ADB:Engelberg, Burkhard

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Artikel „Engelberg, Burkhard“ von August Wintterlin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 119–120, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Engelberg,_Burkhard&oldid=- (Version vom 21. Mai 2019, 03:52 Uhr UTC)
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Engelberg: Burkhard E. (auch Engelberger), Baumeister aus Hornberg im würtembergischen Schwarzwalde, † zu Augsburg den 11. Febr. 1512, taucht zuerst im J. 1477 in Augsburg auf, wo er von Heinrich Frieß, dem Abte des Benedictinerklosters zu St. Ulrich und Afra, um vier Groschen täglich als Parlier gedungen wurde. Er legte alsbald an einem schlecht gestützten Pfeiler des Chores der Kirche von St. Ulrich und Afra eine Probe jener architektonischen Heilkunst ab, welche in der Folge von den Zeitgenossen als seine Specialität erkannt wurde. Dieselbe fiel so gut aus, daß er zum Werkmeister an diesem seit 1474 begonnenen Gotteshause gemacht wurde, dessen Bau er bis zu seinem Tode trefflich leitete. Der junge Meister wuchs unter dieser Arbeit zu einem solchen „Manne und Künstler“ heran, daß nicht blos sein Abt und der Rath der Stadt Augsburg, in welcher er sich als Bürger und Steinmetz niederließ, sondern auch die Herzoge von Baiern und die freien Reichsstädte weit umher um seine Hülfe baten. So wurde er schon im J. 1480 von dem Rathe der Stadt Heilbronn a. N. verschrieben, um seine Meinung über den Weiterbau der St. Kilianskirche abzugeben, weil man den Fundamenten nicht [120] mehr recht traute. Seine größte Aufgabe aber bekam er in Ulm zu lösen. Als dort im J. 1494 wegen des seit 1492 von einer Senkung der Grundmauer bedrohten Münsterthurmes 28 Baumeister zu einer Berathung versammelt waren, gewannen Engelberg’s Vorschläge die Oberhand. Mit der Ausführung selbst betraut, rettete er den Thurm durch eine Reihe von geschickten Vorkehrungen (s. darüber Mauch a. d. u. g. O.), welche im J. 1500 vollendet waren. Er erhielt dafür vom Rath zu Ulm 400 fl. zum Geschenk und jährlich 50 fl. Gnadengeld bis zu seinem Tode. Sein Gehülfe dabei war der von ihm aus Augsburg mitgebrachte Parlier Leonhard Aeltlin von Kellheim, welcher in den J. 1502–7 unter seiner Leitung auch die Seitenschiffe des Münsters durch schlanke Rundpfeiler stützte und theilte. Die Münster-Kanzel, leider vielleicht schon zur Zeit des Bildersturmes in ihrem figürlichen Theile verstümmelt, wurde von E. mit fünf Gesellen zu Augsburg ausgeführt, ein zierliches Werk spätgothischer Ornamentik. Eine im J. 1503 an ihn ergangene Berufung zum Bau der ulmischen Burg Helfenstein bei Geißlingen beweist, daß man ihm in Ulm auch als Festungsbaumeister Vertrauen schenkte.

Er entzog sich selbst ziemlich weiten Reisen nicht, obwol ihm schon im J. 1496 einmal auf dem Wege von Augsburg nach Ulm das Unglück begegnet war, daß er von Räubern angefallen, an einen Baum gebunden und gänzlich ausgeplündert wurde. In den J. 1501–19 wurde der nördliche Thurm der Pfarrkirche zu Botzen, welcher im J. 1499 durch Brand gelitten hatte, nach seinem Plane erneuert. Um 1502 oder 1503 bat sich ihn die Stadt Nördlingen von seinen Augsburger Herren zu einer Berathung aus. Das J. 1506 brachte ihm die Bestallung zum Stadtbaumeister von Augsburg, wobei er sich aber die Erlaubniß ausbedang, auch außer der Stadt im Umkreise von 20 Meilen Gebäude aufführen zu dürfen. Im J. 1507 folgte er einer Einladung des Berner Rathes zu einer Consultation über den dortigen Münsterbau. Als Steinmetz zeigte er wieder seine Kunst zu Augsburg an dem (längst nicht mehr vorhandenen) ersten Brunnen dieser Stadt aus gehauenen Steinen, einem Aufbau im Zwölfeck mit 4 Röhren, auf dem Weinmarkt, wofür er 300 fl. zum Lohn erhielt. Ohne Zweifel fänden sich in Augsburg auch im Privatbauwesen Spuren seiner bedeutenden Wirksamkeit, wenn nicht diese Stadt sich später unter den Händen des Elias Holl sozusagen ganz in Renaissance umgekleidet hätte.

Ein großer Verehrer seiner Kunstthätigkeit, sein Zeitgenosse Wilh. Wittwer († 1512), der Geschichtschreiber des Klosters zu St. Ulrich und Afra, rühmt ihn mit überaus warmen Worten auch als einen redlichen, biederen, edlen und frommen Mann. Nach seinem Tode wurde ihm am nördlichen Portale von St. Ulrich ein Denkstein gesetzt, worauf er als der „viel kunstreiche Architector, der Statt Augspurg Werke vnd St. Ulrichs Gebäu Maister, auch Pfarrthurns zu Vlm vnd anderer schadhaften Gezarken großer Widerbringer“ gefeiert wird. Die Verwaltung der St. Ulrichskirche ehrte sein Verdienst auch noch durch Einräumung eigener Kirchenstühle an seine Familie, welche noch lange bei seinem Hause blieben.

Eine Profilzeichnung seines Kopfes von der Hand Hans Holbein d. Ae. findet sich im königl. Kupferstichcabinet zu Kopenhagen.

Vgl. E. Mauch, Bausteine etc. in den Verhh. d. Vereins für Kunst und Alterth. in Ulm u. Oberschwaben N. R. H. 2 S. 22 ff. (wo auch sein Steinmetzzeichen); Sighart, Gesch. d. b. Künste im K. R. Baiern, S. 460 u. 461; Woltmann, Holbein u. s. Zeit, 2. Aufl. Bd. I. S. 71 u. sonst; Klemm, Würtemb. Baumeister in d. Schriften d. würtemb. Alterth.-Vereins Bd. II. H. 2. S. 15; Fr. Pressel, Ulm und s. Münster (1877) S. 100–103.