dadurch getrübt, daß sie schon im achten Jahre ihre Mutter verlor, welche am 25. Januar 1598 verstarb. Nachdem sich ihr Vater (Juni 1601) in zweiter Ehe mit der Fürstin Anna von Holstein vermählt hatte, blieb Anna theils unter deren Leitung im väterlichen Hause, anfangs zu Barth, später zu Stettin, wo sie auch der am 5. April 1605 begangenen Huldigung beiwohnte, theils lebte sie am Hofe zu Güstrow bei der Herzogin Anna, einer Schwester ihres Vaters, welche an den Herzog Ulrich von Mecklenburg verheirathet war, und welche als Pathin ein besonderes Interesse für ihre Nichte hegte. Als die Stiefmutter nach dem Tode des Vaters am 7. März 1606 ihr Leibgedinge Neustettin bezog, übernahmen der älteste Bruder Philipp II., welcher dem Vater in der Regierung folgte, und dessen Gattin Sophia, geb. Prinzessin von Holstein, die weitere Erziehung der jungen Fürstin, welche auch den kränkelnden Bruder im Juli 1612 ins Bad nach Dannenberg im Lüneburgischen begleitete. Sodann nahm sie einen dauernden Aufenthalt bei ihrer oben genannten Tante Anna von Mecklenburg, welche nach dem Tode ihres Gemahls, des Herzogs Ulrich von Mecklenburg (Güstrow) seit 1603 in Grabow ihren Wittwensitz hatte. Hier lernte Anna ihren spätern Gemahl, den Herzog Ernst von Croy kennen, welcher als Sohn Karl Philipps II. von Croy, wahrscheinlich 1578 geboren, nach dem Tode des Vaters 1612 den herzoglichen Titel erhielt und zur Linie Havré jenes alten [615] und reichbegüterten Fürstengeschlechtes gehörte, welches seinen Ursprung von den ungarischen Königen ableitet. Da die Familie von Croy dem katholischen Bekenntniß angehörte, so wurde im Einverständniß mit den herzoglichen Brüdern Anna’s durch einen Ehevertrag ihrer Descendenz die Erziehung in der lutherischen Lehre vorbehalten. Nachdem ihr nun auch zugleich das Schloß und die Herrschaft Vinstingen (Fenestrange) zum Leibgedinge bestimmt war, erfolgte die Vermählung am 4. August 1619 zu Alten-Stettin, worauf das junge Paar nach Vinstingen abreiste und dort die Huldigung empfing. Der inzwischen ausgebrochene dreißigjährige Krieg zerstörte leider schon nach 14 Monaten das Glück dieser Ehe, indem der Herzog, welcher in kaiserlichen Diensten stand, auf dem Feldzuge am Rhein schon am 7. Oct. 1620 im Lager vor Oppenheim erkrankte und starb. So war es ihm auch nicht vergönnt, seinen Sohn von Angesicht zu erblicken, welchen ihm Anna wenige Wochen zuvor am 26. August 1620 geboren hatte. Derselbe empfing, zum Andenken des früh heimgegangenen Vaters und des Großvaters Bogislav XIII., die Namen Ernst Bogislav. Als Wittwe verlebte Anna zu Vinstingen zwei kummervolle Jahre unter Verwandten, die der katholischen Religion fanatisch zugethan waren und sie als eine eifrige Lutheranerin mit wenig Schonung und Liebe behandelten. Da sie beharrlich allen Anträgen und Zumuthungen der Angehörigen ihres Gatten, welche ihren Sohn katholisch erziehen lassen wollten, widerstand, so versuchten jene in Fanatismus und Habgier dem Sprößling der verhaßten Mischehe unter allerlei Vorwänden sein Erbe zu entziehen. Um dieser peinlichen Lage, welche noch durch die Kriegsunruhen vermehrt wurde, zu entgehn, begab sie sich, nach kürzerem Aufenthalt in Straßburg, auf Veranlassung ihres Bruders Bogislav XIV. im Herbst 1622 mit dem zweijährigen Sohne nach Stettin und fand dort in der Heimath die freundlichste Aufnahme. Da das Vermögen ihres Gatten durch dessen Anverwandte gewaltsam in Beschlag genommen war, so verlieh ihr Bogislav XIV. nach dem Tode der Fürstin Erdmuth, Wittwe Herzogs Johann Friedrich von Pommern-Stettin, am 13. November 1623 deren erledigten Wittwensitz zu Stolpe mit einem ansehnlichen Gütercomplex zum Leibgedinge. Doch behielt sie bis zum Tode ihres Bruders 1637 in Stettin ihren Wohnsitz und erwarb sich auch, als sie dort bei dem am 11. Juli 1630 zwischen dem König Gustav Adolf von Schweden und dem Herzog Bogislav XIV. abgeschlossenen Erbvergleich zugegen war, durch ihr kluges und taktvolles Benehmen die Hochachtung des großen Schwedenkönigs. Manche ehrenvolle Anträge, sich wieder zu verheirathen, wies sie standhaft zurück, um sich dem Wohle und der Erziehung ihres Sohnes im ganzen Umfange widmen zu können. Auch stand sie mit treuer Pflege ihrem Bruder Bogislav unter den Stürmen des Krieges und zunehmendem Siechthum seines Körpers zur Seite. Beide hatten das schwere Schicksal, ihre sämmtlichen Geschwister, die Herzoge Georg (1617), Philipp II. (1618), Franz (1620) und Ulrich (1622) vor sich in den Tod gehen zu sehen, sowie die traurige Voraussicht, daß bei der Kinderlosigkeit Bogislavs XIV., als des letzten seines Stammes, das Aussterben des pommerschen Herzogshauses bevorstand. Als nun dieser traurige Fall am 10. März 1637 wirklich eintrat und Pommern von den Schweden gegen den Protest des Kurfürsten von Brandenburg in Besitz genommen wurde, nahm Anna in Stolpe, ihrem Leibgedinge, dauernden Wohnsitz, suchte aber durch zahlreiche Besuche bei Elisabeth, Herzog Bogislavs XIV. Wittwe, die zu Rügenwalde, und Hedwig, Herzog Ulrichs Wittwe, die zu Neustettin residirte, sich und die Ihrigen zu erheitern; denn durch ihr liebenswürdiges Wohlwollen und ihre Herzensgüte hatte sie alle Mitglieder der Familie so an sich gefesselt, daß diese ihr das vollste Vertrauen schenkten und ihren Umgang jedem anderen vorzogen. Nicht minder war sie für das Wohl der Bewohner ihres Wittwensitzes und dessen Umgebung bedacht [616] und errichtete auf ihrem Lustschloß Smolsin, am Ufer des Lupow in reizvoller Gegend gelegen, ein eignes Kirchspiel mit einer neuen, schön ausgeschmückten Kirche, und sorgte für deren Ausstattung sowie für den Prediger mit fürstlichem Aufwande. Auch der Armen und Kranken nahm sie sich mit größter Freigebigkeit an, versorgte die letzteren aus ihrer eigenen Hausapotheke mit Arzneien und ließ die Kinder unbemittelter Eltern auf ihre Kosten erziehen. So lebte Anna in Stolpe auf ihrem Wittwensitz bis zum J. 1656 in einer friedlichen Ruhe des Alters, dann aber sollte sie noch einmal den Schmerz in ganzer Tiefe erfahren. Nicht nur wurden die erwähnten, mit ihr aufs innigste befreundeten Herzoginnen und die übrigen Verwandten durch den Tod von ihrer Seite gerissen, sondern sie war auch durch den Ausbruch des schwedisch-polnischen Kriegs zum Verlassen ihres stillen Wohnsitzes gezwungen. Sie lebte nun theils mit Bewilligung des Kurfürsten von Brandenburg, welcher im westfälischen Frieden Hinterpommern empfing, auf dem Schloß zu Rügenwalde, theils unternahm sie wiederholte Reisen nach Stettin und besuchte auch die Universitätstadt Greifswald, wo ihr von Seiten der Studirenden durch Ueberreichung einer Dichtung und andere Ehrenbezeugungen eine begeisterte Huldigung zu Theil ward. Der Mangel gewohnter Ruhe, die Trauer über den Tod aller Verwandten und die Schrecken des Krieges, welcher auch den Sohn aus ihrer Nähe entfernt hatte, erschütterten indessen ihre Gesundheit in so hohem Grade, daß sie ihr Testament errichtete und nach längerer Krankheit am 7. Juli 1660 verstarb. Ihr Leichnam wurde vor dem Altar der Stolper Schloßkirche begraben, woselbst ihr später der Sohn ein prächtiges und noch erhaltenes Marmordenkmal errichten ließ, auf welchem außer einer Inschrift und mehreren allegorischen Darstellungen auch die Brustbilder Anna’s und ihres Gemahls ausgeführt sind. Zwei nach denselben angefertigte Oelgemälde befinden sich im Besitz der Universität Greifswald. Neben ihr wurde später auch ihr Sohn unter einem Marmordenkmal beigesetzt.

Ihr einziger Sohn, Ernst Bogislav, geb. 26. Aug. 1610, genoß eine sorgfältige Erziehung durch seine Mutter Anna und seinen Oheim Bogislav XIV., welcher ihm auch, da er durch Intriguen und Cabalen seiner katholischen Verwandten der väterlichen Güter beraubt war, die Herrschaften Naugardt und Massow verlieh und ihn zum Nachfolger im Bisthum Cammin designirte. Da aber in Folge der Säcularisirung des letzteren durch den westfälischen Frieden die Apanage für den Prinzen wegfiel, so verlieh ihm bei dem Uebergange Hinterpommerns an Brandenburg der neue Landesherr zur Entschädigung die Anwartschaft auf das Leibgedinge seiner Mutter und nach ihrem Tode im J. 1660 den wirklichen Besitz desselben. Der Prinz, welcher 1634 in Greifswald studirt hatte und auch zum rector magnificentissimus erwählt worden war, trat in der Folge in die Dienste des großen Kurfürsten, ward 1665 zum Statthalter über Pommern und 1670 auch über Preußen eingesetzt, welchen höchst wichtigen Aemtern er bis an sein Ende mit rühmlichem Verdienst vorstand. Kurz vor seinem Tode am 6. Febr. 1684 errichtete er sein Testament, in welchem er der Universität Greifswald mit Bewilligung der königl. schwedischen Regierung ein Capital anwies, von welchem am Todestage seiner Mutter alle zehn Jahre zur Erinnerung an diese und das pommersche Herzogsgeschlecht eine Rede gehalten werden sollte. Außerdem erhielt die Universität, neben mehreren werthvollen Büchern den Siegelring Bogislavs XIV. und die große goldene Kette des Herzogs Ernst Bogislav mit den Bildnissen seiner Eltern, welche vom Rector getragen werden, endlich auch den Croyteppich, auf welchem in farbigem Gewebe Dr. Mart. Luther auf der Kanzel predigend, sowie links Melanchthon und die sächsische Herzogsfamilie von Friedrich d. Weisen (1463–1525) bis Johann Friedrich III. (1538–65), rechts Bugenhagen und die pommersche Herzogsfamilie [617] von Georg I. (1493–1531) bis Barnim XI. (1549–1605) abgebildet sind, eine Darstellung, welche wahrscheinlich durch die Heirath Philipps I. von Pommern mit Maria von Sachsen (welche Luther 1536 vollzog) veranlaßt worden ist. Dieser wird alle zehn Jahre bei der noch jetzt bestehenden Feier ausgestellt.

Quellen: v. Bohlen, Die Personalien und Leichenprocessionen d. Herzoge v. Pommern 1859. S. 593–630. Schmallenberg, Pommerscher Geschlechtskalender 1700. S. 79. Haken, Pommersches Archiv 3 St. 1785. S. 95 bis 115, mit Abbildung von Anna’s Grabmal. Schildener’s Greifsw. akadem. Zeitschrift. Greifsw. 1822. H. 1. S. 79–138 mit Abbild. d. Teppichs. Kosegarten, Geschichte d. Univers. Greifsw. II. S. 145 ff. Vogl, Pommersches Jahrbuch II. S. 18.