ADB:Ebert, Karl

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Artikel „Ebert, Karl“ von Max Bach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 241–242, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ebert,_Karl&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 17:44 Uhr UTC)
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Ebert: Karl E., Landschaftsmaler, geboren am 13. October 1821 zu Stuttgart. Des schon früh Verwaisten nahmen sich wohlwollende Verwandte an und brachten ihn, seinen Neigungen folgend, in der Stuttgarter Kunstschule unter, woselbst er unter dem Classicisten Steinkopf seine Studien machte. 1846 siedelte er nach München über. Erst hier entschied er sich unter dem Einfluß von Salzer und R. Zimmermann definitiv für die Landschaftsmalerei, in welcher er so große Erfolge erzielen sollte. Mit Ausdauer und außerordentlichem Fleiß lag er seiner Kunst ob; wiederholte Reisen nach Italien, Paris, den Niederlanden u. s. w. führten ihn weiter, doch nicht Italien, sondern nach Schleich’s Vorbild, die holländischen Eindrücke mutheten ihn besonders an. Seine eigentliche Domäne war aber der deutsche Wald, dem er alle Geheimnisse abgelauscht hatte. Er schilderte dessen majestätische Erhabenheit, die idyllische Ruhe und Lieblichkeit, den fegenden Sturm und dergl. Ueberall in Auffassung und Composition zeigte sich der malende Dichter, indeß die Feinheit der Zeichnung mit dem prächtigen Colorit wetteiferte. Später wurde E. eilfertiger, legte sich aber zugleich einen ruhigeren Ton bei; dabei hastete er unruhig vorwärts, wie von einer Ahnung gehetzt, daß ihm keine längere Thätigkeit beschieden sei. Der Drang, neues, originelles zu geben, verleitete ihn der Einladung eines Freundes zu folgen und 1881 eine längere Studienreise nach Bosnien zu machen. Er kam zurück mit schönem Material, welches der plötzlich gebrochene Mann aber nicht mehr aufzuarbeiten vermochte. Doch entstanden noch als Frucht seiner Bosnischen Studien die Bilder „Festung Vranduk“ und die Stadt Mageley. Sein ständiger Aufenthalt war München und aus der dortigen Gegend entnahm er vielfach Motive zu Bildern: Partien am Chiemsee, an der Amper, Starnberger See u. s. w., aber auch schwäbische Landschaften waren bei ihm als echtem Schwaben, der er zeitlebens blieb, vielfach der Vorwurf zu Gemälden. E. starb zu München nach längerem Leiden am 1. März 1885. Künstler und Kunstfreunde ehrten ihn hoch und auch an Auszeichnungen aller Art von Fürsten, Akademieen und Vereinen fehlte es ihm nicht; von König Ludwig bezog er eine Staatspension und der König von Württemberg verlieh ihm das Ritterkreuz des Kronenordens. Seine persönliche Erscheinung war eine stattliche aristokratische, was auf seinen vielfachen Reisen oftmals Verwechslungen mit hochgestellten Persönlichkeiten nach sich zog. Nur seine Unerschrockenheit und Geistesgegenwart bewahrten ihn mehrmals vor dem Mißgeschick als Spion arretirt zu werden; unter anderen Episoden aus seinem Leben wird erzählt, daß er in Genua, als er an einer verbotenen Stelle der Darsena reale zeichnete, von dem Wachtposten beinahe erschossen worden wäre, weil er auf dessen Ruf nicht hörte. Unverwüstlich war sein Humor, ein stets angenehmer [242] Gesellschafter und Gelegenheitsredner wußte er sich Liebe und Achtung in den weitesten Kreisen zu verschaffen.

Allgem. Zeitung 1885, Nr. 245. – Kunstchronik 1884/85, S. 445.