ADB:Heider, Moriz

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Artikel „Heider, Moritz“ von August Hirsch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 305–306, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heider,_Moriz&oldid=2497948 (Version vom 20. September 2018, 21:09 Uhr UTC)
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Heider: Moritz H., Zahnarzt, ist am 21. Juni 1816 in Wien geboren. Schon während seiner Gymnasial-Studien hatte er sich vorzugsweise zu den mathematisch-physikalischen Wissenschaften hingezogen gefühlt und als er nach Beendigung seiner Vorbildung die Universität in seiner Vaterstadt bezog, um sich dem Studium der Medicin zu widmen, schenkte er jenen Gegenständen ein besonderes Interesse, das auch durch äußere Unterstützung, namentlich dadurch Nahrung erhielt, daß ihm die Stelle eines Stipendiaten an der Wiener Sternwarte übertragen wurde, welche er zwei Jahre lang verwaltete. – Aeußere Verhältnisse zwangen ihn, diesem Lieblingsstudium zu entsagen und sich ausschließlich der Medicin zuzuwenden. Nachdem er 1841 die Doctorwürde erlangt hatte, übernahm er bei Professor Wisgrill die Stelle eines Privatassistenten; er bereitete die physikalischen Versuche desselben vor, hielt auch Privatvorträge, welche großen Anklang fanden, bemühte sich jedoch vergebens um eine Assistentenstelle bei der med. Facultät und stellte sich daher dem damals in hohem Rufe stehenden Zahnarzte Carabelli zur Disposition, dem er in der sehr ausgebreiteten Praxis assistirte. Nach dem Tode Carabelli’s habilitirte er sich als Docent der Zahnheilkunde an der Universität und wurde 1858 zum Professor extraord. in diesem Fache ernannt; seine Bemühungen um Begründung eines zahnärztlichen Institutes für den praktischen Unterricht blieben ohne Erfolg, er war daher nur auf theoretische Vorlesungen angewiesen, welche er mit regem Eifer bis zu seinem am 29. Juli 1866 erfolgten Tode fortsetzte; die sehr ausgebreitete Praxis mußte er in den letzten Jahren seines Lebens wegen körperlicher Schwäche beschränken und schließlich ganz aufgeben. – Heider’s Streben ging dahin, die Zahnheilkunde [306] des handwerksmäßigen Charakters, den sie bis dahin getragen hatte, zu entkleiden, sie zu einer Wissenschaft zu erheben und in seinen Berufsgenossen einen wissenschaftlichen Geist und einen auf gegenseitige Achtung gegründeten collegialen Sinn zu wecken. Nach beiden Richtungen hin wirkte er durch Schrift und Wort und seine Bemühungen sind auch nicht ohne Erfolg geblieben. – In Verbindung mit seinem Freunde, Professor Wedl, hat er sich besonders mit der Histologie der Zähne beschäftigt und eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten auf diesem Gebiete geliefert, welche er in den Sitzungen der Gesellschaft der Aerzte zu Wien mittheilte und die später, neben zahlreichen anderen Facharbeiten, so über Caries der Zähne, über Blutung bei Zahnoperationen, über zahnärztliche Operationen u. s. w., theils in der Zeitschrift der genannten Gesellschaft, in der österreichischen Zeitschrift für praktische Heilkunde und in der von ihm begründeten Deutschen Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde Aufnahme gefunden haben. Ein in Gemeinschaft mit Wedl bearbeitetes großes Werk über die „Pathologie der Zähne“ ist leider unvollendet geblieben. – Eine seiner interessantesten Arbeiten betrifft die Anwendung der Galvanocaustik für chirurgische Zwecke; durch mündliche Mittheilungen Steinheil’s angeregt, hat er mit diesem Verfahren vielfache Versuche angestellt und die Resultate derselben in einem Aufsatze „Der Platinschließungsdraht als Glühapparat für chirurgische Zwecke“ in Zeitschrift der Gesellschaft der Aerzte zu Wien 11. Jahrg., Bd. II., S. 421 veröffentlicht; somit hat er den Impuls zu der später von Middeldorpf u. A. ausgebildeten Galvanocaustik gegeben. Wie H. sich in dem Doctoren-Collegium der med. Facultät in Wien des höchsten Ansehens erfreut hat, so genoß er unter seinen Fachgenossen die allgemeinste Achtung; als Mitbegründer des Centralvereins deutscher Zahnärzte und des Vereins österreichischer Zahnärzte hat er beiden Vereinen als Präsident vorgestanden. Die von ihm im Jahre 1861 begründete „Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde“ hat er bis zu seinem Tode redigirt.

Ueber sein Leben vgl. Schneller in Oesterr. Zeitschr. für practische Heilkunde, 1866, S. 610 und Jarisch in Wien. med. Wochenschrift, 1866, Nr. 87, S. 1395.