ADB:Göth, Georg

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Artikel „Göth, Georg“ von Franz Ilwof in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 477–479, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:G%C3%B6th,_Georg&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 21:18 Uhr UTC)
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Göth: Georg G., Topograph und Historiker, wurde am 29. December 1803 zu Reindorf bei Wien (jetzt Rudolfsheim in Wien) geboren. Früh vaterlos geworden und wenig bemittelt, errang er sich nur durch Fleiß und Thatkraft jene ehrenvollen Stellungen, welche er später als Mann bekleidete. Er widmete sich als Jüngling dem Studium der Mathematik und der Astronomie unter der Leitung des berühmten Astronomen Littrow, trug gleichzeitig durch eifriges Privatstudium und Prüfungen die Gymnasialstudien nach und besuchte sodann Vorlesungen an der Universität zu Wien. December 1827 übernahm er die Stelle eines Erziehers in der Familie eines Oberbeamten im k. k. Gußwerke bei Maria Zell in Obersteiermark. Hier lernte ihn Erzherzog Johann kennen, der unfern vom Gußwerk soeben den Bau seines Landsitzes Brandhof vollendet hatte. Der Erzherzog übertrug G. die Ordnung der Registratur der Landwirthschaftsgesellschafts-Filiale Brandhof und die Führung der Protokolle in den Sitzungen derselben. Dadurch gewann er die Gunst des kaiserlichen Prinzen, der sich selbst von der Geschäftstüchtigkeit Göth’s überzeugt hatte und ihn 1830 als Archivar, Bibliothekar und zweiten Privatsecretär in Vordernberg in seine Dienste nahm. Hier hatte er die reichhaltige Bibliothek des Erzherzogs, dessen Urkundensammlung, Aquarellgemälde und Kupferstiche zu ordnen und zu katalogisiren. Durch diese Arbeiten, durch die vielfältigen ihm übertragenen Geschäfte bei den erzherzoglichen Besitzungen, sowie durch die Begleitung des Erzherzogs auf dessen jährlichen Bereisungen der Landwirthschaftsfilialen in ganz Steiermark erweiterten sich Göth’s Kenntnisse und lernte er Land und Leute kennen. So zunächst die Alpenwirthschaft auf dem Brandhof, wohin G. häufig kam, wenn sich der Erzherzog dort zur Zeit der Auerhahn-, Hirsch- und Gemsjagd aufhielt. Von diesen Umständen [478] begünstigt verfaßte G. seine erste zum Drucke gelangte Schrift: „Darstellung des landwirthschaftlichen Zustandes der Filiale Brandhof“, welche 1832 in den „Verhandlungen und Aufsätzen der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft für Steiermark“ veröffentlicht und zwei Jahre später als Musterschrift in zahlreichen Sonderabdrücken im Lande verbreitet wurde.

Dieser Schrift folgte eine Monographie: „Vordernberg in der neuesten Zeit oder geschichtliche Darstellung der Vereinigung der Radgewerken nebst Beschreibung des Berg- und Hüttenbetriebes daselbst“, Wien 1839, in welchem der Hauptwendepunkt im Berg- und Hüttenwesen in Vordernberg, die durch den Erzherzog Johann zu Stande gekommene Union der Radgewerken (Hochofenbesitzer) dargestellt wird. Diese Schrift über das steiermärkische Eisenwesen fand allseitig Anerkennung, und ihrem Verfasser wurde vom Könige von Schweden die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

März 1838 verließ G. Vordernberg und übernahm die Bibliothekar- und Custosstelle bei der Landwirthschafts-Gesellschaft in Wien, 1839 vermählte er sich mit der Vordernberger Gewerkenstochter Josefine Prandstetter und 1841 wurde er zum Professor der Mathematik an der technischen Lehranstalt am Joanneum in Graz ernannt. Inzwischen war der erste Band seines für die Geschichte und Ortskunde der Steiermark ungemein werthvollen Werkes erschienen: „Das Herzogthum Steiermark, geographisch-statistisch-topographisch dargestellt und mit geschichtlichen Erläuterungen versehen“, Wien 1840 (Allgemeine Uebersicht, Brucker Kreis), dem 1841 der zweite (Brucker Kreis), 1843 der dritte Band (Judenburger Kreis) folgten. – 1845 erhob ihn die Universität Jena wegen seiner litterarischen Leistungen zum Doctor philosophiae. „Das Herzogthum Steiermark“ blieb unvollendet, weil die darin geschilderten bisherigen Verhältnisse, nämlich die politische Eintheilung des Landes in fünf Kreise und in eine große Anzahl patrimonialer Bezirksobrigkeiten, die nun den neuen staatlichen Gerichts- und Verwaltungsbehörden gewichen waren, dem thatsächlichen neuen Zustande nicht entsprachen. Der vierte Band (Grazer Kreis) befindet sich handschriftlich im steiermärkischen Landesarchiv.

Hingegen eröffnete sich nun für G. ein Feld neuer, fruchtbarer Thätigkeit. Er wurde 1850 zum Mitgliede des Ausschusses des historischen Vereins für Steiermark, 1852 zum Secretär und 1861 zum Director desselben gewählt, welche Stelle er bis 1868 bekleidete. Als Secretär führte er mit Umsicht und Emsigkeit die Geschäfte des Vereins, als Director bewährte er den an ihm schon gewohnten unermüdlichen Eifer und er verstand es, durch sein wohlwollendes Wesen und seine angenehme Verkehrsweise stets ein freundschaft1iches Zusammenwirken der Ausschußmitglieder aufrecht zu erhalten. Was der historische Verein für Steiermark in der Zeit von 1852 bis 1868 leistete, ist entweder durch seine Initiative oder mindestens durch sein thatkräftiges Mitwirken zu Stande gekommen.

Daneben war seine wissenschaftliche und litterarische Thätigkeit eine ungemein reiche. In der „Steiermärkischen Zeitschrift“ erschien 1848: „Das Schloß Feistritz bei Ilz und dessen Besitzer“; in den „Mittheilungen des historischen Vereins für Steiermark“ die Beschreibung der Schlösser und Burgen Riegersburg (1851), Waldstein (1852), Strechau (1853), Gösting (1854), Pöllau (1855); sodann Aufsätze: „Haus- und Hofmarken“ (1854), „Zur Geschichte der Hansgrafen in Steiermark“ (1858), „Erzherzog Johann von Oesterreich. Seine Wirksamkeit für die steiermärkische Geschichte“ (1866), [479]Carlmann Tangl“ (1867) und in den Heften 6–14 sehr werthvolle Regesten zur Geschichte der Steiermark.

Als 1861 in Graz der fünfzigjährige Bestand des von Erzherzog Johann gegründeten Joanneums gefeiert wurde, schrieb G. die Festschrift: „Das Joanneum in Graz, geschichtlich dargestellt zur Erinnerung an seine Gründung vor 50 Jahren“, Graz 1861. – Auch die exacten Wissenschaften, von denen G. ausgegangen, blieben nicht ganz unbearbeitet; in dem Berichte über die 23. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Nürnberg 1845 erschien Göth’s „Vortrag über eine directe Auflösung der Aufgabe, den Stundenwinkel und die Polhöhe eines terrestren Objectes zum Behufe der Zeitbestimmung in großen geographischen Breiten zu bestimmen“; und in Haidinger’s „Naturwissenschaftlichen Abhandlungen“ (I, Wien 1847) „über die Hagelstürme in Steiermark“. – Seine letzte Arbeit war die mühe- aber werthvolle Zusammenstellung des Registers zu Muchar’s achtbändiger Geschichte der Steiermark, welches als neunter Band derselben erschien (Graz 1874) und wodurch dieses Werk erst allgemein brauchbar wurde. – Im J. 1859 wurde G. zum Studiendirector des Joanneums in Graz ernannt, womit ihm die Leitung der technischen Lehranstalt und als Custos die der naturhistorischen Museen, des botanischen Gartens, des Münz- und Antikencabinettes, des Archivs und der Bibliothek zufiel. 1865 trat er von der Leitung der technischen Lehranstalt und 1868 krankheitshalber von der Custodie am Joanneum zurück. Er starb am 4. März 1873.

Leitner, Dr. Georg Göth. (Im Gedenkbuch d. XXVI. Heftes d. Mittheilungen d. hist. Vereins f. Steiermark, Graz 1878, S. 65–90.)