ADB:Gratzmüller, Hieronymus

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Artikel „Gratzmüller, Hieronymus“ von Paul Mitzschke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 511–513, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gratzm%C3%BCller,_Hieronymus&oldid=- (Version vom 16. Juni 2021, 16:54 Uhr UTC)
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Gratzmüller: Hieronymus G., Benedictiner und Förderer der Gabelsberger’schen Stenographie, geboren in München am 19. Januar 1824, † in Augsburg am 16. Mai 1895. Er verlebte seine Jugend und Schulzeit in München und Augsburg und trat nach Absolvirung des Gymnasiums 1842 in das neuerweckte Benedictinerstift zu St. Stephan in Augsburg ein. Dort [512] legte er 1845 Profeß ab, wurde 1847 zum Priester geweiht, war 1847 bis 1850 Studienlehrer, 1850–1886 Director der höheren Bildungsanstalt des Stiftes, seit 1880 Prior des Stiftes, daneben bis 1890 Superior des neubegründeten Augsburger Mutterklosters der Barmherzigen Schwestern und erhielt 1894 den Titel als kgl. Geistlicher Rath.

Schon 1840 lernte G. bei Gabelsberger selbst in München die Stenographie und ward durch sein lebhaftes Interesse an der Kurzschrift bald mit Gabelsberger innig befreundet. Auf Gabelsberger’s Anregung legte G. 1846 als erster Candidat die bairische Staatsprüfung für das Lehramt der Stenographie ab und war sogleich von Beginn seiner Lehrthätigkeit an darauf bedacht, der Gabelsberger’schen Stenographie an dem Institute seines Stifts eine feste Stätte zu errichten. Nachdem die nöthigen Vorbereitungen getroffen waren, kam auf seinen Ruf Gabelsberger 1848 von München nach Augsburg und eröffnete vor 70 Schülern durch einen Vortrag den Unterricht in der Stenographie. Das Institut zu St. Stephan in Augsburg wurde dadurch die erste Lehranstalt in Baiern, die den stenographischen Unterricht einführte; G. leitete seitdem regelmäßig den stenograpischen Unterricht fast bis an sein Lebensende und hat viele Tausende von Schülern mit der Kurzschrift bekannt gemacht. Als Gabelsberger gestorben war, setzte G. ihm in Nr. 54 der Allgemeinen Zeitung 1849 durch einen Nekrolog ein Denkmal und bearbeitete noch in demselben Jahre die zweite Auflage von Gabelsberger’s großem Lehrbuche. Der Mangel eines kleinen und billigen Lehrbuches der Gabelsb. Stenographie, der durch das Auftreten des Stolze’schen Systems mit seiner compendiösen „Anleitung“ empfindlich fühlbar wurde, veranlaßte die 1852 in München tagende Stenographenversammlung zur Aussetzung eines Preises für das beste Compendium der Gabelsberger’schen Stenographie. Unter den eingelieferten Arbeiten ward die von G. mit dem Preise gekrönt. Diese „Preisschrift“ („Kurzgefaßtes Lehrbuch“) ist 1853 zuerst erschienen und 1903 in 94. Auflage herausgekommen; nach ihrem Muster bearbeitete auch David Dessau 1859 ein Lehrbuch der Gabelsberger’schen Stenographie für das Dänische und A. Huber 1868 ein solches für das Schwedische. Im Jahre 1855 schrieb G. für das Programm seiner Studienanstalt eine Abhandlung: „Wie kann die Erlernung der Stenographie an den bayerischen Gymnasien gefördert werden?“ und 1856 gründete er den Gabelsb. Stenographenverein in Augsburg, der jetzt als größter der Gabelsb. Schule dasteht. Das von ihm ins Leben gerufene Organ dieses Vereins, die „Monatsblätter des Gabelsb. Stenographenvereins in Augsburg“ hat G. von 1856 bis 1863 in vortrefflicher Weise selbst autographirt. Durch Schönheit der Schrift zeichnet sich auch die von ihm (1870) besorgte und autographirte stenographische Ausgabe des Thomas a Kempis aus, die mehrmals neu aufgelegt worden ist. Auch sonst betheiligte sich G. lebhaft an der stenographischen Bewegung und nahm an den großen Stenographenversammlungen regelmäßig theil, so insbesondere 1857 an der zu Dresden für Revision des Gabelsb. Systems, deren Resultate die sogenannten „Dresdener Beschlüsse“, für die Entwicklung des Gabelsb. Systems von Wichtigkeit geworden sind. Der Gabelsb. Stenographenverein zu Augsburg, den G. viele Jahre leitete, und eine größere Anzahl anderer Gabelsb. Vereine ehrten die Verdienste des opferfreudigen, thatkräftigen, gewissenhaften und strengen, aber wohlmeinenden, wie bescheidenen Mannes durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.

Augsburger Sonntagsblatt 1884, Nr. 6. – Korrespondenzblatt des Kgl. Stenogr. Instituts zu Dresden 1894, Nr. 1, S. 1–3. – Sonntagsbeilage [513] zum Augsb. Kurier 1894, Nr. 3. – Bairische Blätter f. Stenographie 1894, S. 18 f.; 1895, S. 90 ff. – Deutsche Stenographenzeitung 1894, S. 33 ff.; 1895, S. 161 f. – Allgem. deutsche Stenographenzeitung 1895, S. 84. – Monatsblätter des Gabelsb. Stenographenvereins in Augsburg 1894, Nr. 1 und 1895, Nr. 6. – La stenografia (Rom) 1894, S. 6 u. 55; 1895, S. 83. – Oesterr. Blätter f. Stenographie 1895, S. 58 f. – Stenogr. Blätter aus Tirol 1895, S. 39 f. – Neue Augsb. Zeitung 1895, Nr. 118. – Kronsbein’s Stenogr. Kurier 1895, Juni. – Zander’s Taschenbuch f. stenographirende Schüler 1896, S. 51 ff. – Krumbein, Entwicklungsgesch. d. Schule Gabelsberger’s (2. Aufl. 1901), S. 234. – Augsb. Postztg. 16. V. 1895. – Studien u. Mitth. a. d. Benedictiner- u. Cist.-Orden XVI, 364 f.