ADB:Genthe, Friedrich Wilhelm

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Artikel „Genthe, Friedrich Wilhelm“ von Hermann Genthe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 574–575, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Genthe,_Friedrich_Wilhelm&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 10:53 Uhr UTC)
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Genthe: Friedrich Wilhelm G., Schriftsteller und Schulmann, wurde am 28. Febr. 1805 zu Magdeburg geboren. Sein Vater, Johann Gottfried G. († 1825), ein in den französischen Revolutionskriegen geschulter Wundarzt, hatte sich 1802 mit Heinrich Zschokke’s ältester Schwester Christiane, verwittw. Faucher (geb. 1765, † 1837), verheirathet. Von den beiden dieser Ehe entstammenden Söhnen entwickelte der jüngere Friedrich G., anfangs im Hause und in der Schule wenig beachtet, später im Verkehre mit anderen Schülern des Klosters U. L. Frauen zu Magdeburg, u. a. K. Rosenkranz, K. Immermann, E. Volk (d. später. Convertiten-Schriftsteller Clarus), rascher hervortretend, vielseitige Gaben, die ihn [575] von dem 1825 begonnenen Studium der Theologie in Halle mehr zu belletristischer Schriftstellerei und litterargeschichtlichen Studien führten. Noch ehe er am 5. Jan. 1828 in Halle die philosophische Doctorwürde erwarb („Diss. de poësi macaronica“), ließ er den Roman „Don Enrique von Toledo“ (1827) drucken. Große Befähigung für Sprachen, leichte Auffassung, sicheres Formgefühl, dichterisches An- und Nachempfinden wiesen den damals Schwankenden in demselben Grade auf die Bahn des Litterarhistorikers und Uebersetzers, wie ihn leicht eintretende Befangenheit bestimmte, der Kanzel zu entsagen und auch den Plan, sich als Docent zu habilitiren, aufzugeben. Er ergriff das Schulfach und trat Ostern 1829 als Probandus am Pädagogium U. L. Frauen in M. ein. Nachdem er sich dort im Herbst 1830 mit Henriette Rosenkranz († 7. Mai 1877), der einzigen Schwester des Philosophen Karl Rosenkranz, verheirathet hatte, folgte er einem Rufe an das Gymnasium zu Eisleben, an welchem er bis zu seinem Tode wirkte. – Belletristische Arbeiten („Don Fernando von Toledo“, Doppelnovelle, 1829. – „Graf Gundolf“, Roman, 1831. – „Sonnette und Elegien“ vom Verfasser des „Don Enrique“, 1833) traten bald ganz in den Hintergrund gegen litterargeschichtliche Untersuchungen und Uebersetzungen: „Der Kyklops des Euripides. Nebst ästh. Abh. üb. d. Satyrspiel“, 1828. – „Versuch üb. d. Epigramm“, Magdeb. 1829 (Progr.) – Gesch. d. macaronischen Poesie und Samml. ihrer vorzüglichsten Denkmale, 1829 (2. A. 1832). – Virgil’s Eclogen. Mit Einl. über Virgil’s Leben und Fortleben als Dichter und Zauberer“, 1830 (2. A. 1855). – „Handbuch der Geschichte der abendländ. Litteraturen u. Sprachen“. 1. Thl. 1832 (ital. Prosa); 2. Thl. 1834 (ital. Dichter); 3. Thl. 1834 (franz. Prosa), (mehr nicht erschienen). – „Fuchs’ heroisch-komisches Gedicht „der Mückenkrieg“ mit Varianten u. Einl.“, 1833. – „De impostura religionum“. Textrecens. mit litterarhist. Einl., 1833. – Maria de Zaya’s Novellen, übers. vom Verfasser des Don Enrique“, 1833. – „See-Anemonen. Novellen eines Unbekannten, herausgegeben vom Verfasser des Don Enrique“, 1836. – „Anderson’s Umrisse einer Reise von Kopenhagen nach dem Harze, der sächsischen Schweiz und über Berlin zurück. Aus dem Dänischen übersetzt vom Verfasser der See-Anemonen und herausgegeben von F. W. G.“, 1836. – „Tempel freier Gottesverehrung. Betrachtungen der Dichter und Denker über Gott, Natur und Menschenleben“, 1837. – Dazwischen hatte G. einige unbedeutende pädagogische Schriften veröffentlicht: „Anleitung zum Uebersetzen in das Lateinische und Deutsche für Anfänger“, 1831. – „Die richtige französische Aussprache nach Duvivier“, 1835. – „Handwörterbuch deutscher Synonyme“, 1835 (2. A. 1838). – „L’art poëtique de Boileau-Despreaux avec des éclaircissements littéraires“, 1839. – „Das preußische Regentenhaus“, 1839 (2. A. 1840). – Seine eigentliche schriftstellerische Thätigkeit schloß ab mit einer größeren Arbeit über Luther’s Leben, 1841. 4., und der Herausgabe und Erklärung von Teofilo Folengo’s Moscaea oder Mückenkrieg, 1846 und drei Bänden „Deutsche Dichtungen des Mittelalters in vollständiger Ausgabe und Bearbeitung“, 1841–46. – Seitdem veröffentlichte er außer einem Bande „Erinnerungen an Zschokke“ (1850) und einer „Untersuchung über die Evangelien und Wunder der Jungfrau Maria“ (1852) nur noch Kleinigkeiten. – Das Zerreißen der gesellschaftlichen Kreise seit 1848, amtlicher Verdruß, manches Leid in der Familie, dazu geistige Vereinsamung, lähmten seine bis dahin neben gewissenhaftester Amtsführung so rege Thätigkeit. – Er starb als zweiter Oberlehrer des Gymnasiums am 9. April 1866, langsam verhungert in Folge eines Magengeschwüres, nachdem er mit philosophischem Gleichmuthe sein Leiden über drei Monate ertragen und selbst beobachtet hatte.