ADB:Drey, Johann Sebastian von

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Artikel „Drey, Johann Sebastian von“ von Karl Werner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 403–404, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Drey,_Johann_Sebastian_von&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 18:04 Uhr UTC)
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Drey: Johann Sebastian v. D., einer der hervorragendsten Theologen des katholischen Deutschlands, geb. 16. Oct. 1777 zu Killingen im Fürstenthum Ellwangen, war der Sohn armer Eltern, der als Knabe an dem Pfarrer seines Vaterortes, dem Exjesuiten P. M. Ziegler, einen Gönner fand und durch ihn den Studien zugeführt wurde. Er besuchte zunächst das Gymnasium zu Ellwangen, studirte dann zu Augsburg Theologie (1797–99), trat sodann in das Priesterseminar zu Augsburg ein und wurde 30. Mai 1801 von dem Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus, der zugleich Bischof von Augsburg und als gefürsteter Propst von Ellwangen auch Drey’s Landesherr war, zum Priester geweiht. Er wirkte sodann fünf Jahre als Seelsorger in der Pfarrei Röhlingen, welcher sein Vaterort einverleibt war, während welcher Zeit er zugleich sich eifrig mit wissenschaftlichen Studien, namentlich mit den Schriften von Kant, Fichte, Schelling beschäftigte und den Grund zu der ihn auszeichnenden philosophischen Bildung legte. Im J. 1806 wurde er an die katholische Lehranstalt zu Rottweil berufen, um daselbst Religionsphilosophie, Mathematik und Physik zu lehren; 1812 wurde er an die neugestiftete katholische Landesuniversität zu Rottweil als Professor der Theologie berufen, im nächstfolgenden Jahre erhielt er von der Freiburger Universität das theologische Doctordiplom. Als Lehrfächer waren ihm Dogmatik und Dogmengeschichte, Apologetik und theologische [404] Encyklopädie zugewiesen, die er auch dann beibehielt, als die katholische Landesuniversität in Ellwangen aufgehoben und die theologische Facultät derselben der Universität Tübingen einverleibt wurde. Während seines Aufenthaltes in Ellwangen entstanden seine ersten schriftstellerischen Arbeiten, welche Justin’s chiliastische Anschauungen und das Bußwesen der alten Kirche zum Gegenstande hatten. Nach Tübingen übersetzt, begründete er in Verbindung mit seinen Collegen Gratz, Herbst, Hirscher die Theologische Quartalschrift, die, seit 1819 bestehend, bis heute als eines der geachtetsten litterarischen Organe katholischer Wissenschaft sich behauptet hat. Im J. 1823 wurde er durch Verleihung des Ritterordens der würtembergischen Krone ausgezeichnet und vorübergehend auch als Bischof von Rottenburg in Aussicht genommen, blieb aber zum Gewinne der theologischen Wissenschaft dem Lehramte erhalten, trat indeß 1838 von den bis dahin vertretenen Lehrfächern die Dogmatik an seinen ausgezeichneten Nachfolger J. Kuhn ab, während er selbst noch die Apologetik und theologische Encyklopädie beibehielt. Im J. 1846 wurde er in den Ruhestand versetzt und durch das Comthurkreuz des würtembergischen Kronenordens ausgezeichnet, 1851 feierte er sein 50jähriges Priesterjubiläum und starb als 76jähriger Greis am 19. Febr. 1853. Seine Hauptschriften sind außer einer 1819 erschienenen „Einleitung in das Studium der Theologie mit Rücksicht auf den wissenschaftlichen Standpunkt und das katholische System“, seine „Neuen Untersuchungen über die Constitutionen und Canones der Apostel“ (1832) und endlich sein bedeutendstes Werk: „Die Apologetik als wissenschaftliche Nachweisung der Göttlichkeit des Christenthums in seiner Erscheinung“ (1838–47, 3 Bde.), Bd. I (2. Aufl. 1854): „Philosophie der Offenbarung“, Bd. II: „Die Religion in ihrer geschichtlichen Entwicklung bis zu ihrer Vollendung durch die Offenbarung in Christus“, Bd. III: „Die christliche Offenbarung in der katholischen Kirche“. Die Bedeutung der Persönlichkeit Drey’s und seiner wissenschaftlichen Leistungen faßt sich darin zusammen, einer der Mitbegründer und Hauptvertreter jener wissenschaftlich-theologischen Lehrrichtung des neuzeitlichen deutschen Katholicismus gewesen zu sein, die unter dem Namen der Tübinger Schule bekannt ist, ihre Wirksamkeit aber keineswegs auf die Universität Tübingen beschränkte, sondern über das ganze oberrheinische Kirchengebiet sich ausdehnte und auch in Freiburg und Gießen durch Zöglinge der Tübinger Schule durch eine Reihe von Jahren glänzend vertreten war.

Vgl. zur Vervollständigung die nachfolgenden Artikel über Hirscher, Möhler, Staudenmaier. Nekrolog in der Tüb. theol. Quartalschrift 1853, S. 341–49.