ADB:Diericke, Christian Friedrich von

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Artikel „Diericke, Christian Friedrich von“ von v. Diericke. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 683–685, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Diericke,_Christian_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 06:28 Uhr UTC)
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Diericke: Christian Friedrich von D., preußischer General im siebenjährigen Kriege, war am 11. Juli 1709 als Sprosse einer brandenburgischen Adelsfamilie zu Etzen im Havellande geboren, † am 19. Februar 1783 auf seinem Gute Gläsendorf in Schlesien. Er trat 1726 in das Infanterieregiment Nr. 15 (später Kronprinz Friedrich), wurde 1740 als Lieutenant beim 1. Bataillon Garde angestellt, bei Mollwitz verwundet und zum Premierlieutenant mit dem Range eines Majors befördert. Am 18. Juli 1745 als Oberstlieutenant zum Pionierregiment Nr. 49 versetzt, wurde er 1748 Commandeur desselben und 1753 Oberst. Im Juli 1757, während des Rückzuges des Prinzen von Preußen, leitete er die Vertheidigung von Zittau, und hatte am 23. d. M., als die Garnison auf höheren Befehl die Stadt räumte, das Unglück, ohne seine Schuld in österreichische Gefangenschaft zu gerathen. Im März 1758 ausgewechselt, wurde er zehn Tage später zum Generalmajor befördert [684] (31. März), weil er, wie das Patent lautet, „nicht allein mit aller Dexterité und Application gute und ersprießliche Dienste geleistet, sondern sich auch besonders angelegen sein lassen, die Gloire unserer Waffen dergestalt zu fördern, daß Wir damit zufrieden zu sein Ursache haben“, und bei der Belagerung von Schweidnitz verwandt. Hier commandirte er den Sturm auf das Galgenfort, dessen Fall die Uebergabe der Festung herbeiführte. Hierauf unter General Ziethen bei Landshut und dann selbständig bei Glatz zur Deckung der Grenze thätig, wurde er im Juni zum Dohna’schen Corps nach der Neumark gesandt. (Bei dieser Gelegenhert erwähnt der König seiner in einem Briefe an Dohna folgendermaßen: „D. est bon, vous pouvez vous en servir“.) Nach der Schlacht bei Zorndorf zum Chef des bisherigen Pionierregiments befördert (26. November), führte er im Winterfeldzug 1758/9 die Avantgarde des Dohna’schen Corps in Pommern und eroberte im April 1759 die Peenemünder Schanze. Bei Kay und Kunersdorf kämpfte er mit und commandirte seit dem 8. November ein Corps auf dem rechten Elbufer bei Meißen, um die Verbindung der Armee auf dem anderen Ufer mit Schlesien und die Depots an der Elbe zu decken. Durch einen plötzlich eingetretenen Eisgang von der Hauptarmee abgeschnitten, wurde er am 3. December von dem österreichischen General Beck mit Ueberlegenheit angegriffen und am 4. nach hartnäckiger Gegenwehr, welche auch die Anerkennung des Königs fand, von allen Seiten umringt und mit 1500 Mann gefangen; vorher war es ihm jedoch gelungen, mehr als die Hälfte seiner Truppen durch Uebersetzen mittelst Kähnen zu retten. Aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, wurde er 1764 zum Generallieutenant (20. Mai) und zum Commandanten von Neiße (9. December) befördert und 1770 auf sein Ansuchen in Gnaden verabschiedet.

Christoph Friedrich Otto von D. (Neffe des Vorigen), geboren am 11. September 1743, † am 17. April 1819 in Schöneberg bei Berlin als preußischer Generallieutenant, war der älteste Sohn des bei Leuthen tödlich verwundeten Oberstlieutenants v. D. im Regiment Garde. Er trat 1760 aus dem Cadettencorps in das Infanterieregiment Nr. 2 (Canitz), in welchem er das Ende des siebenjährigen Krieges mitmachte und bis zum Major avancirte. Am 28. Februar 1790 zum Regiment Nr. 14 als Oberstlieutenant versetzt, erwarb er als Commandeur desselben in dem Gefechte bei Gr. Magnuszewo am 26. October 1794 im polnischen Insurrectionskriege den Orden pour le mérite. Im J. 1799 zum Chef des Regiments Nr. 16 und 1800 zum Generalmajor befördert, machte er den Feldzug 1806/7 unter dem Generallieutenant L’Estocq in Preußen mit und erhielt hierfür den Rothen Adlerorden und russischen Annenorden I. Classe. Nach dem Friedensschlusse gehörte er bis 1812 der Immediatuntersuchungscommission an, welche die Vorfälle des letzten Krieges zu prüfen hatte; außerdem wurde er zum Obergouverneur der Königlichen Prinzen (vgl. A. D. B. Bd. 7, Friedrich Wilhelm IV.), Präses der Militärexaminations- und der Ordenscommission und am 31. October 1813 zum Ritter des Schwarzen Adlerordens ernannt und erhielt die Aufsicht über sämmtliche Militärbildungsanstalten. In diesen Eigenschaften war er bis zu seinem Ableben thätig. D. war schon vor der Reorganisation für Verbesserung der Lage des Soldatenstandes eingetreten und hatte seine Ansichten hierüber in den „Fragmenten zur Veredlung des Soldaten niedergelegt, dieselben auch durch Abschaffung der körperlichen Strafen bei seinem Regiment bethätigt. Er hatte das Trauerspiel Eduard Montrose und eine Anzahl Gedichte verfaßt, von welchen er selbst urtheilt: „Nicht ihres poetischen Werthes, wohl aber der darin herrschenden Gefühle und Gesinnungen wegen, wird man sie vielleicht [685] einiger Aufmerksamkeit werth halten“. Seine letzte Arbeit war eine Vertheidigungsschrift des damals vielfach angegriffenen Adels, von welcher Treitschke in seiner „Deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert“ sagt: „Ein alter fridericianischer General, v. D., nahm sich in aller Bescheidenheit seiner Standesgenossen an und zeigte in seinem ‚Wort über den preußischen Adel‘ (1818) wieviele Söhne des geschmähten Junkerthums im Lager und im Rath die Größe Preußens mitbegründet hatten. Allgemeine Entrüstung empfing ihn, weil man ihn nicht widerlegen konnte“. General v. D. war vermählt mit Antoinette v. Quoos. Der Ehe waren fünf Söhne entsprossen, welche sämmtlich der preußischen Armee angehört haben; der älteste starb 1860 als Generallieutenant a. D.

v. Diericke.