ADB:Gotthold, Friedrich August

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Artikel „Gotthold, Friedrich August“ von Heinrich Julius Kämmel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 485–486, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gotthold,_Friedrich_August&oldid=- (Version vom 15. Juni 2019, 13:56 Uhr UTC)
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Gotthold: Friedrich August G., ein durch selbständiges und entschiedenes Streben bedeutender Schulmann, geb. den 2. Januar 1778 in Berlin, gest. 25. Juni 1858 in Königsberg. Früh durch den Tod des Vaters beraubt, wurde er zuerst dem Pädagogium in Züllichau übergeben und erhielt hierauf durch das Gymnasium zum grauen Kloster in Berlin die letzte Vorbereitung zu den akademischen Studien, die er 1798 in Halle begann. Die Theologie, für welche er sich eigentlich bestimmt hatte, gab er bald auf, als er mit Fr. Aug. Wolf in nähere Verbindung getreten war. Die von diesem ausgehenden Anregungen wirkten so mächtig auf ihn, daß er zwar nicht ein Philolog im strengsten Sinne, aber ohne Zweifel ein ganzer Pädagog wurde. Nachdem er 1801 seine Studien abgeschlossen hatte, machte er eine ausgedehntere Reise durch [486] Deutschland und die Schweiz bis an die Seen von Oberitalien und kehrte dann, innerlich gereift, in die Vaterstadt zurück, wo er in das Seminar für gelehrte Schulen als Lehrer eintrat. Er wurde dann 1806 Prorector in Cüstrin, 1810 aber Director des Friedrichs-Collegiums in Königsberg. In dieser Stellung hat er bis zu den Jahren des Alters mit seltener Kraft und Frische gewirkt. Wenn seine wissenschaftliche Thätigkeit nach sehr verschiedenen Seiten ausgriff, so gewann doch alles für ihn dadurch Zusammenhang und Einheit, daß er das Angeeignete durchweg auf edle Selbstbildung und pädagogisches Wirken bezog. „Geist haben und Geist wecken“, das war für ihn die Summe der Pädagogik, und in solchem Sinne war auch seine Lehrthätigkeit eine ebenso anregende wie hingebende, zuweilen freilich auch durch das, was ihm „das Idealgymnasium“ war, eine den Widerspruch weckende und zu Collisionen führende. Mit durchgreifender Bestimmtheit hat er den deutschen Unterricht zum Mittelpunkte der Gymnasialstudien gemacht und bei diesem Unterrichte, wie auch bei dem lateinischen und griechischen, vor Allem und unablässig die Nothwendigkeit ausgebreiteter Lectüre, aus welcher die Erkenntniß des Grammatischen zu gewinnen sei, betont. Er selbst las mit seinen Primanern am liebsten Sophokles und Euripides, Platon und Demosthenes, in einer schwer zu begreifenden Ausdehnung. Aber auch den Realien wandte er große Aufmerksamkeit zu. Für den geschichtlichen Unterricht verlangte er Zurückgehen auf die Quellen; die Naturwissenschaft erschien ihm für humane Bildung als unentbehrlich. Und selbst für die technischen Fächer (Schreiben, Zeichnen und Singen) sorgte er mit Nachdruck; in der Musik erkannte er, selbst ein Meister auf diesem Gebiete, ein Hauptmittel für Gemüthsbildung. Aus seiner freundschaftlichen Verbindung mit Herbart ergaben sich ihm für pädagogische Betrachtungen immer neue Anregungen. – In seinem letzten Willen hatte er bestimmt, daß seine vorher einzeln und bei verschiedenen Gelegenheiten erschienenen Schriften in Verbindung mit dem, was er handschriftlich hinterlassen hatte, von seinem Schüler und Freunde Prof. F. W. Schubert herausgegeben würden; diese Sammlung sollte dann an alle Gymnasien des preußischen Staates vertheilt werden. Der erste Theil enthält eine sehr anziehende Selbstbiographie, im zweiten folgen seine Arbeiten für Musik und Metrik, der dritte ist pädagogischen Inhalts, der vierte umfaßt Geschichtliches und Vermischtes.

Vgl. Langbein’s Pädagog. Archiv VII, 176–194.