ADB:David, Martin Alois

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Artikel „David, Martin Alois“ von Karl Christian Bruhns in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 786–787, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:David,_Martin_Alois&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 19:18 Uhr UTC)
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David: Martin Alois D., geb. am 8. Decbr. 1757 zu Tschewehisch (Drewohryz), einem zum Stifte Tepl gehörigen Dorfe in Böhmen, † 22. Febr. 1836 im Stifte Tepl. Sein Vater war ein schlichter Landmann und durch den Prälaten des Stiftes Tepl, Christoph Graf von Trautmannsdorf, wurde der Pfarrer zu Widschin, Ludolph Richter, beauftragt, den jungen D. zu sich zu nehmen und ihn durch den Caplan Balthasar Dietel für die lateinische Schule vorbereiten zu lassen. Im J. 1770 kam D. in das Tepler Gymnasium, 1776 bezog er die Universität Prag, studirte Philosophie, Mathematik, und Physik und wurde 1777 schon Magister Philosophiae. Darauf wandte er sich der Theologie zu, fuhr aber fort, nebenbei Tessanek’s Vorträge über Mathematik, höhere Mechanik und Astronomie zu hören. Im J. 1780 im Tepler Stift aufgenommen, wurde er 1783 nach Prag geschickt, machte dort das theologische Examen, wurde 1787 zu Tepl zum Priester geweiht und nach Gerstner’s Abgange am 4. Dec. 1789 Adjunct der Prager Sternwarte. Nachdem er die Bekanntschaft von Zach gemacht und sich einige astronomische Instrumente angeschafft hatte, führte er auf eigene Kosten in Böhmen geographische Ortsbestimmungen aus, erwarb sich 1790 die philosophische Doctorwürde, wurde 1795 außerordentliches Mitglied der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1800 ordentliches Mitglied, 1806 ständiger Secretär. Als er 1799 nach dem Tode des Astronomen Strnad Vorsteher der Prager Sternwarte geworden, besuchte er im September 1801 die unter der Leitung des Baron v. Zach stehende Sternwarte in Gotha, ferner noch Leipzig und Dresden und lernte dadurch einige astronomische Institute näher kennen. An der Prager Universität lehrte er Astronomie, bekleidete 1805 das Amt eines Decan, 1816 das des Rectors und wurde 1830 kaiserlicher Rath, 1832 Director der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften. 1818 reiste er nach München, bestellte verschiedene astronomische Instrumente daselbst und machte bei dieser Gelegenheit die Bekanntschaft von Fraunhofer und Liebherr, auch stellte er auf dieser Reise geographische Ortsbestimmungen und barometrisches Höhenmessungen an. Die Mangelhaftigkeit der Prager Sternwarte auf dem Dache eines Hauses erkennend, beantragte er die Erbauung einer neuen Sternwarte auf dem Lorenzberge, doch kam der Plan wegen finanzieller Hindernisse nicht zur Ausführung. Am 29. Decbr. 1833 legte er sein Amt als Director der Sternwarte nieder und zog sich nach dem Stifte Tepl zurück, wo er im 79. Lebensjahre an Altersschwäche starb. Seine erste Schrift (1783) behandelt das Leben Newton’s; von 1789–1832 publicirte er 25 Abhandlungen über geographische Ortsbestimmungen in Tepl, Prag, Hohenfurt, Schluckenau, auf dem Marienberge, in Benatek (wo Tycho Brahe beobachtete) und von einer großen Anzahl böhmischer Orte, sowie über Längendifferenzen durch Pulversignale zwischen Prag und Breslau, Wien und München etc. In den Schriften der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften hat er veröffentlicht astronomische Beobachtungen auf der Prager Sternwarte und einige meteorologische Abhandlungen, sowie eine Beschreibung des durch den Borkenkäfer verheerten Fichtenwaldes und Nachrichten [787] von Bergwerken. Außerdem bearbeitete er lange Zeit den landwirthschaftlichen Kalender Böhmens.

Vgl. Abh. der k. böhm. Ges. der Wiss. Neue Folge, IV. Bd. Prag 1837.