ADB:Duminique, Ferdinand Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Duminique, Ferdinand Freiherr von“ von Hermann Hüffer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 459–460, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Duminique,_Ferdinand_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 16:56 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Dümge, Karl Georg
Band 5 (1877), S. 459–460 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand April 2015, suchen)
GND-Nummer 11625033X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|5|459|460|Duminique, Ferdinand Freiherr von|Hermann Hüffer|ADB:Duminique, Ferdinand Freiherr von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=11625033X}}    

Duminique: Ferdinand Freiherr v. D., kurtrierischer Minister, war von französischen Eltern zu Freiburg im Br. im J. 1742 geboren, † 1803. Der kurtrierische Hof- und Staatskalender erwähnt ihn im J. 1776 als kurfürstlichen Kämmerer und adlichen Hof- und Regierungsrath und 1779 als geheimen Rath und Obrist-Stallmeister. Im J. 1780 fielen die beiden Conferenzminister v. Hornstein und Hohenfels in Ungnade; eine Zeit lang standen der geistliche Rath Joseph Ludwig Beck und der Staatsrath Friedrich Joachim v. Krist an der Spitze der Verwaltung, bis am 5. Jan. 1782 D. zum Staats- und Conferenzminister mit Beibehaltung der Obrist-Stallmeisterstelle ernannt wurde. Noch in demselben Jahre begleitete er den Kurfürsten Clemens Wenzeslaus, der kurz vorher in Augsburg Papst Pius VI. empfangen hatte, auf einer Reise nach Innsbruck, blieb dann beinahe ununterbrochen in seiner nächsten Umgebung und gewann in immer steigendem Maße Neigung und Vertrauen seines Herrn. Die Regierung wurde in jenem schlaffen, aber wohlwollenden Geiste geführt, der weder große Gedanken, noch bedeutende Unternehmungen anregte, aber auch die Unterthanen in keiner Weise bedrückte, nicht einmal den Neid der bürgerlichen Classen gegen die bevorzugten aufkommen ließ. An den kirchlichen Händeln scheint D. nicht unmittelbar sich betheiligt zu haben. Sehr thätig war er bei der Ueberschwemmung im J. 1784, übernahm auch die Oberbau-Direction und damit die Leitung der großen Bauten für die Verlegung der Residenz von Ehrenbreitstein nach Coblenz in das prächtige Schloß, das 1777 begonnen und am 23. Novbr. 1786 bezogen wurde. Die französische Revolution machte diesem behaglichen Dasein ein Ende. Man weiß, wie sehr Clemens Wenzeslaus seine Neffen, die bourbonischen Prinzen, und ihre Anhänger begünstigte. Auch D. [460] suchte sich den Emigranten so nützlich als möglich zu machen, konnte aber nicht vermeiden, daß er bei den immer gesteigerten Ansprüchen dieser Fremdlinge endlich gegen sie in Widerspruch gerieth. In der, von dem sogenannten Grafen v. Montgaillard verfaßten Histoire secrète de Coblence, London 1795, wird er denn auch mit den heftigsten Schmähungen überhäuft. Nur zu bald theilten der Kurfürst und sein Minister das Schicksal ihrer früheren Schützlinge. Schon bei dem ersten Schrecken, den das Anrücken der Franzosen gegen Worms hervorrief, im October 1792 wurden in Coblenz alle Vorkehrungen nicht zur Vertheidigung, sondern zur Flucht getroffen; am 21. Octbr., an dem Tage, an welchem Mainz capitulirte, ging D. mit seinem Herrn zuerst nach Bonn, dann in das dem Kurfürsten noch zugehörige Bisthum Augsburg. Beinahe ein Jahr blieb Clemens Wenzeslaus in der neuen Residenz. D., von körperlichen Leiden heimgesucht, mußte im Mai sich nach Karlsbad begeben, kehrte aber im Juli nach Augsburg zurück und hatte bald darauf die Ehre, seinen Herrn auf der ihm übertragenen Pflegschaft Sonthofen im Allgäu prächtig zu empfangen und zu bewirthen. Lange Zeit erhob er Bedenken gegen die allgemein verlangte Rückkehr des Kurfürsten nach Coblenz. Sie erfolgte gleichwol am 31. Octbr. 1793; D. langte einen Tag später an. Am 9. Jan. 1794 erläßt er einen kräftigen Aufruf gegen die Franzosen, wie man denn überhaupt jetzt mehr Muth und Besonnenheit zeigte, als bei den ersten Gefahren. Aber der unglückliche Feldzug des J. 1794 vereitelte alle Hoffnungen; am 5. Octbr., kurz ehe Coblenz in die Hände der Franzosen fiel, mußte Clemens Wenzeslaus mit D. abermals und jetzt für immer die Stadt verlassen. Der Kurfürst nahm, wie früher, seine Residenz in Augsburg, D. blieb sein Minister und sein Vertrauter. Beide hielten treu zum Kaiser. Im Herbst 1794 bei den Streitigkeiten, die der kurmainzische Antrag in Betreff der preußischen Friedensvermittlung in Regensburg anregte, und wo sonst sich Gelegenheit bot, gehörte Kurtrier stets zu den Ständen, auf welche der kaiserliche Concommissar am sichersten zählte. D. wurde um diese Zeit angewiesen, mit Thugut einen vertrauten Briefwechsel zu unterhalten. In einem Briefe an den Grafen Franz Colloredo vom 6. Febr. 1795 nennt der österreichische Minister Duminique un peu extravagant mais au fond nullement un homme mal intentionné. Um so heftiger sprechen die französischen Diplomaten gegen den Kurfürsten und seine Minister, und D. war nicht im Stande, wie der mainzische Hofkanzler Albini, für seinen Herrn in Rastatt günstige Bedingungen zu erwirken. Er selbst war auch nicht auf dem Congreß gegenwärtig, sondern meistens in der Nähe des Kurfürsten in Augsburg, seit 1799 als Gesandter bleibend an dem kaiserl. Hofe. Kurz nachdem der Reichsdeputationshauptschluß vom 24. Febr. 1803 sowol Trier als Augsburg säcularisirt hatte, starb er in Wien vom Schlage gerührt am 14. März 1803.

Rheinischer Antiquarius I. Abthl., I. 155. 668 ff. 688. 695. 781; I. Abthl., II. 441. Dominicus, Coblenz unter dem letzten Kurfürsten von Trier, Coblenz 1869. Vivenot, Vertrauliche Briefe des Frhrn. v. Thugut, Wien 1872, I. 180. 392 und Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen, II. I. 160 ff. 233. 243 ff.