ADB:Fiedler, Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Fiedler, Karl“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 554–555, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fiedler,_Karl&oldid=- (Version vom 31. Juli 2021, 23:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Fiedler, Heinrich
Nächster>>>
Fiedler, Konrad
Band 48 (1904), S. 554–555 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Dezember 2014, suchen)
GND-Nummer 116525568
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|48|554|555|Fiedler, Karl|Wilhelm Heß|ADB:Fiedler, Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116525568}}    

Fiedler: Karl F., Sohn des Professors Dr. Wilhelm F., wurde am 27. December 1863 in Zürich geboren. Von früher Jugend an kränklich, mußte er sich in seinem sechsten Jahre einer für damalige Zeit überaus gewagten Hüftoperation unterwerfen, infolge deren er über ein Jahr an das Bett und später an das Zimmer gebunden war. Da der ersten Operation im Laufe der Jahre noch weitere folgten, so konnte er die Schule nicht besuchen und erhielt den ersten Unterricht von seinen Eltern. Als es ihm später sein Gesundheitszustand gestattete, die Schule zu besuchen, gelang es ihm leicht das in früheren Jahren Versäumte nachzuholen und das Maturitätsexamen zu bestehen. 1882 bezog er die Polytechnische Schule in seiner Vaterstadt. Hier studirte er in der naturwissenschaftlichen Section namentlich Zoologie. Nach Absolvirung des dreijährigen Cursus begab sich F. nach Leipzig, um sich unter Leuckart noch weiter in seiner Wissenschaft auszubilden, und ein Jahr später nach Berlin, wo er unter Leitung des Professor Dr. F. E. Schulze seine Dissertation über die Ei- und Spermabildung bei Spongilla fluviatilis verfaßte, auf Grund deren er 1888 in Zürich promovirte. Im folgenden Jahre habilitirte er sich an der Universität Zürich auf Grund einer zweiten, sehr sorgfältigen Arbeit über Heterotrema sasasinorum, eine neue Synasciden-Gattung aus der Familie Distomidae. In seinen Vorlesungen war F. ein vorzüglicher Docent, der sich durch Klarheit der Darstellung und reiches Wissen auszeichnete.

Ein reiches Feld wissenschaftlicher Thätigkeit eröffnete sich ihm, als er nach Berufung des Zoologen Professor Dr. A. Lang als dessen erster Assistent sich an der Gründung und Leitung des zoologisch-anatomischen Instituts als treuer Mitarbeiter seines Professors betheiligen konnte. Er widmete sich dieser neuen Stellung mit der größten Hingebung und Pflichttreue. Als Ergebniß zweier wissenschaftlicher Studienreisen nach Neapel und Rovigno erschien eine [555] bemerkenswerthe Arbeit: „Entwicklungsmechanische Untersuchungen an Echinodermenlarven“ in der Festschrift zur Feier des 50jährigen Doctorjubiläums der Herrn v. Nägeli und v. Kölliker (Zürich 1891). 1893 veröffentlichte er eine vortreffliche Uebersetzung des englischen Werkes von Georg John Romanes: „Eine kritische Darstellung der Weißmann’schen Theorie“. Noch in demselben Jahre warf ihn sein altes heimtückisches Leiden, gegen welches er 25 Jahre tapfer und ohne zu klagen angekämpft hatte, aufs neue aufs Krankenlager. Er erlag ihm am 5. April 1894.

Bei allem Mißgeschick, sagt ein Nachruf in der Neuen Züricher Zeitung, bei allen Enttäuschungen und den schwersten Entsagungen bewahrte F. stets eine bewunderungswerthe Energie, verbunden mit einer liebenswürdigen Heiterkeit des Gemüths, einer anspruchslosen Bescheidenheit, die ihm sofort die Liebe und Achtung aller derer erwarben, die mit ihm bekannt wurden. Seine Begeisterung für die Wissenschaft äußerte sich noch darin, daß F. nicht nur seine Bibliothek und sein Instrumentarium, sondern auch noch 10 000 Francs dem zoologisch-anatomischen Institute vermachte.