ADB:Fries, Ernst

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Artikel „Fries, Ernst“ von Friedrich Pecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 72–73, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fries,_Ernst&oldid=- (Version vom 17. September 2019, 08:07 Uhr UTC)
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Fries: Ernst F., Landschaftsmaler, geb. zu Heidelberg am 22. Juni 1801, † in Carlsruhe am 11. Oct. 1833. Dieser berühmteste Nebenbuhler Rottmann’s, mit dem er sich längere Zeit gemeinschaftlich erst bei dessen Vater, dann dem Engländer Wallis für alle Zeit bestimmend bildete, ist unstreitig eines der glänzendsten Talente in der süddeutschen Landschafterschule zu Anfang des Jahrhunderts. Indeß theilt er nur kurze Zeit die historisch stilvolle Richtung seines Studiengenossen, wenn auch durchaus seine Neigung zur Vedute, zur künstlerisch durchgebildeten Wiedergabe bestimmter Lokalitäten, wobei er sich aber bald weit realistisch genauer an die Natur anschließt, als der phantasievolle Rottmann. – Außer dem Unterricht des Wallis genoß er dann noch den des Carlsruher Thiermalers Kuntz und Architekten Moller in Darmstadt, bei dem er sich jenes feine Verständniß der Architekturformen aneignet, das seine späteren Zeichnungen so bewunderungswürdig macht. Er bewies es alsbald in einer Reihe von radirten und lithographirten Ansichten, die er von Heidelberg, der Rhein- und Maingegend, der Schweiz etc. in München publicirte, wo er sich 1821 hinwandte, die Akademie besuchte und sich bald Ruf erwarb. Im J. 1823 ging er dann nach Italien, blieb vier Jahre meist in Rom und Neapel, eine unermeßliche Fülle von mit bewunderungswürdiger Präcision und Geschmack gezeichneten Studien als Frucht davontragend, die in ihrer fast photographischen Genauigkeit in Wiedergabe der Natur den merkwürdigsten Gegensatz zur einfachen und großen Auffassung Rottmann’s bilden, dem sie doch in Stilgefühl und Schönheitssinn so unläugbar verwandt sind. – Noch mehr tritt diese Verwandtschaft in den zahlreichen Bildern aus dieser Zeit hervor, die trotz aller Präcision des Details doch seine großartige geschmackvolle Art zeigen. Nur beschäftigt er sich weit mehr mit der von Rottmann vernachlässigten Baumnatur. – Sein Colorit zeigt dagegen bei aller auffallender Detailwahrheit doch die porzellanartige Glätte und die Schwere der Farbe der deutschen Malerei jener Zeit. – Da er genau das gab, was die Besucher Italiens wünschten, geschmackvolle Veduten, so fand er ungewöhnlichen Beifall und erwarb schnell großen Ruf. Leider sind deßhalb seine Bilder auch in alle Welt zerstreut, nur die neue Pinakothek und die Taxis’sche Galerie in Regensburg zeigen noch deren. Zu den besten gehörte das Haus des Tasso in Sorrent. Hoch angesehen kehrte er 1827 nach München zurück mit seiner unübersehbaren Ausbeute von Studien, die er, überhäuft mit Aufträgen, außerordentlich produktiv, wie er es war, zu einer langen Reihe von Bildern verarbeitete. Nichtsdestoweniger benutzte er sie schon nach ein paar Jahren nicht mehr, sondern warf sich nun auf die ganz realistische Darstellung der ihn umgebenden Natur, bei deren Wiedergabe er die größte Unmittelbarkeit und Genauigkeit, aber freilich auch durchweg den malerischen Blick des Meisters für das Schöne zeigt. – So completer Realist geworden, ist er dies auch in der jedes Helldunkel, ja die eigentliche Stimmung ausschließenden nüchternen Bestimmtheit. München mit Carlsruhe 1831 vertauschend, wo er hauptsächlich Veduten von [73] Heidelberg mit unglaublicher Schnelligkeit malte, ward er nach zwei Jahren vom Scharlachfieber befallen und schnitt sich in der Raserei des Fiebers eine Pulsader durch.