ADB:Faber de Bouma, Gellius

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Artikel „Faber de Bouma, Jelle“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 492–493, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Faber_de_Bouma,_Gellius&oldid=- (Version vom 22. September 2019, 10:36 Uhr UTC)
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Faber: Jelle, Gellius oder Aegidius F. de Bouma, reformatorischer friesischer Priester, im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts zu Leeuwarden geboren und wol bis 1536 Pastor zu Jelsum. Mit klarem Blicke durchschaute er die großen Gebrechen der katholischen Kirche und hatte den Muth, sie offen vor dem Volke auszusprechen. Seine unerschrockene Predigt, von Vielen hochgehalten, erregte ihm aber die Feindschaft der Geistlichkeit, sodaß er sich genöthigt sah, nach Ostfriesland zu entfliehen. Dort trat er 1536 als evangelischer Prediger zu Norden auf und erhielt im folgenden Jahre eine Predigerstelle zu Emden, in welcher er bis an seinen Tod 1564 verblieb. Ausgezeichnet durch seine Gelehrsamkeit, erwarb er sich durch Schrift und Predigt großen Einfluß auf die ostfriesische Kirche während der damaligen ritualistischen Streitigkeiten, welche durch die in streng lutherischem Geiste abgefaßte Lüneburger Kirchenordnung veranlaßt wurden. Besonders handelte es sich dabei um die Lehre vom Abendmahl, in Betreff deren Johann à Lasco, seit 1543 Prediger zu Emden, sich Zwingli anschloß. Gellius, obwol sonst mit seinem Collegen einverstanden, suchte doch die Lutherischgesinnten durch eine etwas unbestimmte und zweideutige Fassung der Abendmahlslehre zu versöhnen und dadurch den Streit zu beschwichtigen. Dadurch aber zog er, obwol nur von der besten Absicht der Friedfertigkeit geleitet, doch den Verdacht des Lutheranismus auf sich. Schon hatte er bei dem zur Ausgleichung dieser Streitigkeiten zu Wirdum gehaltenen Gespräch 1552 die Einigkeit durch eine unbestimmte Fassung der Lehre von der Gegenwart Christi im Abendmahl wiederherzustellen gesucht, als er auch in den von ihm 1553 entworfenen Katechismus eine ähnlich zweideutig gefaßte Formel zu bringen trachtete. Sobald aber à Lasco, von einem Aufenthalte in England wieder nach Emden zurückgekehrt, hiervon Kunde erhielt, wußte er die bereits unter Aufsicht Hardenberg’s zu Bremen angefangene Ausgabe dieses Katechismus zu hemmen und brachte die Sache vor den ostfriesischen Coetus. Wiewol nun diese Versammlung sich geneigt zeigte, nebst einem großen und kleinen, auch den Katechismus des Gellius auszugeben, gab doch dieser selbst seinen Vorsatz unter solchen Umständen auf und vereinigte sich mit Johann à Lasco und Hermann Braß zur Herausgabe des 1554 erschienenen ostfriesischen oder kleinen Katechismus. Lange nach seinem Tode ward jedoch auch der von ihm allein aufgestellte Katechismus durch den Druck veröffentlicht. Nebst dieser Arbeit [493] verdankt die ostfriesische Kirche ihm einige ihrer Gesänge und zu Magdeburg ließ er 1551 eine Apologie der reformirten Kirche wider die Wiedertäufer drucken. Aber auch diese Arbeit athmet wie überhaupt sein ganzes Wirken den Geist der Milde und Friedensliebe, weshalb er sich denn auch jener Richtung innerhalb der evangelischen Kirche anschloß, welche in Melanchthon und Bucer ihre Häupter sah.

Meiners, Oostvriesl. Kerkel. Gesch., I. p. 209–213, 333 ss. Van der Aa, Biograph. Woordenb. Glasius, Godgel. Nederl.