ADB:Hartfelder, Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hartfelder, Karl“ von Friedrich von Weech in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 24–25, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hartfelder,_Karl&oldid=- (Version vom 18. Juni 2019, 13:25 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Hartenstein, Gustav
Nächster>>>
Hartmann, Alfred
Band 50 (1905), S. 24–25 (Quelle).
Wikisource-logo.png Karl Hartfelder bei Wikisource
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Oktober 2013, suchen)
GND-Nummer 116490519
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|50|24|25|Hartfelder, Karl|Friedrich von Weech|ADB:Hartfelder, Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116490519}}    

Hartfelder: Karl H. wurde am 25. April 1848 in Karlsruhe geboren. Er besuchte das Gymnasium in seiner Vaterstadt und die Universitäten Heidelberg und Berlin. Zunächst studirte er Theologie, bestand 1872 die theologische Prüfung und war kurze Zeit als Vicar in Eberbach thätig. Doch befriedigte ihn diese Wirksamkeit nicht. Da er während seiner Universitätszeit auch philologische Studien mit Ernst und Eifer betrieben hatte, war er genügend vorbereitet, um sich während abermaligen Besuchs der Universität Heidelberg nunmehr ausschließlich der classischen Philologie und Archäologie zuzuwenden. Schon Ostern 1875 konnte er die philologische Staatsprüfung ablegen und mit einer Dissertation „De Cicerone Epicureae doctrinae interprete“ Caroliruh 1875, in der philosophischen Facultät der Universität Heidelberg promoviren. Im Herbst des gleichen Jahres begann er seine amtliche Wirksamkeit im Lehrfach als Praktikant am Gymnasium in Freiburg und wurde 1876 an demselben zum Professor ernannt. Seine durch mehrere litterarische Arbeiten bewährte Neigung zu historischen Studien veranlaßte 1879 seine Ernennung zum Archivrath am Generallandesarchiv zu Karlsruhe, wo er bis 1882 wirkte. Dann kehrte er wieder zu der ihm lieb gewordenen Lehrthätigkeit zurück und war von da bis zu seinem Lebensende als Professor am Gymnasium in Heidelberg thätig. Schon in Karlsruhe hatte H. sich mit der Geschichte des Bauernkrieges beschäftigt, welcher sein erstes größeres Werk „Zur Geschichte des Bauernkrieges in Südwestdeutschland“, Stuttgart 1884 angehört. Aus diesen Studien erwuchs im Laufe des nächsten Jahres eine Vertiefung in die Entwicklung des Humanismus, insbesondere am Oberrhein, am Hofe, an der Universität und in den Klöstern der Kurpfalz. Bei den zahlreichen Arbeiten, die er über den Humanismus nach und nach veröffentlichte, concentrirte sich allmählich sein Interesse auf Philipp Melanchthon. Im VII. Bande der von A. Kehrbach herausgegebenen „Monumenta Germaniae Paedagogica“, Berlin 1889, widmete er diesem eine seine Persönlichkeit vielfach in ein neues Licht stellende umfangreiche und erschöpfende Studie: „Philipp Melanchthon als Praeceptor Germaniae“, welche insbesondere dessen pädagogische Bedeutung als Humanist und bahnbrechender Erneuerer des ganzen Unterrichtswesens hervorhob. In Anerkennung dieses bedeutenden Werkes verlieh ihm die theologische Facultät der Universität Heidelberg die Würde eines Ehrendoctors. In den nächsten Jahren veröffentlichte H. noch zwei größere Werke: „Briefwechsel des Beatus Rhenanus“, Leipzig 1886, und „Melanchthoniana Paedagogica“, Berlin 1892. Er war auch ein eifriger Mitarbeiter einer Reihe von gelehrten Zeitschriften und fand noch Zeit, als außerordentliches Mitglied der badischen historischen Commission (seit 1885) an der Ordnung und Verzeichnung der Archive badischer Gemeinden und Pfarreien sich zu betheiligen. Ein neues großes Arbeitsthema, eine Biographie des Erasmus von Rotterdam beschäftigte ihn ernstlich. Daneben widmete er sich mit Eifer und Pflichttreue seiner amtlichen Lehrthätigkeit, für die er, seit er sie begonnen, eine liebevolle Hingabe bewährte. Dem durch allzuviel Arbeit Ueberbürdeten sollte eine in Begleitung eines Freundes im Frühjahr 1893 unternommene, längst projectirte Reise durch Italien Erholung und neue Anregung bringen. Er mußte sie vorzeitig abbrechen. Ein schweres Leiden warf den Zurückgekehrten auf das Krankenlager, von dem er nicht mehr erstehen sollte. Ein sanfter Tod erlöste am 7. Juni 1893 den erst 45jährigen, der zuletzt vollständig gelähmt war, von drohendem dauernden Siechthum. [25] Nicht ohne viele Schwierigkeiten war es in Hartfelder’s Jugend seiner Energie gelungen, sich die Mittel zu gelehrtem Studium zu erwerben; lange Zeit bedurfte er, bis seine litterarische Thätigkeit verdiente Beachtung fand; doch war es ihm noch beschieden, sich der Anerkennung in den gelehrten Kreisen zu erfreuen, die seinem rastlosen Fleiß und seiner gründlichen Ausdauer in Erforschung seines weiten Arbeitsgebietes gebührte.

Vgl. Badische Biographien, Bd. V, 250 ff., wo auch eine Reihe Hartfelder gewidmeter Nachrufe und eine Aufzählung seiner vielen kleineren Schriften zu finden ist.