ADB:David, Lucas

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Artikel „David, Lukas“ von Karl Lohmeyer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 785–786, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:David,_Lucas&oldid=- (Version vom 13. Oktober 2019, 23:10 Uhr UTC)
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David: Lukas D., preußischer Geschichtsschreiber aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der Begründer der gelehrten Forschung in der Historiographie der Provinz Preußen, gestorben im April 1583 im Alter von 80 Jahren. – Etwa 1503 in dem ermländischen Städtchen Allenstein geboren, studirte D. in Leipzig, erwarb dort die Magisterwürde, war im Winterhalbjahr 1537–38 Mitglied des Senats für die polnische Nation und erscheint – noch im November 1539 als Angehöriger der dortigen Universität. Obgleich er schon früh, vielleicht bevor er sein Vaterland verließ, zum protestantischen Glauben übergetreten war, erhielt er sich doch nicht blos das Wohlwollen höherer katholischer Kreise, sondern wurde sogar 1541 Kanzler des kulmischen Bischofs Thiedemann Giese und trat erst, nachdem dieser 1549 das ermländische Bisthum erhalten hatte, in die Dienste des Herzogs Albrecht von Preußen, dem er am 26. März 1550 den Eid als Rath des Königsberger Hofgerichts leistete. Neben seinen eigentlichen Amtsgeschäften, denen er mit Eifer und Fleiß oblag, wurde er wie schon vom Bischof, so auch vom Herzoge zu verschiedenen Gesandtschaften und Commissionen gebraucht. Außerdem aber beschäftigte er sich eingehend mit dem Studium der vaterländischen Geschichte, für welche er gleich nach seiner Rückkehr von Leipzig zunächst Urkunden zu sammeln begann. Schon Herzog Albrecht hatte, um den von polnischer und katholischer Seite ausgehenden Darstellungen entgegenzuwirken, den Gedanken ergriffen eine „gewisse, glaubwürdige, rechtsinnige Chronik des Landes Preußen“ abfassen zu lassen. Da aber auf seinen Betrieb nur eine Geschichte der eigenen Zeit zu Stande gekommen war, so nahm sein Sohn und Nachfolger Albrecht Friedrich diese Absicht wieder auf und beauftragte D. mit ihrer Ausführung; auch die Stände des Landes, denen die polnischen Arbeiten „zur Schmälerung dieser Lande Gerechtigkeit zu gereichen“ schienen, nahmen sich der Sache wiederholentlich durch ihre Fürsprache an. Nachdem D., von seiner amtlichen Thätigkeit entbunden und mit herzoglichen Empfehlungen versehen, die Archive beider Theile Preußens, des herzogl. sowie des königl., durchforscht hatte, schrieb er während der letzten zehn Jahre seines Lebens an seiner „Preußischen Chronik“, doch ohne sie vollenden zu können, denn mitten im zehnten Buche, bei der Schilderung der der Schlacht von Tannenberg unmittelbar voraufgehenden Ereignisse (1410), ereilte ihn der Tod. Obgleich die wenig ältere Chronik des Tolkemiter Mönches Simon Grunau es vorzugsweise ist, gegen die sich D. richtet, indem er ihrer einseitig polnischen Auffassung entgegentritt und in vielen Fällen ihre thatsächlichen Angaben mit verständiger Kritik als falsch erkennt und nachweist, so hat er dennoch im ganzen diese Arbeit der seinigen zu Grunde gelegt, besonders durch die große Zahl der „köstlichen alten Bücher“ verführt, welche Grunau benutzt zu haben vorgibt. Von anderen älteren Chroniken hat D. nur verhältnißmäßig wenige zu Rathe gezogen, so daß der Werth seines Werkes, zumal da auch die von ihm angezogenen Urkunden anderweitig bekannt sind, für die heutige Geschichtsforschung nur ein sehr geringer, mittelbarer ist. Auch in der Form der Darstellung steht es auf sehr niedriger Stufe. David’s Chronik war nur wenigen seiner Zeitgenossen bekannt geworden, erst 1720 wurde die Handschrift wieder aufgefunden [786] und wieder erst ein Jahrhundert später veröffentlicht; Königsberg 1812–1817 (in 8 Quartbänden (Bd. I-VII von Dr. E. Hennig, Bd. VIII von Dr. D. F. Schütz). – Wie D. während seiner Studienzeit heimische Stipendien bezog, so hat er selbst von dem Vermögen, welches er durch seine Frau, eine reiche Wittwe aus Leipzig, erheirathet hatte, ein nicht unbedeutendes Stipendium an der dortigen Universität für studirende Landsleute gestiftet.

Volbrecht in „Erleutertes Preußen“, Bd. I. (1723) S. 569 ff. Hennig in den Vorreden zu Bd. I. u. II. seiner Ausgabe. Töppen, Geschichte der preuß. Historiographie (1853), S. 226 ff.