ADB:Haxthausen, Werner Graf von

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Artikel „Haxthausen, Werner Freiherr v.“ von Alexander Reifferscheid in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 121–122, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Haxthausen,_Werner_Graf_von&oldid=2492804 (Version vom 22. Juni 2018, 14:45 Uhr UTC)
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Haxthausen: Werner Moritz Maria Freiherr v. H., geb. am 18. Juli 1780 zu Bökendorf als der vierte unter acht Söhnen, Bruder des Vorigen. Seine Erziehung erhielt er theils im elterlichen Hause, theils im Hause des Grafen Leopold von Stolberg, der ihn ungemein liebte. Von 1800–1803 studirte H. in Münster, später in Prag, die Rechtswissenschaft und nebenbei aufs eifrigste die alten und neuen Sprachen. 1804 übernahm er ein Canonicat in Paderborn, welches ihm Zeit genug ließ zu eingehenden orientalischen Sprachstudien. Joh. v. Müller, der ihn damals kennen lernte, bewunderte seine außerordentlichen Sprachkenntnisse, seinen Fleiß und Scharfsinn, die ebenso groß seien als seine Bescheidenheit und Simplicität. 1809 ging H. zum Abschlusse seiner sprachlichen Studien nach Göttingen, doch die Noth des Vaterlandes rief ihn bald zurück. Er betheiligte sich an den gefahrvollsten Unternehmungen gegen die Fremdherrschaft und wurde bald die Seele der patriotischen Erhebung im Königreich Westfalen. [122] Als Mitglied des Tugendbundes und als Theilnehmer an der Dörnbergschen Erhebung von den Franzosen geächtet, begab er sich nach Halle, um unter Wahl’s Leitung Persisch zu treiben und sich zugleich medicinischen Studien zu widmen, in der Hoffnung, durch Vermittlung seines Freundes, des Grafen Münster, damaligen hannoverschen Gesandten in London, als Arzt bei der englischen Expedition nach Indien Verwendung zu finden. In Halle wurde er mit W. Grimm, der Familie Reichard und besonders mit H. Steffens eng befreundet. Letzterer, der nach seinem eigenen Geständnisse von ihm mannichfache Anregung empfing, nennt ihn eine der merkwürdigsten Persönlichkeiten der Zeit. Trotz der französischen Achterklärung kam H. 1811 nach Bökendorf zurück, er wurde jedoch verrathen und mußte, da ein hoher Preis auf seinen Kopf gesetzt war, unter großer Lebensgefahr flüchten. Er floh über Schweden nach London, wo er sich als Arzt unter dem Namen Albrock niederließ und gern gehörte Vorlesungen über Naturphilosophie hielt. Der Herzog von York verschaffte ihm 1812 eine Stelle als Arzt im Dienste der ostindischen Compagnie mit einem Gehalte von 1000 Pfund und der Verpflichtung im nächsten Frühjahr seine Stellung anzutreten. Durch den unglücklichen Rückzug Napoleons aus Rußland wurde H. in andere Bahnen gelenkt. Mit den übrigen Flüchtlingen nach Deutschland zurückgekehrt, machte er unter dem General Wallmoden den Feldzug gegen Davoust und die Dänen mit und nahm an der Belagerung Hamburgs Theil. Als Major und Ritter des Guelfenordens verabschiedet, wurde er 1815 durch den ihm befreundeten Grafen Solms-Laubach, den neuen Oberpräsidenten der Rheinprovinz, als Regierungsrath nach Köln berufen. Hier trat er in nähere Verbindung mit E. M. Arndt, den beiden Boisserée, Görres, E. v. Groote, den beiden Schlegel und interessirte sich lebhaft für altdeutsche Kunst und Litteratur. 1825 zog er sich ins Privatleben zurück, um die Verwaltung seiner väterlichen Güter zu übernehmen; 1833 war er als ritterschaftlicher Deputirter auf dem westfälischen Landtage und präsidirte dem Ausschusse für die Berathung des bäuerlichen Successionsgesetzes. In dieser Zeit erregte er durch eine Schrift „Ueber die Grundlagen unserer Verfassung“, welche als Manuscript für Freunde erschien, großes Aufsehen und zog sich viele Anfeindungen zu. 1837 siedelte er nach Neuhaus bei Neustadt in Franken über und wurde bald darauf von dem König von Baiern in den erblichen Grafenstand erhoben. Er starb am 30. April 1842 zu Würzburg. H. war außerordentlich beanlagt und hatte sich durch ernste Studien ein gediegenes und vielseitiges Wissen erworben, er verstand nicht weniger als 16 Sprachen. Sein unruhiger Geist und die ungünstigen Zeitverhältnisse gestatteten ihm leider nicht, von seinen schönen Gaben vollen Gebrauch zu machen. Seine griechischen Volkslieder, die er aus dem Munde griechischer Matrosen gesammelt und später ins Deutsche metrisch übertragen hatte, erschienen nie, so dringend ihn auch Goethe, der die Sammlung 1815 zu Wiesbaden kennen und schätzen gelernt, zu ihrer Veröffentlichung aufforderte. Ebensowenig gewann H. es über sich, seine großen litterarischen Pläne, an denen er Jahre lang gearbeitet, auszuführen, oder auch nur etwas von seinen vielen Gedichten, die sich durch Gedankengehalt und Formschönheit auszeichneten, drucken zu lassen.

F. L. A. M. Freiherr v. Haxthausen. Ein Versuch von Freundeshand. Als Manuscript gedruckt. Hannover 1868. S. 11 ff. – Freundesbriefe von Wilhelm und Jacob Grimm. Mit Anm. herausgegeben von Al. Reifferscheid. S. 193 ff. – Gütige Mittheilungen der Freifrau v. Brenken, geb. Gräfin von Haxthausen (der Tochter Werners v. H.). – Joh. v. Müller, Werke, VIII. 332. – Steffens, Was ich erlebte, VI. 122 ff. 337 ff. – J. v. Görres, Gesammelte Briefe, III. 421 ff.