ADB:Fritz, Samuel

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Artikel „Fritz, Samuel“ von Viktor Hantzsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 156–159, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fritz,_Samuel&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2021, 23:34 Uhr UTC)
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Fritz: Samuel F., Missionar und Reisender, wurde 1656 zu Trautenau in Böhmen geboren. Ueber seine Jugend haben sich keine Nachrichten erhalten. Am 27. October 1673 trat er als Novize in die Gesellschaft Jesu ein. Nachdem er den üblichen Studiengang der Angehörigen dieses Ordens vollendet hatte, beschloß er mit Zustimmung seiner Oberen, sich der Missionsthätigkeit unter den südamerikanischen Indianern zu widmen. Am 24. September 1684 fuhr er gemeinsam mit seinem Landsmann und Ordensgenossen Heinrich Richter von Cadiz ab und langte nach gefahrvoller und beschwerlicher Seereise im folgenden Jahre in Cartagena an. Von hier aus wanderte er zu Fuße nach Quito, wo er am 27. August 1685 eintraf. Nachdem er sich im Jesuitencolleg dieser Stadt einige Zeit erholt und die Sitten und Anschauungen der Eingebornen hinlänglich kennen gelernt hatte, erhielt er den Auftrag, sich unter den wilden Indianerstämmen im östlichen Grenzgebiete Petrus niederzulassen und Bekehrungsversuche bei ihnen anzustellen. Zunächst begab er sich gemeinsam mit Heinrich Richter, sowie mit dem Oesterreicher Johannes Gastel [157] und dem Spanier Joseph Cases nach Laguna, wo sich bereits eine Jesuitenmission befand. Da er sich aber nach einem entlegeneren und gefahrvolleren Arbeitsfeld sehnte, wurde er zu dem durch seine Wildheit berüchtigten Stamme der Omaguas am oberen Amazonenstrome gesandt, bei denen bisher noch kein Missionar gepredigt hatte. Nachdem er sich die Sprache dieser Indianer einigermaßen angeeignet hatte, gelang es ihm, sich mit Hülfe seiner ungewöhnlichen Geschicklichkeit in mechanischen Künsten den in solchen Dingen sehr unerfahrenen Naturmenschen nützlich zu machen und allmählich eine kleine Gemeinde Neubekehrter um sich zu sammeln. Diese überließ er nach einiger Zeit einem inzwischen eingetroffenen Ordensgenossen. Da seine Gesundheit sehr gelitten hatte, begab er sich nach Laguna zurück, um sich hier wiederherzustellen. Als er jedoch bald darauf hörte, daß sein Nachfolger die zügellosen Eingebornen nicht geschickt genug behandelt hatte und deshalb von ihnen mit dem Tode bedroht worden war, kehrte er zu den Omaguas zurück und beruhigte die aufgeregten Gemüther. Kaum hatte er sich jedoch hinwegbegeben, so wiederholte sich der Aufruhr. Er kehrte deshalb abermals um, sandte seinen so wenig erfolgreich wirkenden Ordensgenossen zurück und beschloß, trotz seines leidenden Zustandes bei den Omaguas zu bleiben. Er gewann immer mehr ihr Vertrauen, erlernte auch die Sprachen der umwohnenden Indianerstämme und versuchte sie zu bekehren, doch wurde er mehrmals mit dem Tode bedroht und mußte deshalb seine weitgehenden Missionspläne einschränken. Als er 1688 während einer Ueberschwemmung des Amazonenstroms mehrere Monate hindurch in einer Hütte zwischen den Aesten eines rings vom Wasser umgebenen Baumes zu leben genöthigt war, überfiel ihn ein heftiges und andauerndes Fieber. Da dieses sein Leben ernstlich bedrohte, beschloß er, seinen ungesunden Wohnort zu verlassen und eine ihm mehr zusagende Gegend aufzusuchen. Er fuhr deshalb auf einem Ruderboote unter tausend Gefahren den Amazonenstrom abwärts bis zur Mündung nach Para, wo er am 11. September 1689 eintraf. Hier fand er einen Arzt, der ihn heilte. Da er jedoch nicht verschwieg, daß er spanischer Unterthan sei, gerieth er bei den portugiesischen Behörden der Stadt in den Verdacht der Spionage. Er wurde deshalb verhaftet und ins Gefängniß gesetzt. Da er sich völlig unschuldig fühlte, sandte er eine Beschwerde nach Lissabon. Sie wurde für beachtlich erklärt, doch mußte er fast zwei Jahre ausharren, bis ihm im Juli 1691 ein königlicher Befehl die Freiheit wieder gab. Er kehrte nun, den Amazonenstrom aufwärts fahrend, nach Quito zurück, wo man ihn längst für tot gehalten hatte. Dann begab er sich wieder zu seinen Indianern. Da sich unter den umwohnenden Stämmen das Gerücht verbreitete, er sei auf übernatürliche Weise von den Toten auferstanden, so hatte er jetzt bedeutende Erfolge zu verzeichnen. Er trat mit 29 verschiedenen Stämmen in Verbindung und suchte ihre Mundarten zu erlernen. Die umfassenden Sprachkenntnisse, die er sich allmählich aneignete, legte er in mehreren Grammatiken und Wörterverzeichnissen nieder. In seinen Mußestunden widmete er sich außerdem der bildenden Kunst. Er baute Capellen und Wohnhäuser, schnitzte Heiligenfiguren und übte sich in der Malerei, so daß viele Missionsstationen am Amazonenstrom Altarbilder von seiner Hand erhielten. Nachdem er lange Jahre in der Wildniß gewirkt hatte, wurde er von seinen Oberen zum Superior aller Missionen am Marañon ernannt. Als solcher genoß er nicht nur bei den Indianern, sondern auch bei den weißen Ansiedlern großes Ansehen. Wiederholt wurde er bei Grenzstreitigkeiten zwischen den spanischen und portugiesischen Behörden als Vermittler angerufen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er bei dem Stamme der Xeberes, die in Peru zwischen dem Huallago und dem Ucayale wohnten. [158] In dieser Gegend starb er am 20. März 1728, nachdem er 42 Jahre lang dem Werke der Heidenbekehrung gedient hatte. Seine Ordensgenossen legten ihm den Ehrennamen eines Apostels der Omaguas bei.

Leider hat F. es versäumt, eine zusammenfassende Beschreibung seiner Reisen und Erlebnisse zu veröffentlichen. Doch hat er verschiedene andere Werke hinterlassen, die allerdings beinahe völlig der Vergessenheit anheimgefallen sind. Einige seiner indianischen Grammatiken und Wörterbücher sollen in verschiedenen südamerikanischen Bibliotheken, namentlich in Quito, noch im Manuscript vorhanden sein. Von seinen Briefen, die er in die Heimath schickte, haben sich nur zwei aus dem Jahre 1685 erhalten, welche in deutscher Sprache seine Reise von Cartagena nach Quito schildern. Sie sind im 1. Bande des von seinem Ordensbruder Joseph Stöcklein herausgegebenen „Neuen Welt-Bott“ (Augsburg u. Grätz 1726) abgedruckt. Ein ausführlicher Bericht über seine Fahrt auf dem Amazonenstrom, den er zunächst in spanischer Sprache verfaßte und dann in deutscher Uebersetzung an die Mitglieder der Böhmischen Ordensprovinz sandte, scheint verloren gegangen zu sein, doch finden sich kurze Auszüge in den beiden Ausgaben der Lettres édifiantes et curieuses, écrites des Missions étrangères, par quelques Missionaires de la Compagnie de Jésus (Paris 1717, Band 12, S. 212–31 und Paris 1781, Band 8, S. 284–96, betitelt Description abrégée du fleuve Maragnon et des Missions établies aux environs de ce fleuve), ferner in der italienischen und spanischen Uebersetzung dieses Sammelwerkes und im 5. Bande von Stöcklein’s Welt-Bott (S. 58 ff.). Das wichtigste Werk, das F. hinterlassen hat und das noch heute als ehrwürdiges Denkmal deutscher Forschung geschätzt wird, ist seine in den Jahren 1689–91 entworfene große Karte des Amazonenstroms. Das handschriftliche Original (1300 x 550 mm) trägt den Titel: Mapa geographica del Rio Marañon o Amazonas, hecha por el P. Samuel Fritz de la Compañia de Jesus, Missionero en este mesma Rio de Amazonas el Año de 1691. Die Karte reicht von der pacifischen bis zur atlantischen Küste Südamerikas und geht nördlich bis zum 5., südlich bis zum 13. Breitengrad. Wenn sie auch infolge mangelhafter astronomischer Ortsbestimmungen mancherlei Fehler enthält, so übertrifft sie doch bei weitem die ältere Karte Guillaume Sanson’s, die 1680 erschien und nach den Angaben des Jesuiten Christoph Acuña gezeichnet war. Charles Marie de la Condamine, der berühmte Reisende, der auch eine für ihre Zeit vortreffliche Karte des Amazonenstroms herausgegeben hat, fand die Zeichnung seines Vorgängers Fritz in Quito auf und brachte sie 1752 nach Paris. Hier wird sie noch heute unter den handschriftlichen Kartenschätzen der Nationalbibliothek aufbewahrt. Gabriel Marcel hat sie neuerdings in vorzüglichem Heliogravüredruck vervielfältigt und in seinem Werke Reproductions de Cartes et de Globes, relatifs à la découverte de l’Amérique (Paris 1893, Atlas Tafel 18–19, Texte explicatif S. 61–67) veröffentlicht. F. selbst ließ die Karte in verkleinertem Maßstabe (420 x 320 mm) 1707 in Quito durch einen Ordensgenossen in Kupfer stechen. Der Stich ist betitelt: El gran Rio Marañon o Amazonas con la Mission de la Compañia de Jesus, geograficamente delineado por el P. Samuel Fritz, Missionero continuo en este Rio. Exemplare dieser Ausgabe sind sehr selten. Die Pariser Nationalbibliothek besitzt zwei, das hydrographische Bureau in Madrid eines (reproducirt von Marcos Jimenez de la Espada in seinen Noticias autenticas del famoso Rio Marañon, Madrid 1892), dagegen das Britische Museum bisher keins. Bekannter als der Originalstich sind einige spätere Nachstiche. Der eine ist unter der Aufschrift The great river Marañon or of the Amazons with the missions of the [159] Society of Jesus, geographically described by Samuel Fritz Capitän Edward Cooke’s Voyage to the South Sea (London 1712), ein anderer als Cours du fleuve Maragnon, autrement dit des Amazones, par le P. Samuel Fritz, Missionnaire de la Compagnie de Jésus den obenerwähnten beiden Ausgaben der Lettres édifiantes beigegeben, ein weiterer im 16. Bande der spanischen Uebersetzung dieses Werkes, der Cartas edificantes y curiosas, escritas de las missiones estrangeras, por algunos missioneros de la Compañia de Jesus (Madrid 1757), ein vierter endlich unter dem Titel: Der Strom Maragnon auctore R. P. Samuele Fritz e Soc. Jesu Prov. Bohem. 1707 delineatus im 5. Bande von Stöcklein’s Welt-Bott enthalten.

Backer, Bibliothèque etc., Liège 1853 ff., V, 216. – Platzweg, Lebensbilder deutscher Jesuiten, Paderborn 1882, S. 137–148. – Sommervogel, Bibliothèque de la Compagnie de Jésus, Brüssel 1890 ff., III, 1003–4. – Th. Wolf, Geografia y Geologia del Ecuador, Leipzig 1892, S. 565.