ADB:Heidanus, Abraham

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Artikel „Heidanus, Abraham“ von Jacob Cornelis van Slee in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 292–293, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heidanus,_Abraham&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 07:19 Uhr UTC)
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Heidanus: Abraham H. (van der Heiden), tritt im Kampfe der neueren Philosophie wider die scholastische Theologie um die Mitte des 17. Jahrhunderts, als einer der ersten Vertheidiger des Cartesius unter den niederländischen Theologen hervor. 1597 zu Frankenthal in der Pfalz geboren, erhielt er den vorbereitenden Unterricht zu Amsterdam, wo sein Vater, Caspar H. der jüngere, seit 1608 Prediger war und studirte darauf, als Bursal des wallonischen Collegiums, Theologie zu Leiden unter Daniel Colonius. Nach vollendetem Studium (1618) besuchte er während zweier Jahre verschiedene Hochschulen in Deutschland, Frankreich, England und der Schweiz; besonders befreundete er sich mit dem ausgezeichneten Prediger Dallaeus zu Charenton bei Paris. In die Heimath zurückgekehrt, erhielt er das Predigeramt bei der wallonischen Gemeinde zu Naarden und fünf Jahre später (1627) berief ihn die holländische Gemeinde zu Leiden. Seine Milde den Remonstranten gegenüber, welche er nicht durch Gewalt, sondern nur durch Ueberzeugung bekämpfen wollte, veranlaßte 1641 seine „Wedderlegginghe der Remonstr. Catechismi“, gegen welche Episcopius seine „Antwoord op de proeve van A. Heidanus“ schrieb, und 1644 seine „Causa Dei contra homines“. Infolge dieser eben so streng kirchlichen als gelehrten Werke trug ihm die Hochschule zu Harderwyk eine Professur der Theologie an. Er schlug aber diesen Ruf aus; blieb auch seinem Predigeramt treu, als er 1648 nach Constantin l’Empereur’s Tode die Professur der Theologie zu Leiden übernahm. Selbst einen Ruf nach Heidelberg lehnte er ab. Dagegen wußte er für Leiden den Johann Hoornbeek und Johann Coccejus zu gewinnen. Hatte schon früh der Scholasticismus der damaligen Philosophie und Theologie seinen Widerwillen erregt, so nimmt es nicht Wunder, daß er die um diese Zeit hervortretende Philosophie des Cartesius mit großem Beifalle begrüßte. Daher war er bald an den Streitigkeiten betheiligt, welche diese, von Gisbertus Voetius angefochtene, aber von Coccejus vertheidigte Philosophie hervorrief. Schon hatte er 1658 seinen bedeutenden Antheil gehabt an den bekannten Sabbatszwistigkeiten durch die Vertheidigung einer Dissertation „De sabbatho et die dominica“. Als nun der Streit zwischen Coccejus und Voetius sich durch Einmischung politischer Leidenschaften um 1672 noch mehr verbitterte, und nicht nur den theologischen Hörsaal erfüllte, sondern auch die Gemüther der Gemeinde erhitzte, versuchten die Curatoren der Leidener Universität den Frieden dadurch herzustellen, daß sie die Vertheidigung von 21 cartesianischen Lehrsätzen als gottlos verboten; aber umsonst. H. und seine Collegen Wittichius und de Volder, welche sich durch dies Verbot am schwersten getroffen glaubten, reichten eine Vertheidigungsschrift dawider ein, welche jedoch nicht angenommen wurde. H., der sich dadurch im Gewissen beschwert fühlte, ließ nun seine „Consideratien over eeinighe saecken onlanx voorgevallen in de Universiteit binnen Leiden“ erscheinen, um [293] zu zeigen, wie ungerechtfertigt und dem Interesse der Wissenschaft widerstreitend es sei, Lehrsätze zu verurtheilen, welche, ohne mit den anerkannten Glaubensbekenntnissen zu streiten, die Wahrheiten derselben nur in einer anderen, als der bisher üblichen Weise vortrügen. Die Theologen übersähen dabei den Unterschied der articuli catholici und theologici. Diese freimüthige Erklärung erweckte den Ingrimm der Curatoren dermaßen, daß sie am 4. Mai 1676 den 79jährigen H. seines Amtes entsetzten. Nur zwei Jahre überlebte er diese Kränkung. Sein geistliches Amt verwaltete er mit ungeschwächtem Eifer bis zu seinem im October 1678 erfolgten Tode. Seine Hauptarbeit „Corpus theologiae christianae“, welche als das erste theologische System im Geiste des Cartesius betrachtet werden muß, ist 1676 und aufs neue 1686 zu Leiden herausgegeben.

Hauptquelle ist die Oratio funebris von Wittich. Vergl. van der Aa, Biogr. Woordenb.; Glasius, Godgel. Nederl.