ADB:Gnauth, Adolf

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Artikel „Gnauth, Adolf“ von Max Bach in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 401–403, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gnauth,_Adolf&oldid=- (Version vom 21. Januar 2020, 16:25 Uhr UTC)
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Gnauth: Adolf G., Architekt, Director der Kunstgewerbeschule in Nürnberg und kgl. bair. Oberbaurath. Geboren zu Stuttgart am 1. Juli 1840 als Sohn eines geschätzten Lithographen, besuchte er das dortige Polytechnikum, wo sein Talent sich rasch entwickelte. Nachdem er das erste Staatsexamen absolvirt hatte, fand er vorübergehend beim Eisenbahnhochbau Verwendung und trat dann 1861 seine erste größere Studienreise nach Italien an. Dort sammelte er einen reichen Schatz von Zeichnungen, besonders auch kunstgewerblicher Art, die für sein ganzes Leben bestimmend waren. Der Genuß an den herrlichen Denkmälern der italienischen, namentlich toscanischen Frührenaissance brachte ihn in Verbindung mit seinem Freunde Paulus, dem bekannten Dichter und württembergischen Landesconservator, auf den Gedanken, die hervorragendsten Denkmäler Toscanas in einem ihrer künstlerischen Bedeutung entsprechenden umfangreichen und wissenschaftlichen Werke zu veröffentlichen. Er gewann zur Verwirklichung dieses Plans die beiden Herausgeber der Wiener [402] Bauzeitung, die Architekten Emil und Hermann v. Förster, welche die Sache in die Hand nahmen; Paulus sollte den Text, G. die Zeichnungen liefern. Inzwischen arbeitete G. in verschiedenen Wiener Ateliers, wiederholte Reisen nach Italien, speciell nach Florenz, förderten seine Studien und füllten seine Mappen. Leider kam aber das Werk über die toscanische Renaissance, von welchem 1865 die erste Lieferung erschien, durch die Kriegsereignisse des Jahres 1866 ins Stocken und wurde nicht weiter fortgesetzt. In diesem Jahre erhielt G. eine Lehrstelle an der Baugewerkschule in Stuttgart; in den nächsten Jahren aber finden wir ihn wieder in Italien, wo er im Auftrag der Aroundel Society in London thätig war, um die Prachtgräber in Venedig und Verona in großen Aquarellen darzustellen. Seine Bedeutung war damals schon so anerkannt, daß er den Auftrag erhielt für den Fabrikanten G. Siegle in Stuttgart eine großartige Villa zu bauen und fast zu gleicher Zeit wurde ihm ein Lehramt am kgl. Polytechnikum übertragen.

Mit dem Bau der Villa Siegle trat G. in den Kreis der berufensten Architekten und wurde der Chorführer der jüngeren Generation, weit über Württembergs Grenzen hinaus. Mit Aufträgen überhäuft, war er genöthigt, schon nach wenigen Jahren seine Stellung als Lehrer niederzulegen, um ganz der Privatpraxis sich widmen zu können. Von den wichtigeren Bauten, welche nun entstanden, nennen wir die Vereinsbank in Stuttgart, mit Anklängen an die Genueser Paläste und das Conradi’sche Haus daselbst. Außer diesen und anderen Steinbauten hat G. noch eine Anzahl kleiner Wohnhäuser geschaffen, welche er durch reichlich angewandte Sgrafitti, oder durch terracottenfarbige Arabeskenstreifen, decorirte (Goethestraße in Stuttgart). Dazu kamen Aufträge für ein Epitaphium der im französischen Krieg gefallenen Zöglinge des Stuttgarter Polytechnikums u. dgl. m. Neben den großen architektonischen Aufgaben war es das Kunstgewerbe, dem G. seine unermüdliche Aufmerksamkeit in Schrift und Wort, mit Stift und Feder widmete. Im J. 1874 gründete er im Verein mit Bruno Bucher das „Kunsthandwerk“, eine Zeitschrift von hervorragender kunstgewerblicher Bedeutung, die leider infolge der zu hohen Herstellungskosten mit dem 3. Jahrgang einging, und im J. 1876 im Verein mit Lesker das „Malerjournal“, welches 17 Jahrgänge erlebte.

In den Jahren 1875–76 machte G. in Verbindung mit Makart und Lenbach eine Reise nach Griechenland und Aegypten, neue, großartige und ungewohnte Eindrücke sammelnd. Die farbenprächtigen Bilder einer alten und doch so neuen Welt erhöhten seinen Schaffensdrang und veranlaßten ihn, längere Zeit in München sich niederzulassen, um daselbst die für seine ferneren Aufgaben ihm nöthig scheinende größere Veranschaulichung seiner Gedanken und Entwürfe sich anzueignen. In den daselbst entstandenen Bildern zeigt sich G. als Meister in der Ausgestaltung mächtiger Schloß- und Palasthallen und wir sehen in ihnen die abendländische Monumentalarchitektur von dem Farbenzauber des Orients durchweht.

Inmitten dieser Beschäftigung erging an ihn (1877) der Ruf zur Uebernahme der Direction der kgl. Kunstgewerbeschule in Nürnberg an Stelle des schon 1875 gestorbenen Directors Kreling. Hier entwickelte er eine rastlose Thätigkeit, theilts als Reorganisator der Schule, theils als Förderer gemeinnütziger Unternehmungen zur Hebung und Ausbildung des Kunstgewerbes. Für alle künstlerischen Unternehmungen der Stadt wurde sein erprobter Rath eingeholt, wie er auch dem bairischen Gewerbemuseum stets mit Rath und That zur Seite stand. Für den Neubau dieses Instituts fertigte er in Gemeinschaft mit dem Director Stegmann die Pläne. Besonders fruchtbringend war seine Thätigkeit bei der bairischen Landesausstellung im J. 1882. Von [403] ihm stammen die ebenso originellen wie schönen und angestaunten Façaden der Ausstellungsgebäude mit ihrem malerisch monumentalen Charakter. Eine Reihe ehrenvoller Berufungen nach Berlin, Frankfurt a. M. und Frankfurt a. O. lehnte er im Intereesse der liebgewordenen Anstalt ab. Außer einer Anzahl kleinerer Entwürfe war sein Nürnberger Hauptwerk die Einrichtung des Freiherrlich Cramer-Klett’schen Palais in München im Verein mit Director Stegmann. Hier tritt das eminente Decorationstalent Gnauth’s in vollendetster Schönheit uns entgegen und zeigt seine künstlerische Phantasie in höchster und schönster Blüthe.

Immer neuen Anregungen folgend, unternahm G. im J. 1882 eine Reise nach Spanien, um auch hier den Kunstresten des Orients nachzuspüren und seine Phantasie zu bereichern. In der letzten Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit den Entwürfen für den Bau eines reichen Palastes in New-York, zu welchem Zwecke er eine Reise nach Amerika unternahm. Kränkelnd kam er zurück, ein schweres Herzleiden stellte sich ein, von welchem er vergeblich durch eine projectirte Reise nach dem Süden Besserung erhoffte. Unerwartet schnell starb er am 19. November 1884, erst 44 Jahre alt. Im Leben war G. von größter persönlicher Liebenswürdigkeit, Selbstlosigkeit und Gefälligkeit. Eine echte Künstlernatur, anregend und unterhaltend im Verkehr, bewundert und hochgeschätzt von Allen, die ihn näher kannten. Sein Andenken wird stets bewahrt bleiben.

Zeitschr. f. bild. Kunst 1875, S. 112 f. – Kunst u. Gewerbe 1886, S. 1 f. – Kunstchronik 1884/85, Nr. 9.