ADB:Friedländer, Ludwig Hermann

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Artikel „Friedländer, Ludwig Hermann“ von August Hirsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 397–398, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedl%C3%A4nder,_Ludwig_Hermann&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 02:15 Uhr UTC)
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Friedländer: Ludwig Herrmann F., Arzt, den 29. April 1790 in Königsberg in Preußen geboren, bezog, nach Beendigung seiner Gymnasialbildung, schon in seinem 15. Lebensjahre die dortige Universität, um Medicin zu studiren. Gleichzeitig brachte er aber auch ein lebhaftes Interesse für philologische, litterarische und ästhetische Studien mit, denen er einen großen Theil seiner Zeit widmete und die ihn in den Kreis der dort lebenden poetischen Dilettanten, so namentlich zur Bekanntschaft mit Max von Schenkendorf führten, zu dem er in ein befreundetes Verhältniß trat, welches bis zu dessen Tode keine Störung erfuhr. Im Februar 1812 siedelte er, nach erlangter Doctorwürde nach Berlin über, um hier seine Studien fortzusetzen, trat dann im Jahre 1813 als Arzt in die Armee und machte den Feldzug nach Paris mit, wo ihm die Stelle eines Oberarztes an einem Feldlazarethe übertragen wurde und wo er einen schweren Typhus glücklich überstand. Im Herbst 1814 nahm F. seinen Abschied und wandte sich nach Karlsruhe, wo damals sein Freund Schenkendorf lebte und wo er durch denselben mit Jung-Stilling, Joh. Ludw. Ewald, der Frau Krüdener u. a. Mystikern bekannt wurde, deren pietistisch-katholisirende, mystische Tendenzen auf ihn um so mehr Anziehungskraft, und einen um so nachhaltigeren Einfluß äußern mußten, als er schon während seines Aufenthaltes in seiner Vaterstadt jener Richtung zuneigte. Von Karlsruhe ging er auf kurze Zeit nach Wien und dann im 1815 in Begleitung des Malers Philipp Veit nach Italien, wo er zwei Jahre lang verweilte und vorzugsweise in Künstlerkreisen verkehrte. Die dort empfangenen Eindrücke hat er später in seinen „Ansichten von Italien“, 1818 in 2 Bänden, einem seiner Zeit sehr beliebten und viel gelesenen Buche niedergelegt. – Im J. 1817 kehrte F. nach Deutschland zurück und habilitirte sich, unter Einreichung einer kleinen historischen Denkschrift über die Augenheilkunde der griechischen Aerzte („De medicina oculorum apud Celsum commentatio“) als Privatdocent der Medicin in Halle. Im J. 1819 wurde er daselbst zum Prof. extraord. und 1823 zum Prof. ord. der theoretischen Medicin ernannt, und in dieser Stellung ist er bis zu seinem im J. 1851 erfolgten Tode verblieben. – Außer der oben erwähnten Habilitationsschrift hat F. gelegentlich seiner Ernennung zum Prof. ord. eine medicinische Hodegetik („De institutione ad medicinam libri duo“, 1823), später ein Lehrbuch der allgemeinen Pathologie („Fundamenta doctrinae patholog. etc.“, 1828), sodann seine „Vorlesungen über Geschichte der Heilkunde“ (1839) und endlich als Gelegenheitsschrift, die Geschichte der medicinischen Facultät von Halle während der ersten vier Decennien ihres Bestehens („Historiae ord. medic. Halensis ante hos centum annos brevis expositio“, 1840, deutsch bearbeitet in Häser, Archiv f. d. ges. Med. III. S. 1) veröffentlicht. – Das Interesse, welches F. für Kunst und Litteratur in seine medicinische Carriere mitgebracht hatte, hat er während seines ganzen Lebens gleichmäßig bewahrt, und ebenso ist er auch bis zu seinem Tode der romantisch-pietistischen Richtung treu geblieben, der er sich in früher Jugend zugewandt, und die ihn in späteren Jahren in die Reihen der Hochconservativen geführt hatte. – Einen prägnanten Ausdruck hat diese Geistesrichtung Friedländer’s in der bedeutendsten seiner wissenschaftlichen Arbeiten, den Vorlesungen über Geschichte der Medicin gefunden – einer Arbeit, welche in ihrer äußeren Form, in der eleganten, schwungvollen Diction, in der fesselnden [398] Darstellung den Charakter einer künstlerischen Vollendung trägt, und in welcher der Verfasser aus einer Darlegung des Entwicklungsganges, den die Medicin genommen, den Beweis zu führen bemüht ist, daß das Heil derselben lediglich auf ihrer innigen Verbindung mit der idealistischen Naturphilosophie und mit der Religion beruht, daß es die Aufgabe der Zukunft ist, diese von den (seiner Ansicht nach) hervorragendsten Vertretern der Wissenschaft von jeher angestrebte Verbindung herbeizuführen.