ADB:Helvig, Carl von

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Artikel „Helvig, Carl von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 500–501, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Helvig,_Carl_von&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 16:22 Uhr UTC)
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Helvig *): Karl Gottfried v. H., preußischer Generallieutenant, am 4. September 1764 zu Stralsund geboren, durchlebte eine harte und an Entbehrungen reiche Jugend, da sein Vater, welcher schwedischer Festungszimmermeister war, mit der Sorge um das tägliche Brot zu kämpfen hatte und dem strebsamen, fähigen Sohne kaum den Unterricht der Volksschule zu Theil werden lassen konnte. Diese Verhältnisse machten ihn zum Autodidacten im strengsten Sinne des Wortes, sie stählten zugleich seinen Charakter und seine Willenskraft und trotz ihrer Ungunst gelang es ihm sich im J. 1781 zum Ingenieurcadett aufzuschwingen. In der Hoffnung dort seinen Lebensunterhalt finden zu können, nahm er als solcher ein Commando nach Gotenburg an; als sie vereitelt wurde, ließ er sich als Gemeiner beim Gota-Artillerieregiment anwerben. Der Kampf um das Dasein dauerte fort, sein Pfad war und blieb ein mühseliger und dornenvoller, trotz der Anerkennung, welcher allmählich sein Streben und seine Leistungen begegneten. Endlich, 1788, wurde er Offizier und im folgenden Jahre, im finnischen Kriege, zog er die Aufmerksamkeit König Gustav III. auf sich. [501] Als dieser ermordet war, beschloß der Regent, der Herzog von Südermannland, reitende Artillerie zu errichten; ein preußischer Offizier, der spätere Generallieuteuant v. Cardell, wurde zu diesem Zwecke nach Schweden berufen. Dieser wählte H. zu seinem Gehilfen, aber H. übersah ihn, beide geriethen in Zwistigkeiten, deren Ausgang war, daß Helvig’s Ideen die maßgebenden wurden, dieser selbst aber einen anderen Wirkungskreis erhielt. Ein in seiner neuen Stellung von ihm vertretener Vorschlag, der schwedischen Artillerie eiserne Geschützrohre zu geben, verwickelte ihn von neuem in Gegensätze, so daß sein Gönner, der Herzog von Südermannland, für gerathen hielt, ihn eine Zeitlang außer Landes zu beschäftigen; er gab ihn der Gesandtschaft in Konstantinopel bei. Forschungen in der Ebene von Troja, welche er bei dieser Gelegenheit machte, brachten ihn mit den berühmtesten Gelehrten Deutschlands in Verbindung; auch mit Napoleon Bonaparte, der damals (1796) in Italien kriegte, trat er in Berührung. Als er nach Schweden zurückgekehrt war, begann er von Neuem für seine artilleristischen Reformen zu wirken; das Resultat der daraus hervorgehenden Kämpfe war, daß er zum Inspecteur der Waffe ernannt und daß sein System endgiltig angenommen wurde. Eine Beschreibung desselben findet sich in „Borkenstein, Lehrgebäude der Artilleriewissenschaft“, Berlin 1822. Auch auf Bewaffnung und Ausrüstung der anderen Truppen erstreckte sich seine Wirksamkeit. Weniger gut als zu dessen Vorgängern war Helvig’s Stellung zu König Karl XIV. Johann, so daß er, nachdem seine Vaterstadt Stralsund preußisch geworden war, auf Gneisenau’s und Hardenberg’s Veranlassung in die Dienste der neuen Landesherrschaft überging. Hier versuchte man seine Kenntnisse und Erfahrungen auszunutzen, um für die große Zahl neuer Geschütze, deren man bedurfte, um namentlich die Festungen auszustatten, eiserne Rohre zu erhalten, wie er sie in Schweden geschaffen; heftige Reibungen aber, in welche er wegen der Herstellung mit den Hüttenbehörden gerieth, ließen die Angelegenheit ins Stocken gerathen und hatten zur Folge, daß H. im J. 1826 pensionirt wurde. Mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, lebte er nun bis zu seinem am 11. Mai 1844 erfolgten Tode in Berlin. Seit 1803 war er mit Amalie v. Imhof (Bd. XI S. 714) verheirathet, die ihm schon 1831 im Tode voranging.

Major L. Blesson in Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges, Berlin, Posen und Bromberg 1845, 2. und 3. Heft.

[500] *) Zu Bd. XI, S. 715.