ADB:Gablenz-Eskeles, Ludwig Freiherr von

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Artikel „Gablenz, Ludwig Freiherr von“ von Wilhelm Edler von Janko in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 288–290, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gablenz-Eskeles,_Ludwig_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 20. September 2019, 14:49 Uhr UTC)
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Gablenz: Ludwig Freiherr v. G., österreichischer General der Cavallerie. Geb. den 19. Juni 1814 zu Jena in Sachsen als der Sohn eines königlich sächsischen General-Lieutenants, trat derselbe nach militärischer Erziehung in der Ritter-Akademie zu Dresden in das heimathliche Heer ein. Der Drang jedoch einer größeren Armee anzugehören, war bei ihm so groß, daß er 1833 Dienste in Oesterreich nahm. Von diesem Jahre an diente G. abwechselnd bei der Cavallerie und Infanterie sowie auch beim Generalstabe. Die Ereignisse des Jahres 1848 boten ihm die Gelegenheit seine ersten Waffenthaten zu verrichten, indem er als Adjutant den General Walmoden nach Italien begleitete, woselbst er vor der Schlacht von St. Lucia eintraf. Von diesem Augenblicke an wohnte G. allen Schlachten und Gefechten des Feldzuges von 1848 bei, wurde vom Feldzeugmeister Heß mehrfach verwendet und nach Custozza zum Major im [289] Generalstabe ernannt. Ende des Jahres ward G. ins Hauptquartier der für die Operation nach Ungarn bestimmten kaiserl. Armee berufen und nahm zuerst thätigen Antheil an der Organisation derselben in Schönbrunn, später ward er Chef des Generalstabes beim Schlick’schen Corps. Von diesem Zeitpunkte an war der Glücksstern des Generalstabs-Chefs mit jenem seines ritterlichen Führers verbunden und in 46 Schlachten, Treffen, Gefechten und Scharmützeln, welche das Corps im Laufe der beiden ungarischen Feldzüge bestand, kämpfte er an der Seite des wackeren Generals. Am 4. Januar 1849 erhielt G. in Folge der ruhmvollen Schlacht bei Kaschau, in welcher die Kaiserlichen vierfacher Uebermacht gegenüber gestanden, das Theresienkreuz. Er führte bei dieser Gelegenheit den rechten Flügel, ergriff nach den ersten errungenen Vortheilen, gegen alle Befehle die Offensive, warf den linken Flügel des Feindes zurück, rollte dessen Centrum auf und schnitt einen Theil seiner Artillerie durch rechtzeitige Besetzung eines Defilées in der Rückzugslinie ab. Sommer 1849 ward G. Oberstlieutenant und Commandant des Dragoner-Regiments Prinz Eugen von Savoyen, kam dann ins Hauptquartier des russischen Generallieutenants v. Grabbe, mit welchem er vor Komorn rückte, wo der letzte Act der ungarischen Erhebung ausgespielt wurde. Als im Herbste 1850 die Gefahr eines Zusammenstoßes zwischen Oesterreich und Preußen drohte, wurde der mittlerweile zum Obersten vorgerückte G. neuerdings dem Generalstabe bei der Armee in Böhmen zugetheilt, jedoch bald in diplomatischen Aufträgen nach Dresden entsendet. 1854 zum General-Major befördert, leitete er als Generalstabs-Chef die großen Manöver bei Olmütz, sodann kommandirte er die leichte Vorhut-Brigade des 1. Cavallerie-Corps und rückte mit selber in die Donaufürstenthümer, woselbst er bald hernach Truppen-Commandant wurde und in dieser bis 1856 bekleideten Stellung sowol als Soldat wie als Staatsmann sich die allgemeine Anerkennung erwarb. 1859 commandirte G. eine Brigade beim 7. Armeecorps und nahm mit Ehren an verschiedenen Actionen, namentlich an denen von Magenta und Solferino Theil. Nach Beendigung des Krieges wurde er dem Commandirenden von Venetien als Adlatus beigegeben und vielfach verwendet; drei Jahre später zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt, leitete er die größeren Manöver auf dem klassischen Boden von Rivoli. Als 1864 österreichische Truppen bestimmt waren in Verein mit preußischen die Frage der nordalbingischen Herzogthümer zu lösen, da wurde G. zum Befehlshaber der ersteren, des VI. Armeecorps ernannt. Seiner geschickten Führung und Tapferkeit dankte man die allerdings nicht unblutigen Siege von Oberselk, Oeversee und Veile, sowie die sich daran knüpfenden weiteren Erfolge. 1865 wurde G., der für seine Leistungen in der Campagne das Commandeurkreuz des Theresienordens erhalten hatte, und dessen Corps bis auf eine Brigade in die Heimath zurückgekehrt war, zum Statthalter Holsteins ernannt, in welcher Stellung er sich die allgemeinen Sympathien der Bevölkerung zu erwerben wußte, die ihn in Bild und Lied feierte. Als zwischen den beiden früheren Bundesgenossen wegen der Elbherzogthümer der Conflict auszubrechen drohte, machte G. wiederholt den Antrag, sich die in Holstein noch zurückgebliebene österreichische Besatzung mit dem hannöverschen Truppencorps vereinigen zu lassen. Da aber seinem Antrage keine Folge gegeben ward, mußte er sich beim Ausbruche des Krieges vorbedungener Maßen nach dem Süden zurückziehen. G. ward nun Commandant des 10. österreichischen Armeecorps, mit welchem er am 27. Juni 1866 bei Trautenau das 1. preußische Armeecorps unter Bonin, welches als Avantgarde der Armee des Kronprinzen durch den Paß von Trautenau in Böhmen eindrang, in 10stündigem Treffen schlug und über die Landesgrenze zurückwarf. Doch ward diese Waffenthat durch die an den nächsten beiden Tagen von dem preußischen Gardecorps erfochtenenen Siege bei Neu-Rognitz und Königinhof wieder [290] aufgewogen. G. focht hierauf bei Königgrätz und besetzte später mit seinem Corps die Festungswerke nördlich Wiens. Nach dem Friedensschlusse lebte er bis 1867 in Disponibilität, in diesem Jahre ward er lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses im Reichsrathe und commandirender General von Croatien, Slavonien und der Militärgrenze, 1869 commandirender General von Ungarn und 1870 General der Cavallerie. 1871 wohnte G. als Bevollmächtigter des Kaisers von Oesterreich dem Einzuge der siegreichen deutschen Truppen in Berlin und der Enthüllung des Denkmals Friedrich Wilhelms III. bei. Im November desselben Jahres wurde G. auf sein eigenes Ansuchen in Disponibilität versetzt. Drei Jahre später, 28. Januar 1874, machte ein tragischer Tod zu Zürich seinem thatenreichen und bewegten Leben ein Ende. Als commandirender General wie als Mitglied des Herrenhauses vertrat er stets die vom Kriegsminister Baron Kuhn angebahnte Reorganisation des österreichischen Heerwesens und die Armee verdankt ihm viel nutzbringende Schöpfungen. An ihm verlor Oesterreich einen großen Bürger, der Kaiser einen treuen Diener, das Heer einen ausgezeichneten Führer.

Oesterr. Militär. Zeitschrift 1874. II. Band.