ADB:Epo von Harlem

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Artikel „Epo von Harlem“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 157, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Epo_von_Harlem&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 13:59 Uhr UTC)
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Epo oder Eppen von Harlem, ein einfacher Schneider, welcher dort um die Mitte des 15. Jahrhunderts lebte. Seine Erziehung soll durchaus mangelhaft gewesen sein. Das Lesen hatte er zwar gelernt, war aber des Lateinischen nicht kundig. Aber seine fromme zur sinnigen Betrachtung und Forschung geneigte Natur führte ihn zu dem Studium der Bibel in der Landessprache und zahlreicher Schriftlein religiösen Inhaltes. Die damals herrschende religiöse Richtung Geert Groote’s, in seiner Umgegend vertreten durch die Mönche Heinrich Mande und Friedrich von Heilo, und auch in Harlem durch die Predigt des Johann Brugmann gefördert, blieb vielleicht nicht ohne Einfluß auf seine Gesinnung. Allmählich entfernte er sich von der kirchlichen Orthodoxie und begann bald öffentlich als Prediger aufzutreten. Seine hübsche Rede wirkte ergreifend durch ihre Einfalt und Klarheit. Ernstlich forderte er seine zahlreichen Zuhörer und Nachfolger, unter welchen Magister Nikolaus von Naarden, Priester zu Amsterdam, der bedeutendste war, zur Liebe Gottes und der Menschen auf. Er selbst zeichnete sich dabei durch seine Sittlichkeit, strenge Entsagung und große Andacht aus. Doch verstieß seine Predigt in Manchem wider den kirchlichen Glauben. Man sollte, so predigte er, nur Gott anbeten, nicht aber Maria, die Heiligen oder das Crucifix; die göttliche Natur Christi sei zur Zeit seiner Passion ganz von seiner Menschheit getrennt gewesen und das Blut Christi entbehre jeder aussöhnenden Kraft, wie auch die Hostie einfach geweihtes Brod sei; man brauche keine Kirche zum Gebete und die jährliche Beichte sei für diejenigen, welche nicht in Todsünden lebten, ganz unnöthig, da die verzeihlichen Sünden schon mittelst des Weihwassers und der gewöhnlichen Ceremonien gesühnt würden. Diese und ähnliche Häresien, welche dem Bischofe von Utrecht, David von Burgund, hinterbracht wurden, veranlaßten 1458 seine Verhaftung. Als sein Freund Nikolaus von Naarden ihn im Gefängniß besuchte, setzte man auch diesen gefangen. Beide wurden vor das Inquisitionsgericht eines Dominicaners aus Gröningen gezogen, dem der bischöfliche Vicar Jodocus Borre, Bruder der Schwester Berta (s. o. Bd. II. S. 511) und Meister Dietrich von Wassenaar, Vicepastor zu Harlem, zur Seite standen. Dort widerriefen sie ihre Häresien aus Furcht vor dem Feuertode. Den E. bannte man innerhalb der Ringmauern Harlems unter dem Gebot strenger Kirchenbuße. Schon im nächsten Jahre aber erlag er der Pest. Den Nikolaus von Naarden suspendirte man einstweilen und er lebte noch lange nachher ohne sich ferner von der Kirche zu trennen.

Moll, Kerkgesch. v. Neder. II. III. p. 98–103, 119 etc.