ADB:Hübner, Julius (Schauspieler)

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Artikel „Hübner, Dr. Julius“ von Werner von Melle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 269–270, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:H%C3%BCbner,_Julius_(Schauspieler)&oldid=- (Version vom 17. August 2019, 23:19 Uhr UTC)
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Hübner: Dr. Julius H., Mitglied des Hamburger Thaliatheaters, wurde am 8. März 1838 zu Eschwege in Kurhessen geboren und besuchte, nachdem seine Eltern nach Cassel übergesiedelt waren, das dortige Gymnasium. Schon frühe offenbarte er ein leidenschaftliches Interesse für das Theater, welches bald bei ihm so ausschließlich in den Vordergrund trat, daß er nicht länger auf den Bänken des Gymnasiums auszuharren vermochte. Im Alter von 15 Jahren theilte er seinem Vater mit großer Entschiedenheit mit, daß er entschlossen sei, sich der Bühne zu widmen und durch nichts von diesem seinem unabänderlichen Entschlusse wieder abgebracht werden könne. Nach einigem Widerstreben gab der Vater nach, und H. nahm nunmehr dramatischen Unterricht beim Hofschauspieler Braunhofer in Cassel, unterrichtete sich jedoch gleichzeitig in Privatstunden auf das gründlichste in denjenigen Wissenscha?ten, die er für seinen neuen Beruf besonders nöthig erachtete. Nachdem er noch ein Semester als Student in Berlin zugebracht, betrat er, 17 Jahre alt, im Sommer 1855 in Zwickau zum ersten Male die Bretter. In den nächsten fünf Jahren war er dann successive in Zwickau, Erfurt, Augsburg, Salzburg, Oedenburg, Preßburg und Ofen-Pest bei untergeordneten Theatern engagirt, und erst 1860 gelangte der in der großen Theaterwelt noch unbekannte junge Künstler am neuerbauten Victoriatheater in Berlin in eine Stellung, in der er Gelegenheit fand, sich hervorzuthun. Hier begann seine eigentliche Carrière, die dann ebenso schnell wie glänzend verlief. Nach wenigen Monaten ward er bereits für das Stadttheater in Cöln engagirt; doch auch hier verblieb er nur eine Saison, denn der kunstverständige und im Auffinden neuer Bühnengrößen so überaues geschickte und glückliche Director des Hamburger Thaliatheaters, Chéri Maurice, machte ihm einen Antrag, der für die damaligen Gagenverhältnisse und in Anbetracht der Jugend Hübner’s ein glänzender zu nennen war. Mit Freuden folgte H. dieser Berufung an ein Theater, das seit langen Jahren den wohlverdienten Ruf besitzt, eine der ersten Lustspielbühnen Deutschlands und eine Kunststätte ersten Ranges zu sein. Bis zu seinem Tode blieb er Mitglied des Thaliatheaters, und der eifrig strebende Kunstjünger bildete sich unter der Leitung seines genialen Directors, unter Heinrich Marr’s vortrefflicher Regie und getragen von der Gunst des verständnißvollen Hamburger Publicums, schnell zum Meister seiner Kunst heran. Obgleich er das gesammte Fach der ersten Helden und Liebhaber beherrschte, war doch das Salon- und Conversationsstück das Feld seiner eigensten Thätigkeit. Hier zeigte sich seine große Begabung vornehmlich in dem Verbinden der gefälligsten Eleganz in Ton und Repräsentation mit naturwahrer Einfachheit. H. war ein feingebildeter Geist und ein denkender Künstler, dessen Darstellungen oft das Produkt eines monatelangen Studiums waren. Seine Kunst aber war auf der Bühne, sich den Anschein zu geben, als sei er selbst der Charakter, den er spielte und also entströme unmittelbar seiner eigensten Empfindung das Wort, das die Dichtung verlangte. In den letzten Jahren seines Lebens beabsichtigte H. in das Fach der Charakterdarsteller überzugehen und offenbarte u. a. durch seine tief durchdachte und geistreiche Wiedergabe des „Hamlet“ und „Mephisto“ die Vielseitigkeit seines dramatischen Talentes. Leider aber war es ihm nicht vergönnt, auf dieser Bahn fortzuschreiten. Seine Gesundheit litt schon seit geraumer Zeit und von Jahr zu Jahr gelang es ihm weniger, mit der gewaltigen Kraft seines Geistes den kranken Körper zu bemeistern. Im März 1878 trat er zuletzt auf, vermochte aber nicht seine Rolle zu Ende zu führen. Er starb am [270] 28. October 1878 zu Cassel im Hause seiner Eltern, 40 Jahre alt. Unter anderen Ehrenbezeugungen ward ihm auch von einer deutschen Universität die Doctorwürde verliehen. Mehr als diese äußeren Huldigungen aber ehrt es ihn, daß Director Maurice mit Recht von ihm sagen konnte: „An ihm verliert meine Bühne eine Hauptzierde, deren Ersatz lange, lange Zeit auf sich warten lassen wird“.

Dr. Julius Hübner, ein Gedenkblatt, von E. Gettke im 7. Jahrg. des Almanachs der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger, Berlin 1879.