ADB:Gabelkover, Oswald

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Artikel „Gabelkover, Oswald“ von Paul Friedrich von Stälin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 290–291, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gabelkover,_Oswald&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 06:41 Uhr UTC)
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Gabelkover: Oswald G., geb. zu Memmingen am 3. Septbr. 1539 als Sohn des gleichnamigen Arztes daselbst, aus einem alten ursprünglich bairischen später österreichischen Adelsgeschlechte stammend, gest. zu Stuttgart am 31. Dec. 1616. Er studirte zu Tübingen und Bologna, wo er doctorirte, Medicin, wurde im J. 1563 von Herzog Christoph von Würtemberg als einer der vier Landärzte mit dem Sitze zu Göppingen angestellt, im J. 1580 aber von dessen Sohn und Nachfolger, Herzog Ludwig, als Leibarzt nach Stuttgart berufen. In letzterer Stellung verblieb er auch unter dessen beiden Nachfolgern bis zu seinem Tode – zeitweise war er zugleich Bibliothekar – und schrieb in jener Eigenschaft ein „Arzneibuch“, welches im J. 1594 f. in zwei Theilen erschien. Seine Bedeutung für spätere Zeit und noch für heutzutage aber bekam er als wirtembergischer Hofhistoriograph und als der erste bedeutende Forscher über die Geschichte dieses Landes. Beinahe ein halbes Jahrhundert sammelte er mit unermüdlichem Fleiße, auch auf Reisen und in ausgebreitetem Briefwechsel für die würtembergische und schwäbische Geschichte überhaupt in dem fürstlichen Archive zu Stuttgart und in den Archiven und Registraturen der Reichsstädte, Klöster, Landstände und des Adels, benützte aber auch ältere Geschichtswerke, Chroniken, Denkmäler, Inschriften etc. Daher sind seine umfangreichen Collectaneen, welche sich meistens in Stuttgart im königl. Staatsarchive und der königl. öffentlichen Bibliothek befinden, eine selbst heutzutage noch nicht völlig erschöpfte Fundgrube für die Geschichte Würtembergs in den verschiedensten Richtungen, namentlich aber auch der im Lande und an dessen Grenzen angesessenen fürstlichen und adeligen Familien, und haben dieselben insbesondere dadurch einen so großen Werth, daß sich in ihnen viel Material vorfindet, welches bald nach der Brnützung durch ihn zur Zeit des dreißigjährigen Krieges im Originale zu Grunde ging. Sein Hauptwerk, eine ausführliche Geschichte und Topographie Würtembergs, ist freilich nur zum Theil von ihm ausgearbeitet und nie unter seinem Namen gedruckt worden; allein ohne Nennung desselben wurde der erste Theil davon fast wörtlich bis zum J. 1525 herab von Joh. Ulr. Steinhofer ausgeschrieben und mit Zusätzen als „Neue wirtenbergische Chronik", Tübingen 1744 bis 1755, 8., herausgegeben. Scharfsinn, genau prüfende, historische Kritik, Takt in der Darstellung und eine einfache gedrängte, aber immer deutliche Schreibart zeichnen G. aus. Unterstützt wurde er in seinen geschichtlichen Arbeiten, beziehungsweise dieselben wurden weitergeführt durch seinen Sohn Johann Jakob G., Bibliothekar und später Archivar zu Stuttgart, † 1635.

[291] Vgl. die Leichenpredigt von Erasmus Grüninger (Tübingen 1617); Pfaff, Wirtenbergischer Plutarch 1, 79–82; Derselbe, Quellen der älteren wirt. Geschichte 21–24.