ADB:Dinglinger, Johann Melchior

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Artikel „Dinglinger, Johann Melchior“ von Carl Clauß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 240–241, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dinglinger,_Johann_Melchior&oldid=2494382 (Version vom 21. November 2017, 14:18 Uhr UTC)
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Dinglinger: Johann Melchior D., Goldschmied und Juwelier, geb. 1665 zu Biberach bei Ulm, † 1731 zu Dresden. Ueber des Künstlers Jugend und Entwicklungsgang ist wenig bekannt. Das Kunstleben Ulms wie das des nahen Augsburg mag früh anregend auf ihn eingewirkt haben; auf Reisen, insbesondere in Frankreich, vollendete er seine Bildung. Reich bemittelt kam er nach Dresden, wo er 1693 sich in die Innung der Goldarbeiter aufnehmen ließ; nach Einigen durch die Liebe zu der schönen Tochter eines Innungsgenossen an die Elbstadt gefesselt, nach Anderen durch August den Starken, der ihn auf seinen Reisen kennen gelernt hatte, dazu veranlaßt. Dinglinger’s eigenthümlich eingerichtetes Haus zählte lange Zeit zu den Sehenswürdigkeiten der sächsischen Residenz und [241] bildete zugleich, durch die liebenswürdigen geselligen Talente des Meisters, den Mittelpunkt für die künstlerischen Kräfte derselben. Peter der Große nahm, bei seiner zweimaligen Durchreise durch Dresden, sein Absteigequartier im Hause Dinglinger’s; ebenso erfreute sich letzterer im hohen Grade der Gunst Augusts, des pracht- und kunstliebenden Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, der ebenfalls gern mit ihm persönlich verkehrte und ihn vielfach beschäftigte. Bei seinen Arbeiten halfen dem Künstler seine beiden Brüder, Georg Christoph und Georg Friedrich, die er in sächsische Dienste zog; der eine war Goldarbeiter, der andere, ein Schüler Aved’s in Paris, war ein vorzüglichen Emailleur. Auch ein Sohn Johann Melchiors, Johann Friedrich, war Goldarbeiter, jedoch ohne den schöpferischen Geist seines Vaters zu besitzen. In verschiedenen Gliedern noch widmete sich die Familie der Kunst; der letzte künstlerisch thätige Sproß war Sophie Friederike, eine Tochter Johann Friedrichs; sie war eine Schülerin von Oeser und eine treffliche Miniaturmalerin. Die Eremitage in St. Petersburg, insbesondere das Grüne Gewölbe in Dresden sind reich an Arbeiten Dinglinger’s. Letztere zeigen den Künstler ganz im Banne seiner allem bildnerischen Schaffen feindlichen Zeit; aber innerhalb dieser Formen entwickelt er eine rege Phantasie, eine schöpferische Kraft, welche ihn hoch über das Niveau der damals bereits tief gesunkenen Goldschmiedekunst emporhebt. Trefflich versteht er sich noch auf die farbige Decoration mittelst Email und Edelsteinen und oft versöhnt die anmuthige malerische Wirkung seiner Werke mit den unschönen Formen derselben. Ebenso erinnert er durch seine Technik noch an die früheren besseren Zeiten seiner Kunst.