ADB:Gersdorf, Ernst Gotthelf

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Artikel „Gersdorf, Karl Gotthelf“ von Friedrich August Eckstein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 55–56, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gersdorf,_Ernst_Gotthelf&oldid=2490639 (Version vom 22. Juni 2017, 18:15 Uhr UTC)
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Gersdorf: Karl Gotthelf G., geb. am 2. Nov. 1804 in Tautendorf (Herzogthum Altenburg), † in Leipzig am 5. Jan. 1874. Er wurde auf dem Gymnasium zu Altenburg vorgebildet zu akademischen Studien und widmete sich dann in Leipzig der Theologie. Aber die litterarische Neigung überwog dieses Fachstudium und erhielt weitere Nahrung, nachdem er 1826 die Stelle eines [56] Secretärs an der königlichen Bibliothek in Dresden erhalten hatte. Im Anschlusse an die früheren Studien veröffentlichte er 1828 die „Epistola critica ad Heinichen[WS 1] de Eusebii historiae ecclesiasticae codice Dresdensi“ und fügte in den J. 1838–47 die „Bibliotheca patrum ecclesiasticorum latinorum selecta“ in 13 Bänden hinzu, eine handliche Ausgabe nach einer neuen Recognition des Textes, welche jetzt durch die Sammlung der Wiener Akademie übertroffen ist. 1833 wurde er als Oberbibliothekar an der Universitäts-Bibliothek in Leipzig angestellt und damit der Anstoß gegeben, solche Stellungen nicht mehr als Nebenamt eines lehrenden Professors im Interesse der Sammlungen zu betrachten. Die alte Pauliner Bibliothek bedurfte der unermüdeten Sorge, damit die vorhandenen Schätze geordnet und ergänzt wurden; er hat namentlich für die Katalogisirung zweckmäßige Einrichtungen getroffen. Aber er fand auch Zeit zu anderen Beschäftigungen. Schon 1837 trat er als Beisitzer in die Kreisdirection für die Angelegenheiten der Presse und blieb in dieser Stellung bis 1850. Fast zu gleicher Zeit übernahm er die Leitung der deutschen Gesellschaft und widmete sich derselben mit solchem Eifer, daß er fast allein in den regelmäßigen Versammlungen die wissenschaftlichen Vorträge hielt und durch Mannigfaltigkeit der Gegenstände die Mitglieder zu fesseln wußte. In den Mittheilungen hat er das „Chronicon terrae Misnensis s. Buchense“ 1839 gegeben und 30 Jahre später die „Rectoren der Universität Leipzig nebst summarischer Uebersicht der Inscriptionen vom Jahre der Gründung bis zur Gegenwart“ geliefert, als eine Gratulationsschrift für den Minister v. Falkenstein. Schon 1847 war von ihm erschienen „die Universität Leipzig im ersten Jahrhundert ihres Bestehens“. Er war der geeignete Mann zur Herausgabe des „Codex diplomaticus Saxoniae Regiae“, die er im Auftrage der Staatsregierung 1863 begann und bis 1873 vier stattliche Bände vollendete. An diese mühevolle Arbeit konnte er erst kommen, nachdem er 1860 das Repertorium der Litteratur mit dem 106. Bande hatte aufhören lassen, eine Zeitschrift, die er sofort nach seiner Uebersiedelung nach Leipzig 1834 anfing und mit großer Umsicht fast 30 Jahre lang fortführte. Von den akademischen Sammlungen war ihm auch das Münzcabinet anvertraut, für das er eifrig sorgte; seine Bekanntschaft mit der Numismatik zeigen auch die „Blätter für Münzfreunde“ (1865–70), sechs Jahrgänge. Seine Bestrebungen haben auch Anerkennung gefunden; der Herzog von Altenburg verlieh ihm den Titel als Hofrath, der König von Sachsen als Geheimer Hofrath. Auch an Auszeichnung durch Orden hat es ihm nicht gefehlt. G. war ein freundlicher und gefälliger Mann, der überall gern mit seinem vielseitigen Wissen aushalf und die Bücherschätze, welche er verwaltete, zur Disposition stellte.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Friedrich Adolf Heinichen (1805–1877), Gymnasiallehrer in Chemnitz, Annaberg, Zwickau.