ADB:François, Louise von

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Artikel „François, Louise von“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 682–683, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fran%C3%A7ois,_Louise_von&oldid=- (Version vom 8. Juli 2020, 23:27 Uhr UTC)
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François: Marie Luise von F. wurde am 27. Juni 1817 zu Herzberg in der Provinz Sachsen als die Tochter des früher sächsischen, nachmals preußischen Majors Friedrich v. F. geboren. Ihre Mutter, Amalie Hohl, entstammte einem angesehenen und wohlhabenden Weißenfelser Bürgerhause. Schon im J. 1818 starb der Vater, und die Witwe zog nun mit ihrer Tochter Luise und dem um ein Jahr jüngeren Sohne Ernst nach ihrer Heimatstadt Weißenfels zurück, wo sie sich bald darauf in zweiter Ehe mit dem nachmaligen Justizrath Herbst verheirathete. In bequemen, sorglosen Verhältnissen wuchs hier Luise auf. Als lebhaftes Kind vermochte sie an dem ziemlich mäßigen Unterricht, den sie mit einigen Genossinnen privatim erhielt, ihren Wissensdurst nicht zu stillen, und so suchte sie sich durch eifrige Lectüre und Selbststudium vieles anzueignen, was ihr im Unterricht versagt blieb. Zur Jungfrau erblüht, lernte sie im Hause der bekannten Schriftstellerin Fanny Tarnow, die 1829 für mehrere Jahre in Weißenfels ihren Wohnsitz genommen hatte, einen jungen Offizier kennen, den Grafen Alfred Görtz, mit dem sie sich dann auch verlobte. Indessen wurde die eheliche Verbindung durch Mangel an Vermögen auf Jahre hinausgeschoben, da Luise durch ihren leichtsinnigen und treulosen Vormund um das nicht unbeträchtliche Erbe ihres Vaters gebracht worden war, und als sie dann schließlich gewahren mußte, daß bedenkliche Schatten auf ihren Brautstand fielen, gab sie dem Verlobten ihr Wort zurück. Sie selbst hielt nun ihre Jugend für abgeschlossen, obwohl sie noch nicht viel über 20 Jahre zählte, lebte hinfort nur noch im Verkehr mit einigen Freunden und zog sich ganz aus dem eigentlichen Gesellschaftsleben zurück, für welches sie ja niemals viel Interesse gezeigt hatte. „Aus diesem mangelnden Interesse erklärt sich wohl auch, daß in ihren Romanen die modernen Salonfiguren meist einen etwas schablonenhaften, wenig nüancierten Charakter zeigen, während ihr die Zeichnung ihrer Vollbluthelden adeligen und bürgerlichen Geschlechts, ihrer wackeren Philister, ihrer seltsamen Käuze und verlotterten Taugenichtse so vortrefflich gelingt.“ Eine Reihe von Jahren ging nun ziemlich ereignißlos an ihr vorüber bis auf den Umstand, daß sich die pecuniären Verhältnisse des Elternhauses plötzlich verschlechterten, da Luisens Mutter durch einen Bankerott in ihrer Verwandtschaft ihr beträchtliches Vermögen verlor und infolge dessen auf ein langes Krankenlager geworfen wurde. – Erst im Herbst 1851 war es Luise vergönnt, in andere Verhältnisse eintreten zu können. Nach der Verheiratung ihrer Cousine Clotilde zog sie zu deren Vater, dem durch seine wechselvollen Schicksale während der Fremdherrschaft bekannt gewordenen Generallieutenant Karl v. François, mit dem sie erst in Halberstadt, wohin er nach seiner Pensionirung gezogen war, und später in Potsdam lebte. Nach seinem Tode (1855) kehrte sie in ihr Elternhaus zurück, und nun begann sie, [683] soweit es ihre durch Krankenpflege eingeschränkte Muße zuließ, ihre schriftstellerische Thätigkeit. Eine Reihe von Novellen in den verschiedensten Zeitschriften eröffnete dieselbe. Meist spielen sie auf dem engeren Heimathboden in der friedericianischen und der darauf folgenden Zeit, sowie in der Epoche der Freiheitskriege, die der Verfasserin noch durch mündliche Ueberlieferungen vertraut und anschaulich war. Diese Arbeiten erschienen später als „Ausgewählte Novellen“ (II, 1867), „Erzählungen“ (II, 1871), „Hellstädt und andere Erzählungen“ (III, 1874). Wurden diese alle schon freundlich aufgenommen, so sollte der Verfasserin ein voller Erfolg doch erst mit ihrem Roman „Die letzte Reckenburgerin“ (II, 1871) kommen. Ein Stück echtes, kraftvolles Menschenleben auf meisterhaft gezeichnetem historischen Hintergrunde entfaltet sich darin, und kein Geringerer wie Gustav Freytag wußte durch seine glänzende Beurtheilung dieses Werkes den Namen der Verfasserin in das gebührende Licht zu setzen. Nun folgte ihre productivste Periode. Außer einer populären „Geschichte der Befreiungskriege“ (1874) schrieb sie noch die Romane „Frau Erdmuthes Zwillingssöhne“ (II, 1872), „Die Stufenjahre eines Glücklichen“ (II, 1877) und „Der Katzenjunker“ (1879) sowie die Erzählungen „Natur und Gnade und andere Erzählungen“ (III, 1876), „Phosphorus Hollunder. – Zu Füßen des Monarchen“ (1881), „Das Jubiläum und andere Erzählungen“ (1886), welche sämtlich die verdiente Anerkennung fanden, aber doch mit ihren Vorzügen nicht ganz an die Reckenburgerin heranreichen. Inzwischen hatte Luise 1871 ihre Mutter nach längerem Siechtum durch den Tod verloren, und 1874 war auch ihr Stiefvater gestorben, ein seit zehn Jahren erblindeter Greis, dem sie eine treue und aufopfernde Pflegerin gewesen war. Von da ab zog sie sich mehr und mehr von jeglichem Verkehr in die Einsamkeit zurück, die sie nur zwei Mal unterbrach, um ihre engeren Beziehungen zu Konrad Ferdinand Meyer in Kilchberg bei Zürich und zu Marie von Ebner-Eschenbach in Reichenhall durch einen persönlichen Verkehr noch mehr zu befestigen. Luise v. F. starb in Weißenfels am 25. (nicht 26.) September 1893.

Persönliche Mittheilungen. – Clotilde v. Schwartzkoppen, Luise v. François. Ein Lebensbild (in „Vom Fels zum Meer“. Jahrg. 1894, S. 193 ff.). – Hedwig Bender, Luise v. François. Hamburg 1894.