ADB:Hecker, Friedrich

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Artikel „Hecker, Friedrich Franz Karl“ von Friedrich von Weech in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 93–95, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hecker,_Friedrich&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 07:13 Uhr UTC)
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Hecker: Friedrich Franz Karl H. wurde am 28. September 1811 zu Eichtersheim in Baden geboren. Die erste Thätigkeit im öffentlichen Leben, in die H. nach Vollendung seiner Studien im J. 1838 eintrat, war die eines Oberhofgerichtsadvocaten in Mannheim. Er machte sich bald auch außerhalb des Kreises, mit dem ihn sein Wirken am Gerichtshof in Berührung brachte, durch Talent und Beredsamkeit bekannt und wurde im J. 1842 im Wahlbezirk Weinheim-Ladenburg in die badische Zweite Kammer als Abgeordneter gewählt. Es war die Zeit, in welcher der Liberalismus in Baden begann sich zum Radicalismus auszugestalten und H. war einer der eifrigsten unter [94] den Abgeordneten, welche für diese neue Richtung eintraten. Kaum Einer verstand es in solchem Maße wie er, im Landtag der Regierung mit der größten Schärfe und Entschiedenheit entgegenzutreten. Die meisten Kammerreden wurden nur der Form nach an die Abgeordneten gerichtet, ihrer ganzen Tendenz nach galten sie den weitesten Volkskreisen, unter welchen sie durch eine der liberalen Partei dienende Presse verbreitet wurden. In der Kunst, zum Fenster hinaus zu reden, wurde H. von keinem andern Abgeordneten übertroffen. Auch außerhalb der Kammer, in Versammlungen und wo sich sonst Gelegenheit darbot, war H. einer der beliebtesten und wirksamsten Redner.

Als im J. 1845 die schleswig-holsteinische Frage begann, die Gemüther auch in Süddeutschland zu erregen, erhob H. am 6. Februar in der badischen Zweiten Kammer seine Stimme gegen die beabsichtigte Verschmelzung der Herzogthümer mit Dänemark. Diese Frage an und für sich interessirte ihn nur sehr wenig, aber er erblickte in ihr ein wirksames Agitationsmittel gegen das badische Ministerium. Durch die Art, wie er für die Sache der Herzogthümer eintrat, machte H. seinen Namen auch außerhalb Badens bekannt. Als er im Mai 1845 mit dem badischen Abgeordneten v. Itzstein eine Reise nach Norddeutschland unternahm, wurde er, wie sein Begleiter, aus dem preußischen Staate ausgewiesen. Nichts hätte seine Popularität mehr fördern können. Trotzdem erbitterte ihn diese Maßnahme der preußischen Regierung so sehr, daß von da an sein rückhaltloser Uebergang aus dem Kreise der auf gesetzlichem Boden stehenden badischen Opposition zu dem extremen Radicalismus und zu dem damals neu entstehenden Socialismus datirt. Einer der Führer der extremen Partei, Gustav Struve, gewann im J. 1847 großen Einfluß auf ihn und machte ihn bald zu einem Revolutionär. Zwar erklärte er sich Anfangs März noch durch die Zugeständnisse befriedigt, welche die badische, wie die meisten andern deutschen Regierungen den Forderungen des Volkes machte. Aber schon in der Volksversammlung, die er gemeinsam mit Struve auf den 19. März 1848 nach Offenburg berief, wurden auf seinen Antrag Beschlüsse gefaßt, die mit der Staatsordnung in einer Monarchie unvereinbar waren. So zeigte sich H. auch als entschlossener Gegner der Monarchie in dem Vorparlament, aus dem er ausschied, als seine revolutionären Anträge nur eine kleine Anzahl von Stimmen auf sich vereinigten. Am 12. April 1848 beschloß H. mit Struve den Versuch zu machen, einen bewaffneten Aufstand zu organisiren. Am 14. April sollten alle waffenfähigen Männer Badens sich, bewaffnet und mit Mundvorrath versehen, in Donaueschingen einfinden. Aber nur ein kleines Häuflein folgte ihrem Aufruf. Diese Anhänger und andere, die in der Rheinebene zusammengebracht wurden, nahmen bei Kandern Aufstellung, sahen sich aber am 20. April einer Truppenmacht gegenüber, welche – obwol ihr Führer, General Friedrich v. Gagern, den Heldentod starb – die „Freischärler“ in die Flucht schlug. Auch H. mußte in die Schweiz fliehen, wo er eine Schrift über „Die Volkserhebung in Baden“ herausgab, welche ein Zeugniß der vollständigen Unfähigkeit ihres Verfassers, eine Revolution zu organisiren und auch beim Mißlingen seiner Pläne den Kopf hochzuhalten, ablegt. Trotzdem behielt sein Name die doch nur durch Reden erworbene Popularität, das „Hecker-Lied“ wurde eine Art von Marseillaise der badischen Revolutionäre, der „Hecker-Hut“ ein Kennzeichen radicaler Gesinnungstüchtigkeit. H. selbst aber, der am Gelingen der revolutionären Bewegung verzweifelte, warf die Flinte ins Korn, wanderte nach Amerika aus und erwarb im Staate Illinois eine Farm. Zwar entzog er sich, als im J. 1849 die Revolution eine Zeitlang in Baden über die Sache der Ordnung triumphirte, dem Rufe der revolutionären Regierung, die ihn [95] im Mai 1849 in die Heimath zurückrief, nicht. Aber als er in Straßburg eintraf, war die badische Revolution durch die preußischen und Reichstruppen niedergeworfen und H. kehrte nach Amerika zurück. Dort gewann er nun in der That eine neue Heimath und nahm in den 1860er Jahren opferfreudig und tapfer auf Seite der Union an dem Bürgerkrieg theil. Als Befehlshaber erwies er jedoch bald seine völlige Unbrauchbarkeit und kehrte im Jahre 1864 auf seine Farm zurück. Der deutsch-französische Krieg und der glänzende Sieg der deutschen Waffen erweckten seinen nationalen Patriotismus, den er allerdings zwanzig Jahre früher nicht glücklich bethätigt hatte, und er brachte dem neuen Reich die Sympathie seines enthusiastisch angelegten Naturells entgegen. Bei einem Besuche des alten Vaterlands im J. 1873 aber konnte H. nicht anders als in die alten Velleitäten der 1848er Bewegung zurückzufallen. Verstimmt begab er sich wieder auf seine Farm, um fortan in voller Zurückgezogenheit von der Politik seine Aecker zu bebauen. Unter den Deutschen Amerikas genoß H. ein dadurch wohlverdientes Ansehen, daß er sich stets seiner Landsleute annahm, daß er allezeit sich als offener ehrlicher Charakter bewährte und die Liebenswürdigkeit im geselligen Verkehr, die ihm in der Jugend so viele Freunde gewonnen hatte, auch im Alter nicht verlor. Diese Eigenschaften machten ihn auch bei den Amerikanern beliebt. H. starb im 70. Lebensjahre in St. Louis am 24. März 1881.

Badische Biographien IV, 166 ff.