ADB:Hahn, Ludwig Philipp

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Artikel „Hahn, Ludwig Philipp“ von Erich Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 371–372, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hahn,_Ludwig_Philipp&oldid=3049076 (Version vom 24. Oktober 2018, 05:23 Uhr UTC)
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Hahn: Ludwig Philipp H., Dichter des Sturmes und Dranges, geb. zu Trippstadt in der Pfalz am 22. März 1746, Sohn eines Pfarrers, seit 1777 Beamter (zuletzt Rechnungsrevisor) in Zweibrücken, Lützelstein und wieder Zweibrücken, seit 1777 verheirathet, nach unruhigen, nicht aufgehellten Jahren 1814 gestorben. Er war als Theilhaber der „Hahn’schen privilegirten Buchdruckerei und Buchhandlung“ in Zweibrücken (seit 1785) auch buchhändlerisch und journalistisch thätig. Gedichtet hat er nur in Nebenstunden. Schubart, den er in Ulm bei längerem Aufenthalt kennen gelernt, führte ihn 1776 enthusiastisch als neues Glied den Geniedramatikern zu durch Veröffentlichung seines von Gerstenberg’s „Ugolino“ angeregten Trauerspieles „Der Aufruhr zu Pisa“. Ein Stück ohne große Conflicte und Contraste, ungeschickt exponirt und übel motivirt, unklar in der Verwicklung, gewaltsam im Abschluß oder Abbrechen, äußerlich in der Charakteristik, [372] maßlos forcirt im Ton, wie sich denn H. bei völliger Impotenz ohne inneren Drang mühsam in ein wüst shakespearisirendes Geniethum hinein bramarbasirte und, ein Affe Goethe’s und Klinger’s, Shakespeare, sowie den neuen rheinischen Dichtern allerhand Aeußerlichkeiten abguckte. „Karl von Adelsberg“ (1776), eine Ehestandstragödie, ist namentlich in der Figur des mannstollen Machtweibes ekelhaft; noch schmutziger die Mordgeschichte „Zill und Margreth“ (erschienen 1781, Bürger zugeeignet). Figuren aus dem Volke stellt er roh hin. Beweis auch sein „Robert von Hohenecken“ (1778), ein dem „Götz“ und Klinger’s „Otto“ platt nachgeahmtes Ritterstück. Hahn’s freie Compositionsmanier ist doch etwas französischer oder Lessingischer, als etwa Klinger’s; sonst findet man alle Eigenheiten des neuen Kraftdrama’s bei ihm carikirt wieder. Grelle Farben, viel Lärm, pöbelhafter Naturalismus, unsinnige Hyperbeln täuschten manche Zeitgenossen über sein Unvermögen, das allenfalls ein leichtes Singspiel („Wallrad und Evchen“, 1782, ist dem „Siegfried“, 1779, d. h. der Geschichte des Grafen von Gleichen, überlegen) zu Wege brachte, in der Lyrik jedoch ohne Beruf und Erfolg experimentirte. Sein Dichten gehört in die Pathologie der Geniezeit.

L. Ph. Hahn. Ein Beitrag zur Geschichte der Sturm- und Drangzeit. Von R. M. Werner, Straßburg 1877 (Quellen und Forschungen XXII).