ADB:Egidy, Moritz von

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Artikel „Egidy, Moritz von“ von Ernst Christian Achelis in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 272–273, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Egidy,_Moritz_von&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 23:52 Uhr UTC)
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Egidy: Moritz v. E., Führer einer religiösen Bewegung im Sinne eines ästhetischen und moralistischen Rationalismus, ist 1847 in Mainz geboren, er wurde im Kadettenhause zu Potsdam erzogen und trat 1865 als Officier in die preußische, 1867 in die sächsische Armee ein. Als Oberstlieutnant im sächsischen Gardereiterregiment wußte er sich durch seinen religiösen und sittlichen Ernst und seine wohlwollende Manneszucht die ungetheilte Hochachtung und Werthschätzung besonders der kirchlichen Kreise zu gewinnen. Um so mehr überraschte es, als er sich als Verfasser der anonym erschienenen Broschüre: [273] „Ernste Gedanken“ (1890) bekannte; die scharfe und bittere, aber gerade bei diesem Verfasser auffallend verständnißlose Kritik von Kirche und Christenthum, seine Behauptung, das Christenthum dulde weder Kirche noch Dogmenzwang und bestehe lediglich im Glauben an Gottes Liebe und in sittlich geordnetem Lebenswandel, dabei die warme Liebe zum Christenvolke, die überall durchblickt, – das Alles charakterisirt den liebenswürdigen und edel gesinnten, aber an großer Unklarheit und Selbstüberschätzung leidenden Schwärmer. Zu beklagen ist es, daß E. durch rigoroses Vorgehen seiner Vorgesetzten – man vermuthete wol ein Wiederaufleben des Lichtfreundthums – zum Märtyrer gemacht wurde; er erhielt seinen Abschied aus dem Heere und siedelte nach Berlin, später nach Potsdam über. Durch Vorträge und Broschüren suchte er, durch sein Martyrium berühmt geworden, für seine Ideen in unermüdlicher Weise Propaganda zu machen. Die Anhänger der „Ethischen Gesellschaften“ in Deutschland und in der Schweiz erhoben ihn enthusiastisch auf den Schild und feierten ihn als neuen Reformator. Als er 1898 im Alter von 51 Jahren starb, war auch der Einfluß seiner Reden und Schriften verschwunden.

Schriften: „Bericht über die Pfingstversammlung 1891“; „Das einige Christenthum“ (Ernste Gedanken. Weiteres und Ausbau. Bericht über die Pfingstversammlung) 1891; „Ernstes Wollen“, 1891; „Versöhnung. Zusammenschluß aller das Gesammtwohl fördernden Bestrebungen“, 1894; (Fortsetzung unter dem Titel: „Monatsschrift“ 1896); „Leitworte“ 1894; „Beseitigung der Classengegensätze“, Vortrag am 8. November 1895; „Ethisch-socialwissenschaftliche Vortragscurse, veranstaltet von den Gesellschaften für ethische Cultur in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz (Züricher Reden)“, 7 Bände, Bern 1896/97; „Gedanken über Erziehung“ (Sammlung pädagogischer Vorträge, X. Band 6. Heft. 1897).

Allgem. Evang.-Luth. Kirchenzeitung 1899, Nr. 1. – J. H. Kurtz, Lehrbuch der Kirchengeschichte 13 (1899) II 2, S. 284 f.