ADB:Haimo

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Artikel „Haimo, Bischof von Halberstadt“ von Bernhard von Simson in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 390–391, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Haimo&oldid=- (Version vom 5. Dezember 2020, 23:19 Uhr UTC)
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Haimo, Bischof von Halberstadt (840–853), fruchtbarer theologischer Schriftsteller. Ueber seine Lebensumstände liegen nur sehr dürftige Nachrichten vor. Zwar hat ein Mönch des Klosters Ilsenburg, Namens Rochus, eine Biographie dieses Bischofs verfaßt, allein dieselbe ist mindestens anderthalb Jahrhunderte nach seinem Tode geschrieben und wir besitzen von ihr nur ein kümmerliches Fragment (s. Pertz, Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, XI. S. 285). H. war ein Studiengenosse und Freund Raban’s. Dieser gedenkt später des lebhaften Eifers, mit welchem H. als Knabe und Jüngling den Studien oblag, als sie zusammen nicht nur die heiligen Schriften und die Commentare der Kirchenväter zu denselben, sondern auch die Werke weltlicher Weisheit lasen. Als Schüler Haimo’s gilt der gelehrte Heirich von Auxerre. – H. war Mönch im Kloster Hersfeld, als ihm Ludwig der Deutsche im J. 840 das durch den Tod Bischof Thiatgrim’s erledigte Bisthum Halberstadt verlieh. Diese Stellung war damals, bei der Nachbarschaft der Heiden und der Schwierigkeit der im Christenthum noch jungen Bevölkerung des Sprengels, eine dornenvolle. Um sich indessen ganz seinen geistlichen Pflichten widmen zu können, soll H., wie die gedachte Biographie erzählt, alle weltlichen Geschäfte seinem Verwandten Ruodger überlassen haben, den er aus Hersfeld nach Halberstadt mitgebracht hatte und dessen Nachkommenschaft später auf der Heimburg blühte. Daß H. nicht in weltlichen Sorgen und Händeln untergehen, sondern sich möglichst ungestört der Religion, Theologie und Predigt widmen möchte, war auch [391] der dringende Wunsch Raban’s, welcher ihm sein Werk „De universo“, eine Encyklopädie alles Wissenswerthen, zueignete, um ihm die Fortsetzung der Studien zu erleichtern. Auch unter dem Bischof „Präclarus“, an welchen einige Gedichte Raban’s gerichtet sind, ist vielleicht H. zu verstehen. Im J. 847 nahm der letztere, gleich den übrigen Suffraganen von Mainz, an der Synode Theil, welche Raban bald nach seiner Erhebung auf den dortigen Erzstuhl dorthin berief. – Ueber die H. (zum Theil mit Unrecht) zugeschriebenen Schriften s. die unten angeführten Werke. Er verfaßte Commentarien zu den Psalmen, zu Jesaias, Homilien und einen Abriß der Kirchengeschichte von Christi Geburt bis auf Theodosius („De christianarum rerum memoria“) in zehn Büchern nach Rufinus. Außerdem werden ihm u. a. beigelegt eine kleine Schrift über die Abendmahlslehre, welche das Dogma von der Transsubstantiation und der wirklichen Gegenwart Christi im Abendmahl vertheidigt, und eine andere „De amore coelestis patriae“ (oder auch „De varietate librorum“). Die letztere, jedenfalls vor Haimo’s Erhebung zum Bischof verfaßt, zerfällt in drei Bücher; das erste handelt von dem ewigen Leben oder dem himmlischen Vaterlande; das zweite von den guten Werken, welche dahin führen; das dritte von den ewigen Strafen, dem Fegfeuer und dem jüngsten Gericht. Der Inhalt ist ganz aus der heiligen Schrift und den Kirchenvätern, namentlich aus Augustinus, geschöpft. Im Allgemeinen zeichnen sich aber Haimo’s Schriften durch eine für jene Zeit bedeutende Gelehrsamkeit und durch Klarheit des Stils aus. In seinen Commentaren herrscht durchaus die allegorisch-moralische Auffassungsweise vor, und auch sie beruhen allerdings nur auf den Erklärungen früherer Ausleger. – Abgesehen von seiner Gelehrsamkeit wird auch der fromme Wandel Haimo’s gerühmt. Der Klausnerin Liutbirg, welche bei Halberstadt im Bodethal lebte, bewies er väterliche Theilnahme, besuchte sie oft, belehrte und erbaute sie durch seine Reden und sorgte für ihre leiblichen Bedürfnisse. Dennoch hinterließ H. in Halberstadt kein günstiges Andenken. Man konnte es ihm dort nicht vergessen, daß er die Zehnten aus dem Friesenfelde seinem früheren Kloster Hersfeld überlassen hatte. Er starb am 28. (oder 27.) März 853.

Haymonis Halberstatensis episcopi opera omnia Tom. I–III. (Migne, Patrol. lat. T. CXVI–CXVIII). – Histoire littéraire de la France V. 111 ff. – Bähr, Gesch. der Römischen Literatur im karolingischen Zeitalter, S. 408 ff.